Sein Geschäft: Sicherheitslücken im Netz

Der Geringswalder Matthias Ungethüm hat seine Zeit als Hacker hinter sich. Mit seiner Firma Unnex berät er jetzt Unternehmen und macht anderen Hackern das Leben schwer.

Geringswalde.

Einmal Hacker, immer Hacker? Auf diese Frage reagiert Matthias Ungethüm empfindlich. "Die Phase ist längst durch", sagt er. Der 28-Jährige wählte vor etwa acht Jahren den legalen Weg. Inzwischen hat der Geringswalder, der deutschlandweit für Schlagzeilen sorgte, als er Sicherheitslücken auf der Homepage der US-Bundespolizei FBI und der internationalen Polizeiorganisation Interpol aufdeckte, sich ein eigenes Unternehmen aufgebaut. Die Suche nach Schwachstellen im World Wide Web ist jetzt sein Geschäft.

In seinem Büro erfüllt rein gar nichts das in den Köpfen festsitzende Klischee eines Computerfreaks, der in abgedunkelten Räumen, von einem Dutzend Monitoren, leeren Pizzaschachteln und allerlei technischem Krimskrams umgeben, das Tageslicht meidet. Matthias Ungethüm entschied sich für eine nüchterne Büroausstattung in Hellgrau und Cremeweiß. Das ist das Erscheinungsbild seiner Firma Unnex. Denn seitdem sich immer mehr Internetnutzer um die Sicherheit ihrer Daten sorgen oder einen Zusammenbruch des Computersystems fürchten, hat er viel zu tun.

Womit Matthias Ungethüm hauptsächlich beauftragt wird, sind sogenannte Penetrationstests. Tester wie der Geringswalder decken dabei Lücken in Datennetzen und Internetauftritten auf und schließen diese Lecks. Zu seinen Kunden zählen Ingenieurbüros, Spezialmaschinenbauer und Forschungsinstitute.

Ungethüm spricht von einer teils kuriosen Palette von Aufträgen. "Manche fühlen sich verfolgt und wollen wissen, ob sie ausgespäht werden. Andere wieder betreiben einen Web-Shop und lassen mich checken, ob alle Daten sicher sind." Bei großen Unternehmen gehe es häufig um deren Intranet und die Frage, wie angreifbar das drahtlose Netzwerk von außen ist. Attacken aus dem Internet, mit denen Kriminelle von sächsischen Unternehmen Geld erpressen wollten, haben Ende 2016 deutlich zugenommen. Allein im Dezember seien 75 Angriffe mit Trojanern gezählt worden, teilte das Landeskriminalamt mit. Das Kommunale Datennetz, an das 80 Prozent der sächsischen Kommunen angeschlossen sind, sei relativ sicher, teilt der Sächsische Städte- und Gemeindetag mit. Neben einem Scan des Mailverkehrs auf Schadsoftware, würden auch abgerufene Internetinhalte geprüft.

Zu deutschlandweiter Aufmerksamkeit war Matthias Ungethüm vor einigen Jahren durch Aktionen gekommen, die er heute seine Langeweile-Projekte an Wochenenden nennt. So deckte der Geringswalder Internet-Sicherheitslücken beim US-Geheimdienst NSA und der US-Bundespolizei FBI auf.

Vor etwa einem Jahr nahm er mit Interpol die weltweit größte Polizeiorganisation aufs Korn und setzte Sachsens Innenminister Markus Ulbig auf die Liste der meistgesuchten Verbrecher. Das Ministerium bemerkte das erst, als Ungethüm die Sache öffentlich machte. "Der Reiz liegt für mich darin, auszutesten, wie weit ich mit meinen Fähigkeiten komme", sagt er. Oft reagierten Institutionen oder Internetplattformen auf seine Hinweise verschnupft. "Aber wer klug ist, lässt das Leck schließen."

Gleichwohl gibt es für Ungethüm auch ein Leben außerhalb der digitalen Welt. "Ich lebe gern in Geringswalde, liebe die Natur und schätze die Ruhe als Ausgleich zu meiner Arbeit." Und seine Eltern sind ihm sehr wichtig. "Umso mehr, wenn ich mir vor Augen halte, was ich früher für Mist gebaut habe." Denn als Achtklässler generierte er Computerviren, griff Informationen aus Datenbanken ab und drang in virtuelle Shops ein, bis die Polizei vor der Tür stand. "Mir ging es nicht darum, reich zu werden. Ich fand es cool, dass meine Programmierungen funktionierten." Das ist für ihn Geschichte. Wichtig sind ihm seine wenigen, handverlesenen, zuverlässigen Freunde, wie er sagt. Zudem habe er in seinem Partner einen Menschen gefunden, dem er vertrauen könne und der ihm Geborgenheit vermittle. (mit dpa)

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