Schmelzer und Amalgamierer gewinnen das Metall

Pyramiden-Parade: Die Pyramide auf dem Freiberger Obermarkt ist mit 46 Figuren bestückt. Sie erzählen eine besondere Geschichte.

Freiberg.

Die mittlere Ebene der Pyramide ist den Hüttenleuten vorbehalten - hier haben auch der Schmelzer und der Amalgamierer ihren Platz. Aufgabe des Schmelzers war es, das aufbereitete Erz je nach Gehalt mit Zuschlagstoffen in unterschiedlichen Öfen zu schmelzen, zu gießen und abzutreiben. Als Arbeiter in der Schmelzhütte musste er über einen hohen Grad an Erfahrungen verfügen und hohe Verantwortung tragen. Ein guter Schmelzer gewann viel Metall aus dem Erz und setzte Luft und Feuer sparsam ein. Dem Schmelzer zur Seite standen die Hüttenarbeiter. Der direkte Vorgesetzte der Schmelzer war der Hüttenmeister.

In der Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft tragen die Hüttenleute und die Bergschmiede, die alle mit dem Feuer bei ihrer täglichen Arbeit in Berührung kommen, weiße Jacken, weiße Hosen und dazu schwarze Hüte, in der Form der Schachthüte. Nur die Schmelzer mit den Krempenhüten, die an die Zimmermanns- oder Schäferhüte erinnern, machen eine Ausnahme. Als Paradegezäh dürfen sie rechts Forkel, Stecheisen oder Glätthaken nutzen. Für Paradeteilnehmer ist die große Froschlampe in der linken Hand vorgeschrieben.

Der Amalgamierer hatte die Aufgabe, in einem Hüttenprozess mit Hilfe von Quecksilber das Silber aus einem mehlartigen Erz/Gesteingemisch zu entfernen. Dazu wurde das möglichst kupfer- und bleifreie Gemisch mit Quecksilber in großen Holztrommeln ohne Zugabe von Hitze gedreht. Das Silber verband sich mit dem Quecksilber und konnte so von dem gemahlenen Gestein getrennt werden. Danach wurde die Masse erhitzt; das Quecksilber verflog umweltbelastend und das Silber blieb zurück.

Das Amalgamierwerk Halsbrücke nahm 1790 die Produktion auf. Zur Beleuchtung wurde das erste industrielle Gaslicht auf dem europäischen Festland installiert. Dies machten die Forschungen des Freiberger Professors Lampadius möglich. In Freiberg erinnern daran in der Fischerstraße und gegenüber der Pyramide an der Ecke Obermarkt/Kirchgasse je ein Gaslampennachbau. Das Werk brannte schon im ersten Jahr durch Leichtsinnigkeit und fehlerhafte Bedienung der Gasanlage ab, wurde aber bis 1792 wieder aufgebaut - wieder mit der gleichen Beleuchtung. Die Silbergewinnung durch dieses Verfahren wurde erst 1857 eingestellt.

Der Amalgamierer marschiert im Hüttenblock. Dass er zum Oberhüttenamt Freiberg gehört, erkennt der Fachmann an den vorgeschriebenen Revierfarben "ponceaurot" der Ärmelbündchen und des Stehkragens, sowie dem Gold der Knöpfe. Vorn am Hut trägt er die Symbole für Silber und Quecksilber. Ihm war die braune Schürze vorgeschrieben und sein Paradegezäh, der Amalgamierrechen. Mit diesem hat er nach dem Amalgamierprozess beim Abschwefeln das Hüttenprodukt bewegt. Der eiserne Rechen wurde auch Röstkrahl genannt, beim Parademarsch wurde er rechts getragen.

In der Literatur ist oft vom Bergmann und seltener von Köhler und Schmelzer die Rede. So auch beim Begriff Bergparade: Die Kurzform ignoriert den Köhler, der jahrzehntelang mit in den Aufzügen lief, und den Schmelzer, der Jahrhunderte dabei war und heute gleichberechtigt neben dem Bergmann läuft. (kn)

Unser Autor ist Knut Neumann von der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft. Er stellt in einer Beitragsfolge die Figuren der Pyramide vor.

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