Schlossherr greift wieder zu

Nach Purschenstein, Post, Bahnhof und einer Stuhlfabrik hat Roelof Praagman in Neuhausen auch noch ein Hotel gekauft. Im Ort sieht man das skeptisch. Zu unrecht, versichert der Niederländer.

Neuhausen.

Das seit Juli geschlossene Hotel "Grünes Gericht" in Neuhausen im Erzgebirge hat einen neuen Besitzer. Roelof Praagman heißt der 73-jährige Unternehmer, der das Haus von der in Cottbus wohnenden Inhaberin erwarb. Der Pachtvertrag mit dem bisherigen Betreiber war ausgelaufen.

In Neuhausen ist Praagman als Schlossherr bestens bekannt. 2005 hatte er das über dem Dorf thronende Schloss Purschenstein, über Jahrhunderte im Besitz der Adelsfamilie von Schönberg, für 650.000 Euro gekauft. Er machte daraus ein Vier-Sterne-Hotel. Er und Gattin Henriette hätten sich sofort in das Gemäuer verliebt, schreiben sie auf der Internet-Seite des Hotels. "Was wir besonders am Schloss lieben, ist die sehr ruhige und einzigartige Lage auf einem Felsen und dass wir alle Zimmer mit viel Liebe zum Detail, Antiquitäten sowie persönlichen Dingen eingerichtet haben", schwärmen sie. "Kein Zimmer im Schloss gleicht dem anderen."

Später erwarb Praagman im Ort auch Post, Bahnhof und eine alte Stuhlfabrik. Über die Höhe des Kaufpreises für das "Grüne Gericht" wollte sich der Niederländer nicht äußern. Aber über seine Pläne. "Ich möchte Ende Oktober das Hotel wieder eröffnen und Speisen und Getränke sowie Übernachtungen im regional üblichen Preissegment anbieten", sagt Praagman.

Worte, die Bürgermeister Peter Haustein (parteilos) gern vernehmen müsste. Der Erholungsort mit Ortsteilen wie Cämmerswalde, Deutschgeorgenthal, Dittersbach, Heidelbach und Neuwernsdorf verfügt zwar über ein knappes Dutzend Hotels und Restaurants. Doch ausgerechnet im Neuhausener Zentrum mit dem Nussknackermuseum als touristischem Zugpferd steht es um die gastronomische Versorgung allenfalls mittelprächtig. Was bei Sitzungen des Gemeinderats regelmäßig für Debatten darüber sorgt, wie sich die Situation verbessern ließe.

Den Stein der Weisen entdeckte dabei bislang niemand. Kein Wunder, dass Haustein hofft, dass das "Grüne Gericht" schnell wieder öffnet. Doch der Rathauschef hegt Zweifel, daraus macht er keinen Hehl: "Ich habe Bedenken, ob Herr Praagman sein Vorhaben, wie wir uns das auch wünschen, verwirklicht." Er besitze noch einige Objekte im Ort, "die in den letzten Jahren ein Schattendasein fristeten."

Bürgermeister und Unternehmer gerieten in ein ernsthaftes Streitgespräch. Aber Praagman versichert, dass er es nicht nur mit dem "Grünen Gericht" ernst meint. Ins Schloss investierte er nach eigen Angabenin den letzten zwölf Jahren 10 Millionen Euro, 3 Millionen davon Fördergeld. "Das Schloss ist in einem recht guten Zustand, dafür bin ich ihm und sind ihm die Bürger des Ortes sehr dankbar", lobt denn auch der Bürgermeister.

René Schmitt, seit Oktober Hotelmanager auf Purschenstein, betrachtet sein Reich als schlafenden Riesen. "Es soll und muss das Märchenschloss im Erzgebirge werden", sagt er. "Dafür möchte ich den Saal besser für vielfältige Veranstaltungen wie Tanzabende, Konzerte, Ausstellungen, Dinnershows nutzen. Ein erster Schritt wurde mit dem Tanz im Schloss vor kurzem bereits getan." Ähnliche Vorhaben hat der 52-Jährige für den Schlosshof. Dort sei zu DDR-Zeiten viel losgewesen, das müsse man wieder ins Rollen bringen. Wie im Saal könnten im Park in größeren Dimensionen Veranstaltungen laufen. Das Schloss schreibe zwar aktuell rote Zahlen - doch um dies zu ändern, seien bereits Werbemaßnahmen eingeleitet.

Roelof Praagman, der in seinem Heimatland lebt und mit seiner Frau für eine Woche die Region besuchte, vertraut auf Schmitts Kompetenz, Engagement und Einfallsreichtum. "Er hat sich bereits enorm eingebracht", lobt Praagmann seine rechte Hand. "Er hat von mir freie Hand, sich um die anstehenden Probleme des Schlosses und des 7,5 Hektar großen Areals zu kümmern."

Dafür will Praagmann noch einmal 2 bis 3 Millionen Euro in die Hand nehmen. Zur Verschönerung des Schlossparkes, in dem kürzlich Neuhausener selbst die Rechen schwangen, sagt Praagman: "Als ich davon hörte, war ich echt gerührt, welches Engagement die Neuhausener hier entwickelt haben. Natürlich habe ich in den letzten Tagen den Park besucht und kann nur ein herzliches Danke dafür sagen. Leider können wir diese Aufgabe nicht allein stemmen." Also wolle er in den nächsten Wochen alle am Einsatz beteiligten Helfer zusammentrommeln und das weitere Vorgehen beraten, so der Schlossherr. Vor wenigen Monaten habe er seine Firma, ein Dienstleistungsunternehmen für Verwaltung, verkauft. "Nun habe ich mehr Zeit, mich um die Dinge im Erzgebirge zu kümmern."

Das ist aus Sicht der Neuhausener auch notwendig. Post, Bahnhof und alte Stuhlfabrik dämmern allesamt vor sich hin. Praagman sagt, es gibt Ideen zur Nutzung, aber die müssten in den nächsten Wochen noch diskutiert werden. Konkreter will er vorerst nicht werden.

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