Reinsberg will sich gegen Wolkenbrüche wappnen

Die Gemeinde sucht das Gespräch mit dem Naturschutzverband Sachsen. Der Verein plädiert für einen dezentralen Hochwasserschutz.

Reinsberg.

Die Gemeinde Reinsberg sucht Hilfe bei Naturschützern: Zu einer der nächsten öffentlichen Sitzungen des Gemeinderates soll Tobias Mehnert vom Naturschutzverband Sachsen (Nasa) als Experte für den Hochwasserschutz eingeladen werden. Das hat Bürgermeister Bernd Hubricht (CDU) angekündigt. Zuvor soll es eine Begutachtung des Handlungsbedarfs an neuralgischen Stellen durch die Untere Wasserbehörde geben, so der Rathauschef.

Anlass für die Überlegungen sind die schweren Überflutungen, die es Mitte August dieses Jahres durch lokale Unwetter in der Gemeinde gegeben hatte. Eine erste Erfassung hatte damals 26 Schadstellen durch den Starkregen in den Ortsteilen Reinsberg, Dittmannsdorf, Neukirchen und Bieberstein aufgezeigt. So waren beispielsweise Asphaltstrecken und Ufermauern ausgespült, Durchlässe zugesetzt und Straßen mit Schlamm und Geröll überzogen worden.

Stationäre Unwetter hatten in einem Streifen vom südlichen Landkreis Meißen bis in den nördlichen Landkreis Mittelsachsen mit bis zu 100 Litern Niederschlag pro Quadratmeter Erinnerungen an die Jahrhundertflut von 2002 geweckt, berichtete Fotojournalist Bernd März am 10. August dieses Jahres. Reinsberg habe nahezu komplett unter Wasser gestanden, so der Spezialist für Wetterphänomene: "Der Ortsbach trat über die Ufer, Straßen wurden über 50 cm hoch überflutet."

"Durch die allgemeine Lage sind wir in der Aufarbeitung der Starkniederschläge noch nicht richtig weiter", erklärte Bürgermeister Hubricht auf Nachfrage. Bisher habe eine Begehung der Schadstellen mit einem Fachbüro stattgefunden; eine erste Einschätzung auch bezüglich der zu erwartenden Reparaturkosten liege aber noch nicht vor. Mit dem Naturschutzverband Sachsen soll nun über die Vorbereitung der Erstellung eines Hochwasserschutzkonzeptes gesprochen werden.

Der Nasa plädiere seit langem für Hochwasserschutzmaßnahmen in der Fläche, bestätigt Tobias Mehnert. Als Beispiele nennt der Vereinschef den Rückbau von Dränagen und die Entwicklung beziehungsweise Wiederherstellung von Feuchtgebieten und natürlichen Bachläufen. So sei etwa bei Dittmannsdorf ein Bachtälchen verschwunden: "Das ist auf Karten vor 1945 noch zu sehen - wir waren selbst überrascht, wie sehr sich das Verfüllen jetzt gerächt hat."

Reinsberg und der Nasa haben unter anderem schon beim sogenannten Biotop in Dittmannsdorf zusammengearbeitet. Der Verein begleitete die Instandsetzung des Gewässers, das auch als Feuerlöschteich diente. "Die Gemeinde ist ein Vorreiter", so der Nasa-Chef.


Kommentar: Selbst Vorsorge treffen

Das Konzept der Landestalsperrenverwaltung wird bald volljährig: Von 2003 und 2004 stammen die Pläne, zwei Rückhaltebecken mit insgesamt über 10 Millionen Kubikmetern Stauvermögen bei Oberbobritzsch und Mulda zu bauen - letzteres noch mit einem 4 Kilometer langen Überleitungsstollen zur Mulde. So richtig erwachsen, um im Bild zu bleiben, ist das Papier trotz bisheriger Planungskosten in Millionenhöhe nicht. Dafür fehlt die Einsicht, dass die bislang mit rund 100 Millionen Euro veranschlagte Investition nur dann helfen kann, wenn es oberhalb der Becken regnet. Bei einem Starkregen wie im August über Reinsberg bliebe sie wirkungslos; Wasser fließt nicht bergauf. Ungeachtet der juristischen Streitereien über die geplante Gigantomanie sind die Reinsberger - ebenso wie alle Mittelsachsen - also gut beraten, selbst Vorsorge zu treffen. (jan)


Neun Punkte vorgeschlagen

Der Naturschutzverband Sachsen hat der Gemeinde Reinsberg schon 2014 vorgeschlagen, Hochwasserschutz und Renaturierung zu verbinden. Konkret waren damals neun Maßnahmen genannt worden, darunter auch das Anlegen von mehreren kleineren Regenrückhaltebecken.

Der dezentrale Hochwasserschutz etwa durch den Rückbau von Dränagen im Quellbereich eines Gewässers 2. Ordnung stelle das natürliche Wasserspeichervermögen des Bodens wieder her, so die Empfehlung der Naturschützer. Ein solches Konzept binde einen größeren Teil der Bevölkerung ein und sensibilisiere aktiv für die Belange des Hochwasserschutzes und der Daseinsvorsorge. (jan)

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