Seitenhiebe im Akkord

Beim mittelsächsischen Stelldichein der Sprücheklopfer ging es am Aschermittwoch in Penig hoch her. Die Politik bekam ihr Fett weg, aber auch ein Virus schwirrte im Saal herum. Auch in der Bergstadt teilte die Freiberger CDU aus.

Penig.

Aschermittwoch ist Schluss mit lustig. Denn nach den tollen Tagen beginnt die Fastenzeit. Nicht in Penig. Hier ist es anders. Hier halten die Narren die Faschingsfahne weiter hoch. Und so steigen seit Jahren die Matadore der Regionalpolitik und die Lokalprominenz erst an Aschermittwoch in die Bütt - das ist dieses Jahr nicht anders gewesen. Das Gipfeltreffen der mittelsächsischen Sprücheklopfer im Kultur- und Schützenhaus sorgte auch bei der 20. Auflage mit rund 300 Gästen, darunter Politiker, Unternehmer und Kulturschaffende aus dem ganzen Landkreis, erneut für ein ausverkauftes Haus.

Lachsalven waren genauso garantiert wie Schenkelklopfer. Der Vater des Aschermittwochs, Bürgermeister Thomas Eulenberger, liebevoll Eule genannt, schoss scharf gegen die Kritiker der Veranstalter, die diese als elitäre Verschwendung gegeißelt hätten. "Sie brauchen kein schlechtes Gewissen haben", sagte er, nicht ohne die Gäste trotzdem ans Maßhalten bei Speis und Trank zu erinnern. Lacher auch, als Eule auf die Bundespolitik und die Debatte um den CDU-Vorsitz anspielte. "Ich hoffe, der Merz hält an."

Köstlich CDU-Landrat Matthias Damm als Tierpfleger der Peniger Köbe. Seine Rede war eine Ehrerbietung an den nach 30 Jahren aus dem Amt scheidenden Stadtchef. Die Eule sei sein Lieblingstier, sagte der mittelsächsische Verwaltungschef. Denn Eule bewies in den Jahren seines Wirkens Weitblick, ja Tatkraft. Einem bayerischen Wolpertinger gleich, diesem sagenumwobenen Fabelwesen, sei die Eule ein Platzhirsch, ein alter Hase, ein Muli, ein Sparfuchs, ja, weil er in den 1990er-Jahren ein Dorf nach dem anderen nach Penig holte, auch ein Hamster, ja ein Urvieh hier im Sachsenland.

Neben Eulenberger und Damm stiegen Vizebürgermeisterin Carolin Schneider-Delau und Stadtrat Martin Bergmann in die Bütt - das alles beherrschende Thema: die bevorstehende Bürgermeisterwahl.

Herrlich die Einlagen des Peniger Faschingsclubs - sei es die Funkengarde, sei es das Duo Natalie und Oliver; dazu die Narren aus Braunsdorf und Niederhain. Nicht zu vergessen: Birgit Lehmann alias Gräfin Cosel, die zu den festen Größen in Penig zählt. Zum Schießen komisch; egal, ob sie die Landespolitik oder das gesellschaftliche Leben aufspießte. "O, da hinten hat einer gehustet. Lassen Sie den Saal räumen. Zum Glück bin ich schon tot", so die Adelige. Auch die Thüringer im Exil begrüßte sie. Das Land müsse man annektieren, "sonst wird das nüscht".


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