Schwänzer: Anzahl seit 2015 verdoppelt

In diesem Jahr hat es in Mittelsachsen bereits 474 Anzeigen wegen des Verstoßes gegen die Schulpflicht gegeben. Betroffene müssen mit Bußgeldern rechnen.

Freiberg.

Ein oder zwei Kinder, die im Jahr einen unentschuldigten Fehltag zu verbuchen haben, sei das Bild, dass sich in puncto Schwänzen in der Evangelischen Oberschule in Lunzenau darstelle. "Dass ein Schüler nicht da ist und keine Entschuldigung nachweisen kann, ist der absolute Einzelfall", sagt Schulleiter Daniel Illgen. Dennoch, so räumt er ein, gebe es Fälle, bei denen Kinder ungewöhnlich oft oder auffällig nur an bestimmten Tagen als krank entschuldigt würden. "Darüber machen wir uns Gedanken, suchen das Gespräch mit den Eltern und haben erst jüngst in solch einem Fall eine Lösung gefunden", so Illgen.

In der Oberschule Niederbobritzsch gibt es aktuell keine Vorfälle von Schulschwänzerei. Das hat Schulleiter Karsten Hennig auf Nachfrage der "Freien Presse" bestätigt. Einen Grund dafür sieht er darin, dass eine Schule im ländlichen Raum für dieses Thema im Vergleich zu einer Einrichtung in der Stadt eventuell nicht ganz so anfällig ist. Da müsse man differenzieren. "Das heißt aber nicht, dass auch uns dieses Problem nicht schnell mal ereilen kann", meint er. Dennoch findet er das "Schulschwänzerprojekt", das die Stadt Freiberg initiiert hat, sehr wichtig. "Wir haben uns deshalb auch dafür engagiert und waren in die Planungen mit einbezogen worden", so Karsten Hennig.

Insgesamt stellt das Thema Schulschwänzen im Landkreis Mittelsachsen ein wachsendes Problem dar. Deutlich wird das vor allem an den Anzeigen der Schulen, die beim Referat Bildung des Landkreises eingehen. Wie Kreissprecherin Cornelia Kluge mitteilt, sind in diesem Jahr bereits 474 Verfahren wegen Schulpflichtverletzung eingeleitet worden. Das sind schon jetzt 35 mehr als im gesamten vergangenen Jahr (439 Anzeigen) und etwa doppelt so viele wie im Jahr 2015 (242 Anzeigen). Die eigentliche Anzahl der Schulverweigerer werde deutlich höher eingeschätzt. Die häufigsten Anzeigen werden laut der Kreissprecherin von Oberschulen und Berufsschulen im Referat Bußgeldstelle des Landratsamtes angezeigt.

Die Ursachen für das Schwänzen sind ihren Angaben zufolge ganz unterschiedlich und reichten von psychischen Problemen, überhöhten Erwartungshaltungen und daraus folgenden Versagensängsten über Konflikte mit einzelnen Lehrern oder im Klassenkollektiv.

Die Anzeigen erfolgen laut Kluge in der Regel nach dem fünften Tag unentschuldigten Fehlens. Bei unentschuldigten Schulversäumnissen werde zunächst geprüft, ob ein vorsätzliches oder fahrlässiges Verhalten Ursache ist. Schüler und Erziehungsberechtigte bekämen Gelegenheit, Stellung zu nehmen.

Der Verstoß gegen das Schulgesetz kann teuer werden - bis zu 1250 Euro Bußgeld können es sein, aber auch das Ableisten gemeinnütziger Arbeit. Abhängig ist das von verschiedenen Faktoren, zum Beispiel von der Anzahl der Fehltage und davon, ob es das erste Mal ist oder oft geschwänzt wird.


Hilfsangebote für Schüler und Eltern

Das Jugendamt bietet Beratungen, bei denen gemeinsam mit dem Kind oder Jugendlichen, den Eltern und der Schule versucht wird, den Ursachen auf den Grund zu gehen, um so eine passgenaue Unterstützung bei der Integration in den Schulalltag zu ermöglichen. Auch die Erziehungs- und Familienberatungsstellen im Landkreis, die es in Burgstädt, Rochlitz, Frankenberg, Döbeln und in Freiberg gibt, unterstützen.

Ein Modellprogramm "Jugend stärken im Quartier" läuft in der Stadt Freiberg. Es bietet Maßnahmen insbesondere für schulverweigernde junge Menschen. So werden unter anderem eine Jugendberatungsstelle und das Teilprojekt "Neustart" gefördert, in denen insbesondere sozialpädagogische Fachkräfte zielgerichtet mit Kindern und Jugendlichen und bei Bedarf mit Eltern und Lehrkräften arbeiten.

Sogenannte alternative Schulformen bieten weitere Möglichkeiten, um unter anderem dem Schulschwänzen vorzubeugen oder dieses zu vermeiden. Beispiele sind das "Produktive Lernen" in der Oberschule "Am Holländer" in Döbeln und das Angebot "Alternative Beschulung Mittweida" in der Fichte-Oberschule Mittweida.

Die Diakonie Rochlitz bietet in der Erziehungs- und Familienberatung Hilfe bei Schulproblemen. (bp)

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...