Sicherheitsbranche erlebt Boom

Die Anzahl der Einbrüche in Mittelsachsen steigt. Privat- und Geschäftsleute investieren deshalb mehr in Schutzmaßnahmen.

Freiberg.

In Sachen Einbruchschutz rüsten die Freiberger auf. Das bestätigt Wolfgang Schlegel von Schlegel Schließtechnik. "Seit zwei Jahren etwa ist die Nachfrage nach Sicherungseinrichtungen gestiegen", erklärt der Mitinhaber des Fachgeschäfts. Einerseits gebe es inzwischen deutlich verbesserte Produkte, andererseits aber auch "Lehrfilme" im Internet, wie man ein älteres Schloss knackt. Häufige Schwachstellen seien die Schließzylinder in den Wohnungseingangstüren sowie die Fenster, weiß Schlegel.

Zu den Kunden des Sicherheitsexperten gehören aber auch Gewerbetreibende. Aus gutem Grund: Vor einem Monat erst hatten Einbrecher in einer Nacht versucht, in drei Geschäfte einzudringen. Laut Polizeibericht waren dabei in allen drei Fällen Schaufensterscheiben beschädigt, aber nichts entwendet worden. Die Ermittlungen zu den Tätern liefen noch, erklärte Polizeisprecherin Daniela Koenig gestern auf Nachfrage der "Freien Presse".

Zu den Geschädigten der Nacht vom 9. zum 10. Februar hatte das Uhren- und Juweliergeschäft Zimmermann am Obermarkt gehört. Die neue Schaufensterscheibe aus Sicherheitsglas habe 4000 Euro gekostet, sagt Gisela Zimmermann. Sie hoffe, so die Geschäftsfrau weiter, dass die Bilder der Überwachungskamera zur Aufklärung beitragen.

Bislang habe es in Freiberg vergleichsweise wenig Einbrüche in Läden gegeben, urteilt Lutz Rupprecht vom Gewerbeverein der Stadt: "Das war hier bisher relativ ruhig in dieser Beziehung. Zumindest nach meiner Kenntnis." Das Thema habe bei den Treffen des Vereins auch noch keine große Rolle gespielt, so das Vorstandsmitglied weiter: "Wir werden das aber im Auge behalten." Er sei aber überzeugt, so der Gastwirt, "dass jeder, der in Freiberg ein Gewerbe hat, entsprechende Vorkehrungen getroffen hat". Vereinsvorsitzende Anke Krause pflichtet ihm bei. Sie selbst lasse in ihrem Geschäft nachts ein paar Lampen brennen, verrät die Schreibwarenhändlerin: "Licht ist eine einfache Maßnahme gegen Einbrecher."

Nicht jede kaputte Fensterscheibe geht auf das Konto potenzieller Langfinger - davon ist Daniel Otto vom Kücheneck am Tivoli überzeugt. Sein Geschäft an der Leipziger Straße war kürzlich ebenfalls attackiert worden - vermutlich aber von einem Betrunkenen. "Das läuft bei der Polizei unter Vandalismus", weiß der Mitgeschäftsführer. Geld liege sowieso keins im Laden, und Möbel wegtragen sei nicht so leicht.

Laut Innenministerium waren 2015 in Mittelsachsen 237 Wohnungseinbrüche registriert worden. Wie aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Sebastian Wippel (AfD) weiter hervorgeht, war das der höchste Wert seit 2006. Zum Vergleich: 2014 hatte es 148 erfasste Fälle im Landkreis gegeben. Die Aufklärungsquote war demzufolge in der Dekade von 35,2 auf 25,1 Prozent gesunken.


"Die Leute kommen jetzt öfter zur Beratung"

Werner Seidel ist in Flöha Inhaber eines Sicherheitsfachgeschäfts. Knut Berger sprach mit dem Fachmann über das Sicherheitsbedürfnis der Bürger.

Freie Presse: Herr Seidel, ist aus Ihrer Sicht das Sicherheitsbedürfnis der Bürger gestiegen ?

Werner Seidel: Auf jeden Fall. Ich habe festgestellt, dass die Leute in den vergangenen Monaten jetzt öfter zur Beratung kommen. Doch in meinem Geschäft kann man nur ein paar Dinge anreißen. Es muss dann vor Ort in der Wohnung oder im Haus entschieden werden, was sinnvoll ist.

Was ist dabei besonders zu beachten ?

Die Sicherheitskette ist nur so stark, wie das schwächste Glied. Es reicht deshalb nicht, nur eine punktuelle Sicherung, wie etwa an einer einzelnen Tür, zu montieren. Vielmehr sollten in einem Eigenheim oder einer Erdgeschosswohnung alle Türen und Fenster gesichert werden.

Und welche Sicherungsarbeiten bieten Sie an ?

Ich baue grundsätzlich nur mechanische Sicherungen ein, denn nur sie können den Einbruch verhindern. Dabei verwende ich ausschließlich Bauteile, die vom Bundesverband der Sachversicherer empfohlen worden sind. Die Elektronik meldet in der Regel den Einbruch, das ist dann der zweite Schritt im Aufbau eines soliden Sicherheitskonzepts. (kbe)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...