Radweg-Verfechter kündigen Blockade der Staatsstraße an

Wer sicher nach Hilbersdorf radeln will, muss auf Freibergs Ortsumgehung warten. So betet es die Politik seit Jahren vor. Drei Hilbersdorfern reicht es jetzt. Sie organisieren eine Demo. Und rechnen mit viel Zuspruch.

Hilbersdorf.

Bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag wollen sie nicht länger warten: Um ihrer Forderung nach einem schnellen Bau eines Radwegs zwischen Freiberg und Hilbersdorf Nachdruck zu verleihen, haben André Melzer und Heiko Dreyer, zwei Radfahrer aus Hilbersdorf, für den 1. September 10 Uhr eine Rad-Demo angemeldet. Sie wollen eine Fahrrad-Kette von Hilbersdorf bis Freiberg bilden und rechnen mit bis zu 500 Teilnehmern. Die Staatsstraße zwischen Freiberg und Hilbersdorf ist für die Dauer der Aktion gesperrt.

Seit Jahren wird um den Radwegbau gerungen. Die steile Staatsstraße hinunter ins Tal der Freiberger Mulde ist kurvig, viele Lkw sind unterwegs, Autos nutzen die erlaubten einhundert Kilometer pro Stunde häufig nahezu aus. Wird dann ein Fahrradfahrer überholt, geht es oft mehr als eng zu. Doch eine echte Alternative zur Strecke über die Staatsstraße gibt es für die Radfahrer nicht.

"Ich habe dort ein ungutes Gefühl", sagt Heiko Dreyer. "Wenn man nachts mit dem Fahrrad unterwegs ist und hinter sich ein Auto hört, fährt man besser rechts ran." Als Heiko Dreyer eine Internet-Petition ins Leben rief, um für den Bau des Radwegs zu trommeln, traf er einen Nerv. Bislang unterzeichneten an die 800 Menschen die Petition. "Ich laufe oft und fahre viel mit dem Rad auch in Richtung Freiberg und zurück", berichtet beispielsweise eine Frau aus Bobritzsch, die dazu gehört. "Aber der Weg ab Ortsausgang Hilbersdorf bis Freiberg und zurück ist sehr gefahrvoll, und ich muss oft in den Straßengraben ausweichen, um keinen Unfall hervorzurufen." Mit Kindern könne man die Straße weder zu Fuß noch per Rad nutzen.

Der Radwegbau nach Hilbersdorf war denn auch bei der jüngsten Abstimmung zum Freiberger Bürgerhaushalt der Bürgervorschlag mit der größten Zustimmung. Doch viel Bewegung konnten bislang weder Petition noch Bürgerhaushalt in die Sache bringen. Zuständig für den Bau ist der Freistaat. Der wartet aber erst einmal ein weit größeres Projekt ab: die Freiberger Ortsumgehung, die den geplanten Radweg in zwei Hälften teilt. Der Abschnitt zwischen der geplanten Ortsumgehung und Hilbersdorf solle bis 2025 gebaut werden, teilte das Landesamt für Straßenbau und Verkehr der "Freien Presse" zuletzt mit. Im weiteren Verlauf stadteinwärts von der Ortsumgehung bis zum Knappenweg könnten die Radfahrer dann die bisherige Straße als Radweg nutzen. Die soll abgestuft und für Autos gesperrt werden, letztere müssen dann die Umgehungsstraße nutzen.

"Wer weiß schon, ob die jemals kommt", sagt Frank Pillau mit Blick auf die jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen über die Umgehungsstraße. Frank Pillau war viele Jahre Chef beim Feuerwerkshersteller Weko. Er wohnt in Hilbersdorf und unterstützt die Demonstration. "Die Pläne für den Radweg liegen doch seit Jahren fertig in der Schublade", sagt er. Weko selbst habe noch zu seiner Zeit einen Streifen eines Grundstücks entlang der Straße abgegeben, damit dort der Radweg entstehen kann. Pillau: "Dass da noch nichts passiert ist, begreift doch kein Mensch mehr."

Das Argument Ortsumgehung ist für ihn keins. "Damit geben wir uns nicht länger zufrieden", betont auch André Melzer. Die Sicherheit der Radfahrer müsse jetzt verbessert werden. Er verweist darauf, dass seiner Meinung nach immer mehr Pendler in die Pedale treten. Dass Freiberger Firmen diese Entwicklung fördern. Und er glaubt, dass mit dem Radweg noch mehr Menschen umsteigen würden. Allein zwei Busse kutschieren jeden Morgen die Schüler aus Bobritzsch und Hilbersdorf nach Freiberg.

Von der Politik vor Ort fühlen sich die drei nur wenig unterstützt. Aussagen seien immer unverbindlich, sagt Heiko Dreyer. Teils herrsche Funkstille. Auch das wollen sie ändern. Zur Demo sind die Oberhäupter von Stadt- und Landkreisverwaltung, der CDU-Landtagsabgeordnete Steve Ittershagen und Bobritzsch-Hilbersdorfs Bürgermeister Volker Haupt (CDU) geladen - für Fragen und für Antworten. Haupt hat den Organisatoren seinen Kommen bereits zugesagt, gegenüber der "Freien Presse" versprach das auch Ittershagen. Ebenso die Freiberger Stadtspitze. Holger Reuter, Baubürgermeister der Stadt, habe bereits weitere Schritte mit Haupt abgestimmt, erklärte eine Sprecherin. "Ziel ist es, eine Planung zu erarbeiten, die unabhängig vom Zeitpunkt des Baus der Umgehungsstraße zeitnah realisiert werden könnte."

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1Kommentare
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  • 1
    1
    Tokru
    22.08.2018

    Ich mach' mit.



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