Schwächt ein neuer Aldi den Handel im Stadtzentrum?

Bedenken gibt es zum aktualisierten Handelskonzept für Brand-Erbisdorf. Die Meinungen im Stadtrat gehen auseinander.

Brand-Erbisdorf.

Einig ist sich der Stadtrat zumindest darin, dass das Ansiedeln, der Umzug und gar das Schließen von Märkten im Stadtgebiet kaum beeinflussbar ist. Auch fehlende Einkaufsmöglichkeiten in den Stadtteilen sieht die Runde der Stadträte kritisch - wirklich etwas bewegen lasse sich aber kaum.

Zum Einzelhandelskonzept der Bergstadt beziehungsweise dessen aktuelle Fortschreibung gingen die Meinungen am Dienstagabend auseinander. Einen Monat lang habe das Konzept ausgelegen, damit die Bürger es sich ansehen und ihre Meinung äußern könnten, erläuterte Dierk Schülke, Fachbereichsleiter Bau in der Stadtverwaltung, zu Beginn. Aber: "Kein Bürger hat Einsicht genommen", fügte er an. Geäußert hätten sich unter anderem die Landesdirektion, der regionale Planungsverband, die Landkreisverwaltung Mittelsachsen, der Gewerbeverein Brand-Erbisdorf.

Nach den Worten von Franziska Haase von der Dresdner Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) sind die Einwände der sogenannten Träger öffentlicher Belange aufgenommen und ausgewertet worden. Die GMA war von der Stadt 2015 mit der Erarbeitung des Einzelhandelskonzeptes für Brand-Erbisdorf beauftragt worden, ebenso aktuell mit dessen Fortschreibung.

Die nun vorgebrachten Einwände und Bedenken beziehen sich unter anderem auf den geplanten Umzug des Aldi und die Neuansiedlung eines Drogeriemarktes im südlichen Stadtbereich auf der Fläche der ehemaligen Gaststätte "Silver Inn" und dazugehöriger Grundstücke. Zum anderen gab es Anmerkungen zum Stadtzentrum mit Edeka- und Rewe-Markt sowie Seilerpassage.

Beispielsweise sieht die Landesdirektion die Neuansiedlung des Drogeriemarktes am Stadtrand kritisch. Dies wirke dem Ziel, kundenstarken Einzelhandel in der Innenstadt anzusiedeln, entgegen. Auch der Planungsverband erhebt Bedenken gegen diese dem Zentrum abgewandte Verlagerung der Nahversorgung. GMA nahm es, wie Franziska Haase am Dienstagabend erläuterte, zur Kenntnis. Eine Analyse habe ergeben, dass durch den Drogeriemarkt keine schädlichen Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbereiche zu erwarten seien.

Ebenso gibt die IHK Chemnitz zu bedenken, dass durch den neuen Aldi und den Drogeriemarkt ein Konkurrenzstandort zum Stadtzentrum entstehe. Das aber wurde mit Verweis abgeschmettert, es entstehe kein neues Nahversorgungszentrum, weil beispielsweise ergänzendes wie Dienstleistungen fehlten. Der alte Aldi-Markt sei wegen der geringen Fläche nicht auf modernes Niveau ausbaubar, so ein weiteres Argument.

Auf Nachfrage von Stadträtin Heidemarie Glöckner (BüfBED) erklärte Franziska Haase, dass Bäcker und Fleischer im bisherigen Aldi-Markt blieben. "Warum macht man nicht Rewe ein Angebot in Erbisdorf?", stellte Stadtrat Mirko Espig (CDU) die Frage in den Raum. Im Zentrum gibt es nach seinen Worten mit Rewe - der Markt hat seit längerem Pläne für eine Erweiterung am Standort - und Edeka zwei hochwertige Einkaufsmärkte. Das bedeute für die Innenstadt auch eine Verkehrsbelastung. Völlig außen vor seien der westliche Stadtbereich nahe der Straße des Friedens wie auch die dörflichen Stadtteile. "Ansiedlungen gibt es immer entlang der Bundesstraße", kritisierte er. "Das geben die Unternehmen selbst vor", argumentierte Oberbürgermeister Martin Antonow (parteilos).

Auch Stadtrat Steffen Bartzsch (Freie Wähler) ist überzeugt, dass der Innenstadtbereich durch den neuen Aldi- und Drogeriemarkt geschwächt wird. Zudem würden ihm die kritischen Anmerkungen zum Konzept nicht genügend beachtet. Auch das Thema Nachhaltigkeit komme zu kurz: "Ein relativ neues Gebäude an der B 101 ("Silver Inn") wird weggerissen", kritisierte er. Aldi werde sich in den entstehenden Neubau einmieten, irgendwann bleibe eine Brache. Außerdem kämen auf die Stadt mit der Neuansiedlung Kosten zu: Straßenlicht am Fußweg müsse gebaut und der Fußweg beräumt werden.

Der Stadtrat stimmte der Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes mehrheitlich zu.


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