Rollstuhlfahrer können jetzt ohne weiteres in Kita gelangen

Das Zethauer Kinderhaus ist jetzt barrierefrei - dank Geldern aus dem Programm "Lieblingsplätze für alle". Ein Vater freut sich besonders darüber. Aus gutem Grund.

Zethau.

Der barrierefreie Zugang zum Christlichen Kinderhaus "Ankerplatz" in Zethau ist jetzt eingeweiht worden. 26.000 Euro sind in den Umbau investiert worden - 25.000 Euro flossen über das Investitionsprogramm "Lieblingsplätze für alle", je 500 Euro steuerten die Gemeinde Mulda und der Verein Kinderarche Sachsen als Träger bei.

Zu den Einweihungsgästen gehörte Marcel Schreiber. Der Lichtenberger, dessen Sohn Tim ab nächstem Jahr die Zethauer Kita besuchen wird, freut sich besonders über den barrierefreien Zugang. Denn Marcel Schreiber sitzt seit einem schweren Motorradunfall im Jahr 2003 im Rollstuhl. Er sagt: "Dass ich selbst in die Kita fahren kann, bedeutet mir viel. Denn so kann ich mein Mitbestimmungsrecht wahrnehmen." Und Tim freue sich sicher auch, wenn ihn sein Vater reinbringen und abholen könne. Das Autofahren allein mit seinem anderthalbjährigen Sohn klappe. "Er weiß schon, dass er allein auf seinen Kindersitz krabbeln muss", berichtet der Vater. Dass das ebenerdige Kinderhaus keinen Lift oder ähnliches benötigt, findet Marcel Schreiber gut. "Denn die Technik kann ja auch mal kaputt gehen", sagt er. Der junge Mann weiß, wie es ist, wenn man als Behinderter nicht in ein Gebäude kommt, weil es bauliche Hürden gibt. "Man fühlt sich sonst wie ein Hund, der draußen bleiben muss", sagt Schreiber.


Sven Jeschke nickt. Er ist der Vorsitzende des Behindertenbeirates des Landkreises Mittelsachsen und sitzt selbst im Rollstuhl. "Genauso ist es, man fühlt sich ausgegrenzt." Um so mehr wirbt er für das Programm "Lieblingsplätze für alle". In den vergangenen drei Jahren seien rund 600.000 Euro geflossen, um beispielsweise Kitas, Kirchen, Gaststätten und Museen barrierefrei zu gestalten. 2017 stehen erneut 190.500 Euro für Projekte im Kreis zur Verfügung. (siehe Infokasten)

Sechs Wochen lang hat die Firma Service Point Weidensdorfer aus Zethau an dem Zugang gearbeitet. Laut Geschäftsführer Thomas Weidensdorfer wurde zunächst der alte Fußweg aus Platten, Beton und Teer entfernt, anschließend erfolgten die Pflasterarbeiten. Die Kinder bedankten sich bei den Bauleuten mit einem leckeren Kuchen in Helmform.

Laut Kitaleiterin Andrea Schmieder haben sich die Mädchen und Jungen von den Arbeitern schon viel abgeguckt. In ihrem Sandkasten verlegen die Knirpse fleißig Rohre. "Und wir wollen noch eine richtige Spiel-Baustelle mit Helmen und Handschuhen einrichten", so Schmieder. Ihre Kollegin Andrea Dolatkiewicz aus Mulda ergänzt, dass es so eine Baustelle im dortigen Naturkinderhaus bereits gibt: "Die Kinder spielen sehr gern dort."

Die Zethauer Kita, die mit Freizeitangeboten zu einem Treff der Generationen werden will, hofft durch die Barrierefreiheit auf größere Resonanz. "Unsere Angebote sollen wirklich allen Interessierten offen stehen", so Andrea Schmieder. "Zudem sollen Eltern mit körperlichen Beeinträchtigungen die Möglichkeit haben, ihre Kinder selbstständig in die Kita zu bringen."

Familiensamstag Am 19. November von 15 bis 18 Uhr verwandelt sich das Christliche Kinderhaus in Zethau in eine Bastelwerkstatt. Gebastelt wird Advents- und Weihnachtsdeko für zu Hause. Je nach Bastelset belaufen sich Materialkosten auf 1 bis 15 Euro. Anmeldungen im Christlichen Kinderhaus, Schwingereiweg 1A, Telefon 037320 1742 oder E-Mail zethau@kinderarche-sachsen.de.


Gelder für Lifte, Rampen und Behindertentoiletten - Auch akustische Anlagen finanziert

Mittelsachsen erhält 2017 erneut 190.500 Euro aus dem Investitionsprogramm Barrierefreies Bauen "Lieblingsplätze für alle". Ab sofort können Anträge beim Landratsamt gestellt werden, die Unterlagen stehen auf der Internetseite bereit. "Ein gutes Signal aus Dresden für die Interessen der Menschen mit Behinderung", erklärt der zweite Beigeordnete Jörg Höllmüller. Unterstützt werden Investitionen mit einem Volumen von maximal 25.000 Euro. Einrichtungen des Kultur-, Freizeit- und Bildungsbereich, aber auch Praxen oder Gaststätten können Gelder beantragen. Von dem Programm sind öffentliche kommunale Gebäude fast ausgeschlossen. "Nur wenn es sich bei deren Nutzung um ein freiwilliges Angebot handelt, ist eine Unterstützung möglich", erklärt Uwe Donner vom Landratsamt. Bis 27. Januar 2017 läuft die Frist, um einen Antrag zu stellen. Der Vorsitzende des Beirates Sven Jeschke betont: "Wir konnten mit den rund 600.000 Euro viel bewegen. Zahlreiche Rampen, Behindertentoiletten und kleinere Lifte sind entstanden, die uns den Alltag erleichtern und Teilhabe möglich machen." Auch akustische Anlagen sind mit den Geldern angeschafft worden. (hh)

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