Schau über tragische Erinnerungen

Die Vertreibung der Sudetendeutschen zwischen 1938 und 1945 haben tschechische Gymnasiasten beleuchtet. Ihre zweisprachige Wanderausstellung ist am Brand-Erbisdorfer Gymnasium zu sehen.

Brand-Erbisdorf.

Mit der Ausstellung "Tragische Erinnerungsorte" wird am Cottagymnasium Brand-Erbisdorf derzeit die Vertreibung der Sudetendeutschen aus der Region thematisiert. Die Wanderschau gestaltet haben Schüler aus vier tschechischen Gymnasien. Anhand historischer Fotos, Landkarten, Auszügen aus Berichten wie dem Massaker von Aussig 1945 und dem Komotauer Todesmarsch entlang der Grenze in Gebirgsneudorf sowie mit Zitaten von Zeitzeugen wird ein Kapitel deutsch-tschechischer Geschichte zwischen 1938 und 1945 eindrucksvoll beleuchtet.

"In Sachsen gab es nach dem Krieg sehr viele Flüchtlinge und Vertriebene, die in der Region eine neue Heimat gefunden haben", erzählt Rainer Illgen. "Bei vielen hier gehört das zur Familiengeschichte, wobei die Älteren nicht darüber reden", weiß der Fachleiter Gesellschaftswissenschaften des Cottagymnasiums. Anhand der Ausstellung sollen Einzelschicksale lebendig werden. "Das ist ergreifender als reine Zahlen", sagt Illgen, der die Ausstellung mit Ingrid Bellmann, Lehrerin für Deutsch, Religion und Geschichte, aufgebaut hat.

"Mich verbindet mit dem Thema persönlich nicht viel, aber ich wohne nah der tschechischen Grenze und finde es interessant, mehr über die damalige Zeit zu erfahren", sagt Schülerin Nancy Rathjen aus Rechenberg-Bienenmühle. Für Annika Meyer aus Clausnitz würde die Ausstellung einer zuvor unbekannten "grauen Masse" ein Gesicht geben. "Es ist erschreckend, was die Leute durchgemacht haben und wie viele Schicksale hinter Krieg oder Verfolgung stecken", betont die 15-Jährige.

Rebekka Koch aus Brand-Erbisdorf freut sich auf ein Projekt mit tschechischen Schülern, das die Jugendlichen im November in der "Grünen Schule grenzenlos" in Zethau bearbeiten werden. "Wir werden die deutsch-tschechische Geschichte zusammen aufarbeiten, uns mit der Vergangenheit beschäftigen und dabei eine Ungerechtigkeit nicht mit einer anderen vergleichen", sagt Rebekka Koch. Beide Seiten hätten Fehler gemacht: "Wir wollen, dass die Grenze keine Trennung, sondern eine Verbindung ist."

Einen persönlichen Bezug zu dem Thema hat Jonathan Arnold. Die Urgroßeltern des 15-Jährigen mütterlicherseits waren Sinti und Roma, und die Urgroßeltern väterlicherseits Sudetendeutsche. "Die Vertreibung hat in unserem normalen Familienumfeld keine große Rolle gespielt, gehört aber dazu", sagt der Forchheimer. Sein Großonkel habe den Urgroßvater kurz vor dem Tod per Videoaufnahme über den Krieg und die damalige Situation befragt. Bei einem Familientreffen vor zwei Jahren hat Jonathan Arnold das Video gesehen. "Man hat im Geschichtsunterricht gehört, dass Leute erschossen wurden, aber das ist nicht so weit weg, es hat jeden Einzelnen betroffen", erzählt er: "Es betrifft die Leute teilweise heute noch, mit der Vergangenheit zurecht zu kommen."

"Tragische Erinnerungsorte" zu sehen bis 20. November im Seminarraum der Mehrzweckhalle des Cottagymnasiums: montags bis freitags, 9 bis 12 sowie 14 bis 17 Uhr. Einzelpersonen, Gruppen, Schulklassen können sich unter Ruf 037322 8770 anmelden.

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