Raue Kerle bringen ihr Herz aus Gold in die Silberstadt

Statt "Rock um zu helfen" gab es diesmal eine Bikerausfahrt, um Geld gegen Krebs zu sammeln. Es wurde ein chromblitzendes Ereignis auf dem Obermarkt.

Freiberg.

"Stulle" ist ein richtiges Paradebeispiel für einen Biker. Kraftvoll, fast schon ein wenig bullig, steht er am Samstagvormittag neben seinem Trike, einem "Rewaco", auf dem Freiberger Obermarkt. Seine Lederweste ist übersät mit Aufnähern aller Arten. Mit brummig wirkendem Gesichtsausdruck raucht Stulle, der eigentlich Uwe Stelzner heißt und aus Mittweida kommt, eine Zigarette. Automatisch hat man vor ihm Respekt. Doch fragt man ihn, warum er zusammen mit rund 120 mittelsächsischen Bikern in die Silberstadt gekommen ist, dann geht ein Lächeln über sein Gesicht, welches das sprichwörtliche Herz aus Gold durchschimmern lässt. "Um zu helfen", sagt er.

Erstmals fand nämlich eine Motorrad-Ausfahrt von Freiberg aus statt, mit der man Geld sammelt für die Deutsche Krebshilfe. Die Idee dafür stammt von Kenneth Hädecke und wurde ein wenig aus der Not geboren. "Eigentlich veranstalten wir jedes Jahr 'Rock um zu helfen'", erzählt er. "Doch konnte das dieses Jahr coronabedingt nicht wie üblich im Tivoli stattfinden." Damit musste die seit 2012 durchgeführte Spendenaktion ausfallen. Doch gar nicht zu helfen kam nicht in Frage. Hädecke, selbst stolzer Besitzer einer Yamaha Midnight Star, wandte sich an die Motorradfreunde Nossen und deren Chefin Kati Hofmann. "Kenneth wusste, dass ich die Demos gegen die Fahrverbote organisiere", erzählt sie. "Außerdem machen wir seit 2014 Ausfahrten, bei denen wir Geld sammeln, um Spielzeug für das Kinderhospiz in Chemnitz zu kaufen."

Gemeinsam machte man sich daran, das Bikertreffen zu organisieren. Auf die Unterstützung der Stadt Freiberg konnte man dabei rechnen. Anders sah es mit der Polizeidirektion Chemnitz aus, so Hofmann. Da keine Begleitung durch Sicherheitskräfte erfolgte, musste man sich in Fahrgruppen von unter 30 Teilnehmern aufteilen. Mit dabei war auch der zwölfjährige Markus aus Chemnitz mit seinem Vater Andreas. "Markus leidet unter Krebs", so Kenneth Hädecke. "Und wir haben beide eingeladen, auf einem Trike mitzufahren." Papa Andreas nahm hinter "Stulle" Platz und Markus durfte bei Enrico Böhme auf dem Boom-Trike mitfahren.

Kurzfristige Hygieneregeln, die das Landratsamt Mittelsachsen aufgrund steigender Corona-Fallzahlen erlassen hatte, sorgten dafür, dass für den Zeitraum des Treffens der Obermarkt abgesperrt wurde, Sicherheitsposten für einen geordneten Einlass sorgen mussten und Gesichtsmasken allgegenwärtig waren. Das hielt keinen der Biker ab, dabei zu sein. Uwe Roßberg aus Lichtenberg kam mit seiner Chopper Honda Shadow. "Ich hatte selber mal Krebs", erzählt er. "Nicht nur deshalb ist es Ehrensache."

Laut knatternd ging es schließlich auf die Ausfahrt nach Halsbrücke, Großschirma und wieder zurück zum Freiberger Obermarkt. "2233 Euro sind als Spende zusammengekommen", freute sich Kenneth Hädecke im Anschluss. "Wir hätten nicht damit gerechnet, dass es so viel wird." Aufgrund schlechter Wetterprognosen, so wurde vermutet, kamen nämlich nicht ganz so viele Fahrer wie zunächst erhofft. Die Summe konnte sich am Ende trotzdem sehen lassen. Am Nachmittag übergaben die Biker schließlich auch noch die Geschenke an das Chemnitzer Kinderhospiz.

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