Schweinepest: Amt warnt vor Wurst aus Osteuropa

Die Seuche rückt näher. Besonders Urlauber sollen achtsam sein, rät die Landkreisbehörde.

Freiberg.

Der Landkreis mahnt Urlauber an Rast- und Haltestellen zur Vorsicht: Lebensmittel sollen nicht unachtsam entsorgt werden. Denn in Osteuropa, zum Beispiel dem Baltikum, Bulgarien, Polen, Slowakei und Ungarn breitet sich die Afrikanische Schweinepest aus. "Der westlichste Fundort eines infizierten Wildschweines in Polen ist nur gut zehn Kilometer von Sachsen und Brandenburg entfernt", heißt es vom Landratsamt. In Deutschland gibt es bislang keinen Fall.

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Tierseuche, die Wild- und Hausschweine befällt. Auch wenn die Krankheit für den Menschen ungefährlich ist, so kann er doch zur Verbreitung beitragen. Das weiß der Forstbezirksleiter für Chemnitz und Mittelsachsen, Bernd Ranft. Wildschweine, die etwa Speisereste an Rast- und Haltestellen aufnehmen, können sich mit dem Virus infizieren. "Eine Gefahr stellen deshalb die Transitstraßen nach und von Osteuropa dar", erklärt Ranft. Zurückgelassene Lebensmittel bedeuteten für die Verbreitung die größere Gefahr.

In Mittelsachsen werden natürlich verendete oder erlegte Tieren zusätzlich verstärkt auf das Virus untersucht. Der Landkreis bietet Schweinehaltern nun an, an einem freiwilligen Überwachungsprogramm teilzunehmen, um ein Auftreten der Krankheit frühzeitig zu erkennen. "Der Vorteil des Programms: Wenn ein Fall in unserer Region auftritt, der eigene Betrieb aber weiterhin seuchenfrei bleibt, kann der weiterhin Tiere verkaufen. Ohne die Teilnahme wäre das nicht der Fall", erklärt Lukas Bohnwagner. Der 29-Jährige ist stellvertretender Geschäftsführer eines Schweinezuchtbetriebes in der Region. "Das A und O ist ein sicheres Hygienesystem mit einer strikten Absicherung nach außen. Das ist seit Jahren unsere Hauptmaßnahme. Und auch für unsere Mitarbeiter aus Polen und Rumänien gilt, Lebensmittel in Deutschland zu kaufen und nicht mitzubringen", erklärt Bohnwagner. Das werde zusätzlich kontrolliert.

Das Veterinäramt appelliert an Urlaubsrückkehrer, keine Rohwürste wie Salami und Knacker, Schinken oder rohes Schweinefleisch aus Osteuropa mitzubringen." (cbo)


Was ist die Afrikanische Schweinepest?

Das Virus ist besonders langlebig. So kann es bei Zimmertemperatur vier Monate, in zubereiteten Wurstwaren wie Schinken über ein Jahr überdauern. Erst bei einer Temperatur von rund 70 Grad ist das Virus nicht mehr aktiv, erklärt Dr. Anke Kunze vom Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt in Mittelsachsen. Die Afrikanische Schweinepest kann sich nicht nur durch Blut und Sperma von Tier zu Tier übertragen, sondern auch durch weggeworfene Speiseabfälle von Schweinefleischerzeugnissen, die Wildschweine finden und fressen.

Bei einer Infektion verenden die Tiere, abhängig von Rasse und Alter, meist schon innerhalb von zwei bis zehn Tagen. Symptome einer Ansteckung können Fieber, Husten und Blutungen sein, aber auch Appetitverlust und Teilnahmslosigkeit. In einer akuten Form kann es zu Erbrechen, Durchfall und Blaufärbung der Haut kommen. Die Afrikanische Schweinepest ist anzeigepflichtig und muss bei Auftreten umgehend dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden. Im Gegensatz zur Klassischen Schweinepest gibt es keine Impfung. (cbo)

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