Rundumschlag mit DDR-Propaganda

Nicht nur die SPD bekam in Freiberg von der CDU derbe Reden zu hören - Holger Reuter interpretierte neun Losungen von früher neu

Freiberg.

Der Politische Aschermittwoch ist nicht dafür geeignet, ein Hohelied auf die Political Correctness zu singen. Das sieht auch die Freiberger CDU so, welche zum elften Mal zu ihrem Politischen Aschermittwoch in das "Hotel Kreller" eingeladen hatte. Knapp 50 Gäste waren gekommen, nicht alle unbedingt CDU-Mitglieder. Marco Weißbach, Vorsitzender der mittelsächsischen FDP, durfte sogar eine Gastrede halten. Ein wahres Urgestein des Aschermittwochs, Hans Joachim Walter, fehlte ebenfalls nicht. Der einleitende Hauptpart aber blieb traditionell dem Stadtverbandschef Holger Reuter vorbehalten.

Wohin dabei die Reise gehen sollte, das machten zwei Plakate deutlich. "Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs' noch Esel auf" war auf dem einen zu lesen, garniert mit Bildern von Erich Honecker und der SED-Gilde. Knackiger kam "Freiheit statt Sozialismus" daher, flankiert von Konterfeis der konservativen Lichtgestalt Franz Josef Strauss. Reuter selbst hatte zu Beginn der Rede ein T-Shirt mit DDR-Emblem an, zog dieses aber dann aus. Darunter kam auf schwarzem (!) Grund der Strauss-Spruch zum Vorschein.

Neun Losungen aus DDR-Zeiten hatte Reuter als Leitmotiv ausgewählt, um mit den politischen Gegnern ins Gericht zu gehen. Diese sieht der Stadtverbandschef eindeutig links. Die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen sei für ihn ein demokratischer Vorgang, anders die Einmischung der Kanzlerin. "Man gewinnt den Eindruck, dass demokratisch gewählt erst dann wird, wenn der Linke gewählt ist", sagte er. Ramelow sei ein Salonkommunist. Auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer kam nicht ungeschoren davon. Dessen neue Koalition in Dresden mache ihn zum Erfüllungsgehilfen linksgrüner Machtpolitik.

Unter der Losung "Arbeite mit, plane mit, regiere mit" nahm sich Reuter auch die Freiberger SPD im Stadtrat vor.

Diese hatte einen Antrag eingebracht, die Bürger bei den Planungen für die Sanierung des Bahnhofsgebäudes einzubinden. Diese Idee, so sagte Reuter, hatte der Freiberger Oberbürgermeister bereits Monate vorher. "Die Vorlage wurde wohl in solcher Hektik geschrieben, dass übersehen wurde, dass darüber der Stadtrat gar nicht zu entscheiden hat", so Reuter. Das sei wie bei der Geschichte mit dem Hasen und dem Igel. Während der SPD-Hase noch durch die Ackerfurchen hetze, sei der Igel längst schon da. Zum Abschluss kam er noch einmal auf die im April anstehende Vorsitzendenwahl zu sprechen und sagte mit Blick auf Friedrich Merz: "Es gibt noch Hoffnung für uns." (wjo)


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