Reinsberg stöhnt unter A4-Stress

Klemmt es zwischen Siebenlehn und Wilsdruff, ist auf der Staatsstraße 195 die Hölle los. Anlieger fordern, den Ausweichverkehr anders zu führen.

Reinsberg.

Die aktuellen Baustellen auf der Autobahn 4 zwischen Siebenlehn und Wilsdruff haben das Fass zum Überlaufen gebracht. In einer Petition an den Sächsischen Landtag fordern Einwohner von Reinsberg und Dittmannsdorf, dass die Staatsstraße 195 nicht mehr als Alternativroute für die Autobahn genutzt wird. "Sobald auf der A 4 ein Unfall ist, rollt alles durch unsere Orte", berichtet Dieter Rüb.

Als Ortsvorsteher von Dittmannsdorf hatte er erst kürzlich den sächsischen FDP-Bundestagsabgeordneten Torsten Herbst vor Ort über die Gefahrenstellen entlang der Staatsstraße 195 in seinem Dorf informiert. An der engen und kurvenreichen Straße gibt es keinen Gehweg. Dafür donnern hier bei Stau auf der Autobahn Lkw an Lkw entlang. Wegen der dadurch entstehenden Gefahren fordern die Anlieger unter anderem die Ausweitung von Tempo-30-Abschnitten. Der FDP-Obmann im Bundestagsausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur habe sich alles angehört, berichtet Rüb von dem Treffen: "Er will das mit nach Berlin nehmen. In drei bis vier Wochen sollen wir Bescheid erhalten."

Der Gemeinderat von Reinsberg unterstützt die Petition. Bürgermeister Bernd Hubricht (CDU) sprach auf der jüngsten Sitzung des Gremiums am Dienstagabend von einer "begrüßenswerten Initiative" und bat die Räte und Gäste, sich wie er selbst auf den Unterschriftslisten einzutragen. Der Rathauschef rannte damit offene Türen ein. Vize-Bürgermeister Mike Silbermann (CDU) etwa hatte erst kürzlich Fotos von dem Verkehrschaos gemacht. Als Chef der Fraktion aus CDU und Bauernverband forderte er aber zugleich, dass die Staatsstraße nicht zur Kreisstraße herabgestuft werden dürfe. Fahrbahn und Randstreifen müssten zudem wieder hergerichtet werden, so der Reinsberger: "Da nur ein paar Markierungen aufzubringen, wäre wie eine Krawatte zum zerfetzten Anzug zu tragen."

Ähnlich hatte Bürgermeister Hubricht argumentiert: "Es genügt nicht, Schilder 'Straßenschäden' aufzustellen. Das ist leider zu einer Marotte geworden." Die stellenweise nur vier bis viereinhalb Meter breite Straße sei nicht geeignet für den Umleitungsverkehr einer Autobahn, so das Gemeindeoberhaupt. Als neulich die A4 auch gen Chemnitz dicht gewesen sei, hätte sich der Autobahnverkehr sogar in beiden Richtungen durch die Gemeinde gezwängt: "Drei Tage haben gereicht, und alle Bankette waren weg."

Die zweite Hauptforderung in der Petition ist daher, dass die Straße hergerichtet wird. Dieter Rüb hätte zudem gern ein Durchfahrtsverbot für Lkw. Der Dittmannsdorfer Ortsvorsteher bestätigt, dass die Situation schon seit Jahren unbefriedigend sei: "Auch ohne Baustellen auf der Autobahn bekommen wir sofort jeden Unfall dort mit, weil die Navis die Autofahrer bei Stau durch unsere Dörfer leiten."

Im Bereich der S 195 von Nossen über Reinsberg nach Tanneberg (S36) oder Mohorn (B 173) sei keine offizielle Autobahn-Umleitung ausgewiesen, erklärt Isabel Siebert vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr. "Grundsätzlich können offizielle Umleitungsstrecken nur dort eingerichtet werden, wo das nachgeordnete Netz solche Umleitungsführungen unter Berücksichtigung aller Randbedingungen zulässt", so die Pressesprecherin weiter. Maßgebende Faktoren seien unter anderem der Erhaltungszustand der Straßen und die Leistungsfähigkeit von Kreuzungen. Daher könne nicht für jeden Streckenabschnitt der Autobahn A 4 auch eine Umleitung angeboten werden.

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