Rathauschef: Familien wären mir am liebsten

In Clausnitz sollen in Kürze Flüchtlinge in Privatwohnungen einquartiert werden. Ein Großteil der Einwohner sorgt sich um seine Sicherheit.

Clausnitz.

Die Mehrheit der etwa 160 Einwohner der Gemeinde Rechenberg-Bienenmühle, die sich am Mittwochabend von Rathauschef Michael Funke (parteilos) über die Flüchtlingsunterbringungen informieren ließen, lehnt Asylbewerber in Clausnitz ab. Sie fürchten Sicherheitsprobleme, rechnen zudem mit Sachbeschädigungen und Unordnung. Der Ärger über die Asylpolitik in Deutschland war unüberhörbar.

Zuvor hatte Funke in der Clausnitzer Turnhalle mitgeteilt, dass der Kommune laut dem Verteilerschlüssel zwar 36 Asylbewerber zugewiesen werden können, aber die neun Wohnungen in den Häusern an der Cämmerswalder Straße 13 bis 15 wegen der Kapazität der Kläranlage nur maximal 30 Personen verkraften. Laut Funke könnten bis zu drei Personen pro Wohnung, also insgesamt 27 Asylbewerber zugewiesen werden. In einer weiteren Wohnung sei geplant, Betreuer, Übersetzer und Security unterzubringen.

Torsten Kleditzsch

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Heute wolle die kreiseigene Managementgesellschaft GSQ, die die Flüchtlingsdomizile in Mittelsachsen betreibt, die möblierten Wohnungen von der Firma Brasst Bau übernehmen. Damit könne die Zuweisung der Flüchtlinge erfolgen. Noch sei aber unklar, wann und wer in die Wohnungen einzieht. "Auch mir wären Familien am liebsten. Wir werden zwei Tage vorher informiert", sagte Funke und versprach, dann erneut per Wurfsendung die Einwohner zu informieren.

In der anschließenden Fragerunde kritisierten mehrere Einwohner, dass weder Vertreter des Landratsamtes noch der Polizei anwesend seien. Sie hätten laut Funke abgesagt, da sie bei ähnlichen Versammlungen offenbar massiv beschimpft worden seien. Einzig Thomas Hetze, der seit kurzem bei der Gesellschaft für Strukturentwicklung und Qualifizierung Freiberg (GSQ) beschäftigt ist und die Heimleitung in Clausnitz übernehmen soll, stellte sich den Fragen. Auch sah sich der Holzhauer Gemeinderat dem Vorwurf ausgesetzt, einerseits auf AfD-Veranstaltungen zu reden, sich andererseits aber auch um Flüchtlinge zu kümmern. Hetze stellte klar, dass das eine mit anderen nichts zu tun habe. Er sei mit der Politik in Deutschland nicht zufrieden, und das könne er nur über eine Partei artikulieren. In dem Zusammenhang wies er darauf hin, dass sich die Flüchtlinge selbst versorgen und damit frei im Dorf bewegen müssen.

Letzteres sorgte für heftige Diskussionen hinsichtlich des Sicherheitskonzeptes. Während wochentags vor allem der Polizeiposten Sayda bei Problemen anrückt, müsse am Wochenende 112 gewählt werden. Neben der Freiberger Polizei würde ebenso die Cämmerswalder Bundespolizei zur Stelle sein. Noch mehr Unverständnis löste die Information aus, wonach es sich bei den zu erwartenden Flüchtlingen offenbar um Personen handelt, die noch kein bestätigtes Bleiberecht haben. In dem Zusammenhang sprachen einige Bürger vom "Durchgangslager", das Integration erschwere. Um die bemühe sich aber Daniela Griesbach von der Kirchgemeinde. "Wir sind eine Gruppe von 15 Leuten", sagte die junge Frau, die auf die Kooperation mit Betreuer Hetze setzt.

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