Regiobus: Was Kunden erwartet

Plusbusse, Anruftaxis und selbst fahrende Busse - das mittelsächsische Nahverkehrsunternehmen hat sich große Ziele gesetzt. Auch die Erzgebirger könnten profitieren.

Frauenstein/Mittweida.

Mehr als 13Millionen Fahrgäste hat Regiobus im vergangenen Jahr gezählt. Jetzt plant das Verkehrsunternehmen Änderungen und Neues. Die "Freie Presse" gibt einen Überblick, was Geschäftsführer Michael Tanne momentan beschäftigt.

Pläne: Einige Verbesserungen im Regiobus-Angebot könnte es schon 2018 geben, große erst später. Der Kreis bezuschusst laut Landrat Matthias Damm (CDU) den Nahverkehr in Mittelsachsen in diesem Jahr mit rund 9,6 Millionen Euro. Es seien aber auch neue Ansätze nötig, um Bedarf und Wirtschaftlichkeit abzuwägen, so Damm. Einer dieser Ansätze ist das Konzept "Plusbus" des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS), in den Regiobus eingebunden ist.


"Auf Strecken mit hohem Fahrgastaufkommen wollen wir das Omnibusangebot verbessern und einige neue Linien einrichten, besonders dort, wo kein Zugangebot besteht", sagt VMS-Sprecherin Jeanette Kiesinger. Auch die Linien zwischen Rochlitz und Mittweida sowie zwischen Frankenberg und Mittweida sollen ins "Plusbus"-Netz integriert werden. Auf bestehenden Linien sollen laut Regiobus-Chef Tanne Busse künftig auch später am Tag als bisher fahren, an den Wochenenden eventuell auch häufiger. Denkbar sei das etwa auf den Strecke von Freiberg aus nach Frauenstein (Linie 732), nach Deutschneudorf (737), Hainichen (747) und nach Döbeln (750). Die ersten Plusbus-Linien soll es spätestens 2019 geben. Derweil wird aber auch geprüft, ob man den Stundentakt der Bahnverbindung zwischen Freiberg und Holzhau auf einen Zwei-Stunden-Takt reduziert. So steht es im aktuellen Nahverkehrsplan des VMS.

Zudem plant Regiobus, das Angebot an Anruf- beziehungsweise Linientaxis auszubauen. Fahrgäste können sie zu bestimmten Zeiten nutzen, wenn sie vorher anrufen - zum üblichen Busfahrpreis plus einen Euro Komfortpauschale, denn die Fahrer bringen die Gäste mitunter bis in ihr Wohnquartier. "Wenn wir neue Dienstleister finden, die solche Fahrten übernehmen, können wir das Angebot noch 2018 ausbauen", so Tanne. Zudem will Tanne autonom fahrende Busse einsetzen. Frühestens ab 2020 sei das vorstellbar. Die Busse sollen vor allem auf den letzten Wegstücken einiger Verbindungen fahren. Denkbar sei das auf der Strecke Waldheim-Rochlitz-Penig. Beteiligt sind an der Entwicklung auch die TU Freiberg und die Hochschule Mittweida.

Fahrpläne und Preise: Eine außerplanmäßige Preiserhöhung soll es 2018 laut Regiobus-Chef Tanne zwar nicht geben. Allerdings steht die übliche Preisanpassung, die im Verkehrsverbund Mittelsachsen alle zwei Jahre erfolgt, 2018 wieder an. Die Ticketpreise für die Fahrgäste würden voraussichtlich zum August steigen, und zwar um "zwei bis drei Prozent", so Tanne. Die Fahrpläne wolle Regiobus 2018 "nicht wesentlich" ändern. Es sollen nur einige Fahrzeiten an veränderte Zugfahrzeiten angepasst werden. Außerdem gebe es die Überlegung, den Fahrplan anzupassen für den Fall, dass die Taktung der Züge von Chemnitz nach Mittweida bis 24Uhr ausgedehnt wird.

Busfahrer: Etwa 465 Personen arbeiten derzeit bei Regiobus, inklusive rund 30 Auszubildende. Etwa jeder zehnte Beschäftigte ist eine Frau. Fahrer gibt es rund 350, darunter etwa 20Auszubildende. Problematisch: Der Altersdurchschnitt im Unternehmen steigt. Aktuell liegt er bei knapp 50 Jahren. Wie in anderen Branchen auch kämpfe das Unternehmen mit Fachkräftemangel, sagt Geschäftsführer Tanne. "Es war überraschend, wie viele Fahrer sich für die Rente mit 63 entschieden haben", so der 58-Jährige. Auf das Problem reagiert Regiobus auf zweierlei Art: Es stellt Quereinsteiger ein und setzt vermehrt auf Werbung um Auszubildende. Die Chance auf Übernahme liegt laut dem Geschäftsführer bei 100 Prozent. Doch guten Nachwuchs zu finden, sei schwer. Deshalb werde darüber diskutiert, mehr ausländische Fahrer einzustellen, wie es etwa Dienstleister der Chemnitzer Verkehrs-AG (CVAG)getan haben. Konkrete Pläne verfolge er aber nicht, so Tanne. Bislang beschäftigt Regiobus vier Fahrer aus dem Ausland.

Fahrzeuge und Fahrgäste: Im Einsatz sindbei Regiobus laut Michael Tanne derzeit 236 eigene Linienbusse, darunter 53 Klein- und Midibusse, sowie zusätzlich rund 60Fahrzeuge von Dienstleistern.2017 zählte Regiobus mehr als 13Millionen Fahrgäste - rund anderthalb Prozent mehr als 2016.Dabei ist die Bevölkerungszahl in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Regiobus steigerte die Anzahl der Fahrgäste dennoch, indem seit 2010 etwa anderthalb Millionen Fahrplankilometer mehr als zuvor angeboten werden. Zudem profitiere das Verkehrsunternehmen vom Chemnitzer Modell, von dem viele Kunden in Regiobus-Fahrzeuge umsteigen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...