Reisebüros hoffen auf mehr Reiselust

Die Reisebranche ist von der Coronakrise hart getroffen worden. Jetzt gibt es finanzielle Überbrückungshilfen vom Staat.

Freiberg.

Die vergangenen Monate waren für viele Betriebe schwer. Unternehmer, Händler und andere Gewerbetreibende hat die Coronapandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen wirtschaftlich stark geschadet. Doch eine Branche hat es ganz besonders hart getroffen. Reiseunternehmer, sowohl Veranstalter als auch Reisebüros, hatten innerhalb kürzester Zeit keine Einnahmen mehr, dafür aber umso mehr Arbeit. Diese beschränkte sich allerdings vornehmlich auf Stornierungen und das Abwickeln bereits organisierter Reisen.

Zu Ende des alten und zu Beginn des neuen Jahres sah noch alles nach einem guten Reisejahr 2020 aus. Doch dann kam die Coronakrise. Was blieb waren auf der einen Seite die laufenden Kosten und ein Berg an Arbeit, auf der anderen Seite ein tiefes Loch in der Kasse.

Dass sich etwas zusammen braute, bekamen Fachleute wie Ronny Storch deutlich eher mit als alle anderen. Der Inhaber der Reisebüros "Urlaubsparadies" an der Petersstraße und im Unicent in Freiberg spürte die erste Schockwelle schon im Januar. "Unsere Branche wurde als allererste davon getroffen", sagt er. "Als nämlich in Asien die Kreuzfahrten abgesagt wurden, da war hierzulande von Corona noch fast keine Rede."

Doch es sollte noch schlimmer kommen. "Mit dem Ausruf der Reisewarnungen fiel dann unser Geschäft vollkommen weg", so Storch. Schon im Dezember wurde für die kommende Urlaubssaison gebucht. Statt Reisevergnügen kam der Stornierungsfrust. "Somit bekamen wir nicht nur keine Provisionen", erläutert Storch, "sondern wir mussten, so der Veranstalter diese vorab gezahlt hatte, diese wieder zurückgeben."

Bereits im März nahm Ronny Storch Kontakt zur mittelsächsischen Bundestagsabgeordneten Veronika Bellmann (CDU) auf. Er erläuterte ihr die Situation und traf auf offene Ohren. Bislang ging es vor allem um die bereits ausgezahlten Provisionen, die zurückerstattet werden müssen. "Wir haben aber bereits die Arbeit für die Provisionen geleistet, die erst nach der Reise ausgezahlt werden", sagt Storch. Veronika Bellmann habe diese Problematik als eine der ersten verstanden und zugesagt, sich entsprechend bei den Verhandlungen zu notwendigen Hilfen an Unternehmen dafür einzusetzen. Ganz allein war sie dabei nicht. "Unbedingt erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang auch Marija Linnhoff, erste Vorsitzende des Verbandes unabhängiger selbstständiger Reisebüros", betont Ronny Storch. Es ging darum, einen eventuellen Ausgleich für die finanziellen Ausfälle nicht vom Zeitpunkt der Provisionszahlung abhängig zu machen.

Die gemeinsamen Bemühungen aller Beteiligten haben nun zum Erfolg geführt. Die entsprechende Verwaltungsvereinbarung zur Umsetzung der Überbrückungshilfen für kleine und mittelständische Unternehmen enthält einen wesentlichen Passus. Sie sieht vor, dass sowohl bereits zurückgezahlte als auch ausstehende Provisionen zu den förderfähigen Fixkosten zählen und anteilig erstattet werden. "Reisebüros können mit einer maximalen Förderung von 50.000 Euro pro Monat für maximal drei Monate rechnen", teilt Veronika Bellmann mit.

"Das ist schon ein Befreiungsschlag", sagt Ronny Storch dankbar. Keiner seiner insgesamt sieben Mitarbeiter muss er entlassen. Derzeit gibt es zwar immer noch Stornierungen von Reisen, aber es werden auch zaghaft wieder neue Verträge abgeschlossen. "Wir werden nun für unsere Mühen ein wenig entlohnt", so Storch. "Aber wir bleiben vorsichtig." Immerhin gehen die Hilfen nur bis Ende August. Nach wie vor gelten Reisewarnungen für Fernziele, aber auch für die Türkei. Sollten diese über den August hinaus verlängert werden oder gar neue hinzu kommen, so der Unternehmer, stehe man wieder vor dem gleichen Problem.

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