"Reform ist nicht genug erklärt worden"

Mitten in Sachsen: Was Mittelsachsen über ihren Landkreis sagen, der vor zehn Jahren gegründet worden ist. Heute: Ehrenfried Keller vom Kreisfeuerwehrverband.

Conradsdorf.

Das Wieso und Weshalb der Kreisreform 2008 ist der Bevölkerung nicht ausreichend erklärt worden. So kommentiert Ehrenfried Keller den Zusammenschluss der drei Altkreise Freiberg, Mittweida und Döbeln vor zehn Jahren. Dabei hält der 67-Jährige, der das Feuerwehrwesen in der Region maßgeblich geprägt hat, den Schritt für notwendig: "Der Bevölkerungsschwund und die Überalterung sind nicht aufhaltbar. Es wird immer schwerer, genügend geeignete Leute zu finden, die auch Verantwortung übernehmen."

Das zeigt sich auch im Kreisfeuerwehrverband Mittelsachsen, dem Keller seit 2009 bis dieses Jahr vorstand. "Wir haben den Kreisverband im Januar 2009 als Verein gegründet", erinnert sich der Conradsdorfer. Der Unmut über das neue Kreisgebilde sei damals groß gewesen unter den Kameraden. So habe der Altverband Freiberg im März 2009 den Vorschlag abgeschmettert, dem neuen Kreisverband beizutreten. "Wir haben dann drei Regionalversammlungen gemacht. Da war eine große Angst vor Veränderungen spürbar." Erst 2010 kam es in Freiberg zum Zusammenschluss und zur Auflösung der Altverbände - im zweiten Anlauf, denn bei der ersten Runde waren nicht genügend Delegierte angereist, um beschlussfähig zu sein.

Die Mitgliederzahl im Kreisfeuerwehrverband ist laut Keller "relativ stabil". 8506 Kameraden weist der Rechenschaftsbericht vom März dieses Jahres aus, darunter 444 Frauen und 4658 Männer im aktiven Dienst. Zum Jahreswechsel gehörten demnach 211 Ortswehren aus 52Städten und Gemeinden des Landkreises sowie die Schoeller-Werksfeuerwehr Weißenborn und die Betriebsfeuerwehr von Technocell Dekor Penig zum Verband.

Die Mitgliedschaft sei dabei keine Pflicht, betont der Ex-Vorsitzende: "Als Interessenvertretung sind wir so etwas wie die Gewerkschaft der Feuerwehrleute." Im vorigen Jahr seien vier Feuerwehren unter anderem aus den Gemeinden Seelitz und Wechselburg beigetreten. Es gab aber auch Verluste. So wurden die Freiwilligen Feuerwehren in Beerwalde (Gemeinde Erlau) und Dittersdorf (Gemeinde Striegistal) in den letzten beiden Jahren aufgelöst.

Der Ex-Vorsitzende macht keinen Hehl daraus, dass der Verband finanziell vom Landkreis unterstützt wird. Dadurch könne er sich auch eine Geschäftsstelle im DBI in Freiberg leisten: "Früher habe ich das alles von zu Hause aus gemacht." Jetzt sitzt eine Teilzeit-Angestellte in dem Büro an der Halsbrücker Straße. Sie koordiniert auch den Einsatz der drei Hüpfburgen, die über die Kreisjugendfeuerwehr angeschafft worden sind: "Die sind bei Veranstaltungen sehr begehrt, um Interesse bei den Kindern zu wecken. An manchen Wochenenden müssen wir einzelnen Wehren absagen."

Darüber hinaus reiche der Kreisverband das viermal jährlich erscheinende Magazin "Feuerwehr aktuell" kostenlos an die Wehrleitungen weiter, finanziere die Medaillen für treue Dienste, unterstütze die sieben Musikzüge und bringe beispielsweise auch seine Meinung zu politischen Themen wie etwa der Förderrichtlinie für den Brandschutz und der Feuerwehrrente ein. "Wir hätten auch die Anschaffung der Funkmeldeempfänger im Kreis durch eine zeitweilige Arbeitsgruppe unterstützen können. Aber wir sind nicht gefragt worden." Mit den "Piepsern" gibt es massive Probleme.

Für Keller steht fest, dass die Feuerwehren "eine wesentliche Rolle für den Zusammenhalt in den Kommunen" spielen. Sie seien in den Orten verwurzelt. Das sei umso wichtiger, "da sich viele Bürger in Großgemeinden und im Großlandkreis nicht aufgehoben fühlen." Sorge bereite ihm aber zugleich, dass der Respekt vor den Rettungskräften sinkt. Und wenn er dann Beispiele von rücksichtslosen Kraftfahrern oder Beleidigungen bis hin zum Anspucken nennt, gerät er in Rage.


Biografisches

Ehrenfried Keller wurde am 28. Mai 1950 geboren. Seit 1972 engagiert er sich für die Feuerwehr. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Der Conradsdorfer hat in der Ortswehr begonnen, wurde 1975 Wehrleiter und war von 1986 bis 1990 auch als Zugführer einer Brandschutzeinheit für drei Wehren zuständig.

Den Landesfeuerwehrverband hat der Brandinspektor am 29. September 1990 ebenso mitbegründet wie einen Monat zuvor den Kreisfeuerwehrverband Freiberg.

Von Beruf ist er Landmaschinen- und Traktorenschlosser. Nach der Wende war er als Serviceberater bis 2012 in einem Autohaus tätig. (jan)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...