Schmied geht Akademisten im Paradezug voran

Die Pyramide auf dem Freiberger Obermarkt ist mit 46 Figuren bestückt. Sie erzählen eine besondere Geschichte.

Freiberg.

Der Schmied nimmt im Bergbau eine Sonderrolle ein. Die Bergleute und die Schmelzer hatten ihre Knappschaften; die Schmiede hatten nachweislich seit dem 16. Jahrhundert ihre Innung der Bergschmiede. In einer Ordnung von 1560 wurde unter anderem festgelegt, dass man eine Krail und eine Kratze schmieden, ein "Bergkeibel" und eine große "Wasser und Bergk Tonne" beschlagen musste, um Meister werden zu können. Die zugehörige Preisfestlegung verrät, was das Schärfen eines Bergeisens kostet und, dass an einem Riemen 18, 24 oder 32 Eisen zum Schmieden abgegeben werden müssen. Jede größere Grube und die Hüttenbetriebe hatten eigene Schmieden. Kleinere Gruben schlossen sich zusammen und ließen private Bergschmiede arbeiten. Zuweilen durfte der Hufschmied Arbeiten für den Bergbau ausführen, wenn der Bedarf an Eisen für die kleinen Gruben gering war. Den Bergschmieden musste immer ein Meister vorstehen.

Die Bergschmiede bilden in der Paradefolge die letzte Gruppe des Bergbaus. Auf der Freiberger Pyramide tragen sie einen schwarzen Schachthut und ein weißes Schmiedehemd mit schwarzem großen Kragen. Wie die Hüttenleute haben sie mit Feuer zu tun - daher die weiße Jacke. Dazu tragen sie die gleichen Beinkleider wie die Maurer vor ihnen. Die schwarze Schürze, vor dem Bauch gebunden, ist genau wie der Schmiedehammer dem Arbeitsprozess entlehnt. Der Hammer ist nicht zu groß, hat aber einen langen Holm und einen versilberten Kopf und wird als Werkzeug rechts getragen. Zur Parade gehört auch für den Schmied die Froschlampe.

Die Akademisten sind in der Parade das verbindende Element zwischen dem Bergbausektor und den Hüttenleuten. Sie können nach ihrer Ausbildung in beiden Sektoren tätig werden und bilden den Zwischenblock. Ausgebildet werden sie anfangs vor allem von fähigen Berg- und Hüttenbeamten, später von Professoren. Drei Jahre nach der Gründung der Bergakademie wurde 1768 auch für die Akademisten eine Uniform vorgeschrieben. Diese war beispielsweise zu Prüfungen und Aufzügen zu tragen. Die Pflicht galt aber nur für Studierende aus Sachsen, die von einem Bergamt oder von einer Grube "delegiert" und damit auch finanziell unterstützt wurden. Bezahlen mussten die Studenten die Uniform selbst. Den Extrannern (Ausländer von außerhalb Sachsens) und den auf eigene Kosten Studierenden wurde das Tragen freigestellt.

In der Freiberger Berg- und Hüttenparade tragen die Akademisten einen schwarzen Schachthut mit gelb/schwarzer Feder, darunter die weiße Fahrhaube, einen schwarzen Schachtkittel mit einem roten, großen Rundkragen, weiße lange Hosen, Arschleder, Tzscherpertasche mit Tzscherpern und feste schwarze Schuhe. Die Verbindung zum Bergbau bildet der schwarze Schachtkittel, zum Hüttenwesen der schwarze Hut, und die angestrebte Beamtenlaufbau wird mit dem Federbusch schon von weitem sichtbar.

Eine Besonderheit gibt es in der lebendigen Parade: unter den Teilnehmern sind heute auch Bergakademistinnen zu finden.

Unser Autor ist Knut Neumann von der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft. Er stellt in einer Beitragsfolge die Figuren der Pyramide vor.

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