Rat kritisiert Vergabe des Bürgerpreises

Von rund 2500 Einwohnern in Großhartmannsdorf wurden vier als Preisträger vorgeschlagen. Dass drei davon für die CDU im Gemeinderat sitzen, stößt einem sauer auf.

Großhartmannsdorf.

Mit Unverständnis reagiert der Großhartmannsdorfer Gemeinderat Jens Härtig (SPD) auf die Entscheidung, drei der vier Bürgerpreise an Mitglieder im Gemeinderat, alle von der CDU-Fraktion, zu vergeben. "Gibt es in den Ortsteilen Obersaida und Niedersaida wirklich niemanden, der sich in den Jahren seit der Fusion 1993/1994 ehrenamtlich auszeichnungswürdige Verdienste erworben hat?", fragte er in einem Schreiben, das "Freie Presse" vorliegt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung am 31. Juli hatten acht von neun abstimmungsberechtigten Räten dafür gestimmt; einer stimmte dagegen. Die CDU-Räte Mathias Bretschneider, Martina Frohs und Dieter Weißgerber, die neben dem Nicht-Ratsmitglied Heinz Koch den Preis für ihre ehrenamtliche Arbeit bekommen sollen, stimmten aufgrund von Befangenheit nicht mit ab. Härtig fehlte bei der Sitzung, weil er im Urlaub war, wie er sagt.

Drei Wochen Zeit hatten die Einwohner von Großhartmannsdorf, Ober-, Mittel- und Niedersaida, Menschen vorzuschlagen, von denen sie meinen, dass sie den Bürgerpreis verdient haben. Vier Vorschläge sind eingegangen. "Dass drei Räte aus der CDU-Fraktion vorgeschlagen worden sind, ist reiner Zufall. Es hätte auch jeder andere Gemeinderat sein können", erklärte Bürgermeister Werner Schubert (CDU) auf Nachfrage. Aus dem Gemeinderat selbst seien keine Vorschläge gekommen; nicht mal der Hinweis, dass die "Vergabe eventuell mit zu heißer Nadel gestrickt wird und verschoben werden sollte", erklärte Schubert. Die Räte für ihr Engagement zu ehren, der Vorschlag sei aus der Bürgerschaft gekommen, betonte Schubert.

SPD-Rat Härtig selbst hatte niemanden vorgeschlagen. "Ich habe eine große Familie und kann mir nicht über alles Gedanken machen", sagte er zur Begründung und ergänzte: "Ich habe nichts gegen die vorgeschlagenen Leute. Sie machen gute Arbeit. Aber sollte nicht der Preis eher ein Preis der Gemeinde für den Bürger sein als ein Preis der Gemeinde für Mitglieder ihrer eigenen Organe?", stellte er zur Diskussion. Neben den drei Räten wird auch Heinz Koch geehrt. Er hat sich viele Jahre lang für die Volkssolidarität im Ort engagiert, war Teil des musikalischen "Rentner-Trios" spielt seit vielen Jahren den Bürgern bei runden Geburtstagen ein Ständchen.

Für die Preisvergabe 2019 seien schon Personen vorgeschlagen worden, sagte Schubert. "Aus dem Sportverein fallen mir bestimmt 20 Leute ein, die alle den Preis verdient hätten", sagte Härtig. Bis 31. Oktober haben Bürger, Vereine, Institutionen, Politiker und Gemeinderäte noch Zeit, begründete Vorschläge einzureichen.

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