Schieferkunst kauft sogar eine Prinzessin

In einer Sonderausstellung werden derzeit auf der Rochsburg Produkte gezeigt, die im Landkreis hergestellt werden. Die Palette reicht von A wie Aqua-Peeling bis Z wie Zelte. Die "Freie Presse" stellt die Macher hinter den regionalen Stücken vor. Heute: Kirstin Gottwald mit ihrer Firma "In Harmony" in Rossau.

Rossau.

Es begann mit dem Umzug nach Rossau. Dort hatte Familie Gottwald ein Grundstück gekauft. Das Haus war alt und baufällig, wurde abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Übrig blieben der Dachschiefer, von dem sich Kirstin Gottwald nicht trennen wollte. "Ich bin schon immer naturverbunden, liebe Tiere, Pflanzen, Holz und eben auch Schiefer. Das Material ist ein 350 Jahre altes Gestein, kommt aus der Erde, liegt später auf einem Dach und hält an die 100 Jahre ein Haus trocken. Das ist doch faszinierend", sagt die 46-Jährige. Und so machte sie etwas aus dem Schiefer und sich damit selbstständig.

"Begonnen habe ich mit Schieferstücken, die als Kräuter- oder Beet-Stecker für den Garten dienen. Also Petersilie drauf malen, den Schriftzug dazu und dann in die Erde. Das bildet einen schönen Kontrast zum Grün, fügt sich aber zugleich natürlich ein", sagt sie. Dabei sei sie gern humorvoll. So gibt es bei ihr zum Beispiel auch mit "Unkraut" beschriftete Beet-Stecker. Oder Schieferstücke, auf dem ein "Kuhter Tag" gewünscht wird - bemalt natürlich mit dem entsprechenden Tier. Um verschiedene Formen zu schaffen, hat sie sich das entsprechende Werkzeug besorgt. In ihrer Ein-Frau-Firma "In Harmony" fertigt sie unter anderem Hochzeitsherzen, Willkommens- und Türschilder, aber auch Halsketten. Und sie ist immer offen für die Umsetzung von Kundenwünschen. So seien Feuerwehrmänner zu ihr gekommen und hätten um das Anfertigen einer Tafel anlässlich der Hochzeit eines Kameraden gebeten. "Darauf zu sehen sein sollte Sankt Florian und das Haus der beiden", erinnert sich Kirstin Gottwald. Und auch daran, dass ihr das zunächst einiges an Kopfzerbrechen bereitet hat. "Ich wusste weder, dass der heilige Florian Schutzpatron der Feuerwehr ist noch wie er aussieht. Also habe ich mich im Internet erst einmal schlau gemacht. Von dem Haus der beiden hatte ich aber ein Foto bekommen", erzählt die Rossauerin. Gemalt habe sie schließlich den Heiligen, wie er mit der Gießkanne in der Hand das Haus der Brautleute vor Feuer bewahrt - auf einem 1 mal 1,5 Meter großen Stück Schiefer. Bei der Übergabe des Geschenkes, so sei ihr berichtet worden, hätten dem Paar Tränen der Freude in den Augen gestanden. Die Schiefertafel habe einen Ehrenplatz am Haus inklusive Beleuchtung bekommen. "Und das wiederum ist für mich ein Glück und ein Geschenk", sagt Gottwald.

Ihre Kunden kommen von überall her. Denn zum einen verkauft sie ihre Stücke im Internet, zum anderen in ausgewählten Geschäften der Region sowie vom heimischen Hof aus. So kam es, dass ein Schiefer-Kunstwerk an eine Prinzessin ging. "Das war cool, als ich das gemerkt habe", sagt Kirstin Gottwald. Denn bestellt war das Stück über Internet unter einen Code-Namen. Erst bei der Rechnung sei ihr aufgefallen, dass eine Prinzessin bezahlt hatte.

"Ich werde nicht reich mit meiner Arbeit. Aber sie ist genau das, was ich mir erträumt habe. Ich bin glücklich und zufrieden", sagt die gelernte Einzelhandelskauffrau. Sie habe praktisch ihr Hobby zum Beruf gemacht. Denn von jeher habe sie gern gebastelt, Gestecke mit Hingabe gefertigt und "gern stundenlang Geschenke aufwändig eingepackt". "Aber wenn man angestellt ist, hat man weder Zeit noch Muse, diesem Hobby in ganzer Fülle nachzugehen", sagt sie. Auch deshalb habe sie den Schritt in die Selbstständigkeit nie bereut. "Ich kann so meine Kreativität jeden Tag ausleben. Kein Stück, was ich fertige, ist genauso wie ein anderes. Diese Vielfalt lässt es nie langweilig werden."

Die Ausstellung "Lieblingsstücke - Fahrrad, Filzschuh, Feuerwerk" ist bis zum Sonntag, 24. März auf Schloss Rochsburg zu sehen. Geöffnet ist täglich von 10 bis 16 Uhr (außer montags). Der Eintritt kostet 4, ermäßigt 3 Euro.

Artikel Alle bisher erschienenen Beiträge der Serie "Made in Mittelsachsen" können Sie im Internet lesen.

www.freiepresse.de/produktschau

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