Rosinenbach: Baustelle löst Kopfschütteln aus

Die Renaturierung des Gewässers ist vor Ort auf Unverständnis gestoßen. Das Landratsamt hat die Planung verteidigt - und erste Mängel eingeräumt.

Freiberg.

In der Nacht zuvor hatte es ausdauernd geregnet - trotzdem war der Rosinenbach am Samstagmorgen nur ein Rinnsal. "Und für dieses Bächlein wird ein Bett aus großformatigen Steinen mit einer Furt gebaut - das ist Verschwendung von Steuergeldern", erklärte Tobias Mehnert vom Naturschutzverband Sachsen den gut 20 Interessierten, die seiner Einladung zu einem Vororttermin gefolgt waren.

Die Befestigung passe eher zu einem Gebirgsbach, der bei Schneeschmelze anschwelle, so der Vereinsvorsitzende weiter. Für die hiesige Gegend sei sie aber deplatziert und bilde ein "Mahnmal für die nächsten 500 Jahre", das den Naturschutz diskreditiere. "Wenn gefragt wird, wer diesen Unfug angestiftet hat, heißt es vielleicht: der Mehnert. Aber das mache ich nicht mit."


Den Gahlenzer stört auch, dass die Renaturierung wertvolle Lebensräume zerstöre. "Der Sumpfwald am Klärteich ist durch die Baustraße von seiner Wasserzufuhr abgeschnitten - da wird es auch juristisch interessant." Zudem seien unzählige Bäume beseitigt worden, wie Anwohner bestätigten. Mehnert dazu: "Die Naturschutzbehörde im Landratsamt hat die Ausnahme genehmigt, dass während der Brutzeit der Vögel gefällt werden darf. So viel zur Kompetenz der Bearbeiterin."

Der seit Jahrzehnten in einem Rohr unter der Erde fließende Rosinenbach soll nach den Plänen der Stadtverwaltung ans Tageslicht geholt und das Bachtal "ökologisch aufgewertet" werden. Das "mesophile Grünland", das dabei aufwendig angelegt werden soll, gibt es laut Christian Zenker aber bereits vor Ort. "Mit dem Geld hätte man so viel Sinnvolles machen können", urteilte der Experte vom Nabu.

Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) hatte die Kosten des Vorhabens mit "knapp über 1,3 Millionen Euro" beziffert. Davon zahle die Stadt einen Eigenanteil von rund 819.000 Euro, so der Rathauschef.

Norman Pohl vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland zitierte bei der Begehung den Abfallkalender des Landkreises, wonach Sonderabfälle wie Asbest und Teerpappen kostenpflichtig zu entsorgen sind; solche Stoffe seien aber auf dem Gelände verkippt worden. "Fremdbestandteile im einzubauenden Erdstoff sind nur in einem äußerst geringen Umfang punktuell festgestellt worden", hatte die Stadtverwaltung dazu mitgeteilt.

Die genaue Herkunft des Materials nennt das Rathaus nicht - aus Datenschutzgründen. Der Aushub sei aber geprüft und für geeignet befunden worden. In einem Schreiben des Landratsamtes an Mehnert liest sich das etwas anders. "Die in Bereichen der Geländesenke eingebrachten fremden Aushubmassen sind nicht Bestandteil der wasserrechtlichen Genehmigung und müssen über den Vorhabenträger einer Klärung zugeführt werden", teilt Lothar Beier (CDU) mit. Auch die Teichsedimentablagerung sei noch nicht genehmigungskonform, so der erste Kreisbeigeordnete weiter - der Schlamm liegt am Talhang.

Zugleich betont Beier, die Trassenführung des Gewässers entspreche "grundsätzlich der Genehmigungssituation". Dass der Bach dabei streckenweise nicht in der Talsohle, sondern halb am Hang fließen soll, verkürze die Wasserzufuhr für eine geplante Vernässungsfläche. Ob eine solche Gewässerverlegung noch als Freilegen des Bachs gelten und ohne Umweltverträglichkeitsprüfung genehmigt werden kann, bezweifelte am Samstag nicht nur Tobias Mehnert. Die Landesdirektion hatte ihre Entscheidung anhand der vorgelegten Pläne getroffen.

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1Kommentare
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  • 2
    1
    Tauchsieder
    13.08.2019

    Da hilft wahrscheinlich nur eine Strafanzeige. Vielleicht wachen dann die Verantwortlichen im Erzgebirge auf, beenden ihren Winterschlaf.
    Übrigens wiederhole ich mich hier und stell erneut die Frage: - Wer hat hier diesen Plan erarbeitet -?
    Denn das wird der entscheidenste Knackpunkt hier sein.



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