Rapkarriere abseits der Musik-Metropolen

Freiberg ist kein Mekka der Rap-Kultur. Der 28-jährige Bergstädter FLX bleibt ihr aber treu und präsentiert die Heimat in seinen Liedern.

Freiberg.

Die Musikvideos von FLX (Sprich: Flex) erfüllen jedes Rap-Klischee: teure Sneaker, die neuesten Jogginganzüge, prollige Autos. Auch die Musik reiht sich nahtlos in den derzeitigen Mainstream ein und erinnert an Erfolgs-Rapper wie Raf Camora. Aber nachahmend soll die Musik von FLX nicht sein. Auch als prollig würde der Rapper sich selbst nicht beschreiben, auch wenn die Tattoos und die aufgepumpten Oberarme das vermuten lassen. Dieses Bild überlässt er der Figur, die hinter seinem Künstlernamen steckt.

Felix Plath, so der bürgerliche Name des Rappers, ist 28 und kommt aus Freiberg. Die Stadt ist auch ein immer wiederkehrendes Motiv in seiner Musik, alle Videos wurden in der Bergstadt gedreht. Knapp 20.000Menschen haben sich diese mittlerweile bei Youtube angeschaut. Doch angefangen hat es ganz klassisch: im Kinderzimmer.

Dort kam er durch seinen älteren Bruder zum Rap. In einer kleinen Kammer, die er zum Tonstudio umfunktionierte, nahm er in der achten Klasse zusammen mit einem Mitschüler seine ersten Lieder auf. Der Erfolg blieb zwar erst mal aus, weitergemacht hat er aber dennoch. "Ich war von meinem Können überzeugt, deshalb kam Aufgeben für mich nicht infrage. Viele werten das als Arroganz, aber es ist viel mehr Selbstvertrauen", erzählt Plath.

Das Selbstvertrauen hat er sich bewahrt, auch als er Teil eines Rock-Crossover-Projektes war. Mit der Band "6 Aux-In" kam er durch eine Freundin in Kontakt. Als er die Band in ihrem Proberaum in Oberbobritzsch besuchte, war schnell klar, dass die Zusammenarbeit harmoniert.

"Wir haben zusammen viele Auftritte gehabt, egal ob im Jugendzentrum oder auf dem Freiberger Bergstadtfest. Es war eine tolle Zeit", erinnert sich der Rapper. Als er ab 2012 wieder solo unterwegs war, ging es auch mit der Produktion eigener Titel wieder los. 2012 und 2013 entstanden zwei Alben, die online zum Download bereitstanden. Aber irgendwann fehlte ihm dann doch die Zeit. Der studierte Handelsfachwirt ging 2015 zur Luftwaffe, da stand die Musik vorerst hinten an.

2017 ging es wieder los mit der Musik, auch weil ihn ein alter Bekannter zu ihr zurückgebracht hatte. "Ich habe wieder Zeit und Energie in meine Musik gesteckt", erzählt Felix Plath. Dass es wieder Rap sein sollte, war sofort klar: "Mein Musikgeschmack ist sehr breit, ich kann mich auch für Rock oder Metal begeistern. Aber Rap ist meine Leidenschaft."

Eine kurze Pause gab es erst, als er wegen seines Jobs bei der Luftwaffe im Einsatz in Jordanien war. Im Februar 2019 kam er zurück und bastelte gleich wieder an neuer Musik. Seitdem hat sich in der Karriere von FLX einiges getan. Seine Videos auf Youtube werden von vielen Fans geklickt, manchmal trifft er Jugendliche in der Freiberger Innenstadt, die seine Musik hören. Auch auf dem Streamingportal Spotify ist er unterwegs. "Auch wenn ich aktuell noch nicht von der Musik leben kann, ist es ein tolles Gefühl, auf dem Kontoauszug zu sehen, dass Spotify was überwiesen hat", sagt er.

Für kommendes Jahr ist ein neues Album geplant. Das wird sich wie die bereits veröffentlichen Singles am musikalischen Zeitgeist orientieren. "Ich höre selbst viel Rap und lass mich von der Musik inspirieren, da kann es schon sein, dass einige meiner Lieder an Raf Camora oder Samra erinnern", sagt er. Aber ein Abklatsch erfolgreicher Musik sollen seine Lieder nicht sein. Auch wenn einige von ihnen locker auf Alben wie Palmen aus Plastik hätten erscheinen können. "Rap hat auch immer was mit einem großen Ego zu tun. Man will authentisch sein, beschäftigt sich viel mit sich selbst. Auch wenn meine Beats von Produzenten kommen, will ich mich damit identifizieren können und sie zu meinem eigenen Ding machen", sagt er. Außerdem sei es zunehmend schwierig, etwas ganz neues zu kreieren. Erst wenn er sich für eine Melodie entschieden hat, sagt er, fängt er an zu schreiben. Denn erst dann kann er die Stimmung des Liedes einschätzen und ein geeignetes Thema dafür auswählen. Unterstützt wird er bei seiner Arbeit immer von seinen Freunden, die auch in seinen Musikvideos auftauchen und ihn beim Dreh unterstützen. Eine Sache blieb in all den Jahren unverändert: Die Lieder werden immer noch bei ihm zuhause aufgenommen.

Auch für weitere Jahre plant FLX Musik zu machen und mehr zu produzieren, irgendwann soll auch mal eine gepresste Platte erscheinen. Außerdem wünscht er sich, dass Freiberg die große Jugendkultur unterstützt. "Wir haben viele Musikprojekte, die irgendwas mit Rock zu tun haben. Aber es wäre auch schön, wenn es das für Hip Hop gebe. Damit würde man sicher viele Jugendliche ansprechen. Wenn man mich fragen würde, ich würde auch was auf die Beine stellen", sagt er.

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