Regionale Geschichte en miniature

Drei Burkersdorfer bewahren mit ihrem Hobby die Erinnerung an die Schmalspurbahn im Osterzgebirge vor dem Vergessen.

Burkersdorf.

Es wirkt wie ein Ausschnitt aus einer Landschaft in Miniaturausgabe - die große Modellbahnanlage in Burkersdorf. Sie zeigt einen Großteil der Strecke der ehemaligen Schmalspurbahn zwischen Klingenberg-Colmnitz und Frauenstein, eingebettet in Wiesen, Felder, Gehöfte, einen Steinbruch und mehr. Die Höhepunkte: die früheren Haltepunkte mit ihren Bahnhöfen: Klingenberg, Friedersdorf, Burkersdorf, Frauenstein.

So ist es auch weit mehr als ein Hobby, das die drei Eisenbahnfreunde mit dieser Anlage betreiben. Sicher, den drei Herren Claus, Werner und Frank - sie verbindet außer dem Hobby auch der gemeinsame Nachname Böhme - ist das Basteln, Tüfteln an den Zügen, Gleisanlagen, Häusern im Kleinformat ein großes Vergnügen. Sie bewahren damit aber auf der etwa 20 Quadratmeter großen Grundplatte auch ein Stück Regionalgeschichte vor dem Vergessen. Denn die Gleise, Brücken, Teile der Bahnhofsgebäude und manches andere gibt es heute nicht mehr.

Die Modellbahnanlage hat ihren Platz in einem großen Raum im ehemaligen Firmengebäude Oskar Böhme in Burkersdorf. Dieses wiederum steht am Ortsrand, genau dort, wo einst die Strecke der Schmalspurbahn entlangführte.

Auf der Platte ziehen sich zahlreiche Gleise durch die Landschaft, Loks unterschiedlicher Antriebsarten ziehen Güter- und Personenzüge - es ist ein bisschen, als wäre die Zeit stehengeblieben. "Auf der Anlage ist der Zeitraum zwischen 1960 und 1970 dargestellt", erzählt Claus Böhme, der mit seinen Mitstreitern schon seit 2013 an dem Modell baut. Im selben Jahr haben sie ihren Schatz zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt¨ - in der Adventszeit. Sie waren ein Türchen im lebendigen Adventskalender und stießen auf riesiges Interesse. So ging es Jahr für Jahr bis 2019. Und diesmal?

"Der Adventskalender findet wegen Corona nicht statt", sagt Werner Böhme wehmütig. Doch davon lassen sich die Modellbahnfans nicht entmutigen. Etwa ab Oktober, wenn in den Grundstücken und Gärten nicht mehr viel zu tun ist, treffen sie sich einmal wöchentlich nachmittags zum Basteln. "Wir bauen nun an den Bahnhöfen weiter", sagt Frank Böhme. Und auch an Häusern, die zu den Ortschaften gehören, darüber sind sich die drei Modellbahn-Enthusiasten einig.

Dafür fahren sie mit Messgeräten, Kameras und Notizblock sogar zu den interessanten Gebäuden hin, denn schließlich soll en miniature alles so originalgetreu wie möglich entstehen. Das ist ihr Anspruch.

Hilfe beim Nachbau der Gebäude holen sich die Modellbahner zuweilen in der Burkersdorfer Firma Deformationsmesstechnik bei Thomas Richter, der ihnen die Häuser mit moderner Technik passgenau zuschneidet.

Den Grundstein für ihren Nachbau der Schmalspurbahn legten die drei Enthusiasten mit dem Verkehrsmuseum in Dresden. Dort stand ein Teil der Modellbahnanlage mit dem Klingenberger Bahnhof im Depot. Gebaut hatte das alles Ende der 1970er-Jahre die Leipziger Modellbahngesellschaft Friedrich Liszt. Vom Museum in Dresden erhielten die Burkersdorfer per Vertrag die Anlage als Dauerleihgabe, wie sie erzählen. So können die Männer, die seit ihrer Kindheit ihrem Hobby frönen und auf der richtigen Schmalspurbahn selbst noch mitgefahren sind, nun auf ihre Art dieses Stück Regionalgeschichte für die Nachwelt erhalten.

Zeigen Sie uns Ihre Modellbahnanlage: "Freie Presse" stellt weitere Schmuckstücke vor. Wenn Sie Ihre Anlage den Lesern zeigen wollen, nehmen Sie bitte via Mail unter red.freiberg@freiepresse.de Kontakt mit der Redaktion auf.


Auf schmaler Spur unterwegs

Die Strecke der Schmalspurbahn zwischen Klingenberg-Colmnitz und Frauenstein wurde am 14. September 1898 eröffnet. Mehr als sieben Jahrzehnte erschloss die Bahn die Region des westlichen Osterzgebirges. Die knapp 20 Kilometer lange Strecke diente dem Güterverkehr, aber auch Berufs- und Ausflugsverkehr spielten eine Rolle. Am 20. Oktober 1971 entgleiste die Lok bei der Einfahrt in den Bahnhof Oberbobritzsch wegen Schienenbruchs auf dem maroden Gleissystem. Damit war das Ende der Bahnlinie besiegelt. (ar)

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