Selbst sein Hut hat drei Räder

Der Halsbrücker Jonny Lasch sammelt Dreiräder aus verschiedenen Epochen. Bei jeder Ausstellung dabei: eine Spendenbüchse. Warum er jetzt erneut Geld an Kinderhospize gibt, hat seine Gründe.

Halsbrücke.

Jonny Lasch will kein Geld für sich. Wenn der Halsbrücker seine Dreiradsammlung bei einem Fest zeigt, Kinder damit fahren lässt oder Bockwürstchen aus dem Bauchladen verteilt, dann hat er immer nur eine Spendenbüchse dabei. Seit 2016 sammelt er Geld für die ambulanten Kinderhospizdienste in Dresden und Chemnitz, die auch für Mittelsachsen zuständig sind.

In diesen Tagen hat er ihnen im Halsbrücker Rathaus wieder 800Euro übergeben. Sein Dank ging an die Spender und vor allem auch die Aussteller, bei denen er die Dreiräder oder im Winter seine Schlitten präsentieren kann - die Ergebnisse einer achtjährigen Sammelleidenschaft.


"Für mich ist es ein Hobby wie Briefmarkensammeln", erzählt Jonny Lasch. Inzwischen besitzt er mehr als 80 Dreiräder, das älteste vermutlich um 1800 angefertigt. Auf Trödelmärkten sucht er weitere Modelle und restauriert sie selbst. Beim Transport zu den Festen - 20 bis 30 Stück nimmt er meist mit - packt Nachbar Helmut John mit an.

Vor Ort erkennt man Lasch leicht an dem Hut, der nicht nur drei Ecken, sondern auch drei Räder hat. Um Ruhm geht es ihm aber nicht: "Ich mach' das für die gute Sache." Die Hospize hat er ausgewählt, weil er weiß, wie es ist, jemanden an Krebs zu verlieren. "Ich habe nach 36 Jahren Ehe meine Frau beerdigt", sagt er. Da hat er angefangen, zu spenden: "Ich musste was machen." Und dabei hat auch sein Beruf einen Anteil: "Ich sehe viel als Bestatter. Auch Kinder." Vor allem nach Unfällen hätten Bestatter keinen leichten Job. Seelsorger kümmern sich dann um Polizei, Feuerwehr und Angehörige. "Uns fragt niemand."

Von seinem Engagement zeigte sich Bürgermeister Andreas Beger (CDU) beeindruckt: "Es ist bewegend, was hinter einem Menschen steckt." Er legte noch etwas drauf, ebenso wie Parteikollege Steve Ittershagen. Der Landtagsabgeordnete hatte Lasch bei einem Fest in Freiberg kennengelernt: "Er stand da ganz bescheiden mit seinem Bockwurstkessel, da sind wir ins Gespräch gekommen." Die Geschichte habe ihn sehr berührt, auch weil er selbst seinen Bruder verloren hatte, als der sechs Monate alt war. "In unserer schnelllebigen Gesellschaft müssen wir uns regelmäßig an das Thema Krankheit und Sterben erinnern", sagt er.

In manche Familie tritt das Thema bereits am Anfang eines neuen Lebens - wenn die Diagnose "lebensverkürzende Krankheit" lautet. Ab dem Zeitpunkt sind die Hospizdienste für Eltern und Kinder da. Sechs Einrichtungen decken Sachsen ab, darunter der Elternverein krebskranker Kinder in Chemnitz, der derzeit 22 Familien betreut, sowie der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Dresden, der sich um 29 Familien kümmert.

Koordiniert von drei Angestellten, unterstützen in Dresden und Umgebung 58 Ehrenamtliche die Eltern, wo sie es wünschen, schildert Koordinatorin Susanne Wetzel: Das kann Hilfe bei den Hausaufgaben sein, Betreuungszeit, damit die Eltern etwas erledigen können oder auch Singen und Vorlesen für schwerst mehrfachbehinderte Kinder. Von den Krankenkassen werde der Dienst nicht durchfinanziert, weshalb sie auf Spenden angewiesen sind. Die fließen in Familienfeste, in Kunsttherapie für Geschwisterkinder, in Fahrtkosten für Ehrenamtler und vieles mehr. "Wer spendet, spendet Zeit für die Familien", sagt Wetzel.

Die ist auch deshalb so knapp, weil viele Kinder zuhause gepflegt werden. "Wo klemmt es da?", fragte Ittershagen. Zum einen bei der Finanzierung, erklärt Kathleen Theiling, Leiterin der Geschäftsstelle beim Chemnitzer Elternverein. So gebe es für die nötige, zweijährige Palliativausbildung von Mitarbeitern gar keine Förderung. Zudem sei es schwer, für schwerstbehinderte Kinder ambulante Pflegedienste zu finden - weil das Personal fehlt oder nicht dafür ausgebildet ist, ergänzt Wetzel. Auch für Trauerarbeit bekommen die Hospize keine Geld. "Wir bieten sie für ein Jahr an", sagt sie. Auch dank Spenden.

Für Jonny Lasch soll es nicht die letzte Spendenaktion gewesen sein: Drei, vier Ausstellungen sind 2019 bereits geplant, darunter beim Seifenkistenrennen in Obergruna, so der 60-Jährige. Für ein Vorhaben brauche er aber Unterstützung: "Ich würde gern mal alle Dreiräder zeigen." Damit stieß er beim Bürgermeister auf offene Ohren: "Möglichst in Halsbrücke!", sagte Beger. Der Raum, der Laschs Sammlung fasst, muss noch gefunden werden.

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