Siebenlehn: Stadt verkauft Ladenhüter

Die Kommune veräußert ein denkmalgeschütztes Gebäude am Markt, das sie vor dem Verfall bewahrt hat. Doch der erzielte Preis für den früheren Schandfleck liegt deutlich unter den bisherigen Investitionen.

Siebenlehn.

Lange Jahre ist es ein Sorgenkind gewesen: Das denkmalgeschützte, um 1780 gebaute Fachwerkhaus am Markt 7 in Siebenlehn. Seit Jahren ringt die Stadt Großschirma darum, das einstige Wohn- und Geschäftsgebäude zu erhalten. Sie kaufte das Haus 2013 und ließ in den folgenden Jahren die Tragkonstruktion instandsetzen, das Dach neu decken, teils Außenputz und Fenster erneuern. Die Kommune hat rund 271.000 Euro, davon rund 140.000 Euro Fördermittel, investiert. Jetzt verkauft sie das Gebäude für 12.000 Euro an den Pflegedienst Volkov in Siebenlehn. Dessen Inhaberin Nadja Volkov will darin betreute altersgerechte Wohnungen einrichten. Am Montagabend stimmten die Stadträte dem Verkauf einstimmig zu - nach kontroverser Diskussion vor knapp 40 Gästen im Bürgersaal Großschirma.

Bürgermeister Volker Schreiter (FDP) betonte, es sei "illusorisch, die entstandenen Kosten durch den Verkauf zu refinanzieren." Ein Gutachter hatte den Verkehrswert des bebauten Grundstücks mit null Euro angegeben. Denn der Investitionsbedarf im Gebäude ist noch erheblich. Nach einem Stadtratsbeschluss vor reichlich einem Jahr war das Objekt vom Immobiliencenter Freiberg, der Sparkasse Mittelsachsen und auf der Internetseite der Stadt zum Verkauf ausgeschrieben worden. Nur Nadja Volkov bekundete Interesse.


Die parteilose Stadträtin Birgit Neuhäußer, die zur AfD-Fraktion gehört, hakte nach: "Wer ist Frau Volkov? Vom Namen her klingt sie nicht deutsch. Gibt es Schufa-Eintragungen?" Zudem sagte die Großschirmaerin, dass der Verkauf einerseits eine Chance sei. Aber andererseits falle das Gebäude wieder an die Stadt, "wenn es nicht passt", so Birgit Neuhäußer.

Laut Bürgermeister Schreiter ist Nadja Volkov "eine langjährige Bürgerin von Siebenlehn und seit vielen Jahren in der Seniorenbetreuung tätig". In der Albertstraße habe sie bereits ein Haus umgebaut und dort altersgerechte Wohnungen eingerichtet. "Und wie der Name schon sagt, ist sie irgendwann aus Russland zugezogen", so Schreiter.

Nadja Volkov sagte am gestrigen Dienstag auf Anfrage von "Freie Presse", dass sie seit 30 Jahren Krankenschwester ist und jahrelang in diesem Beruf bundesweit selbstständig gearbeitet hat. "Ich komme aus Moskau und lebe seit 20 Jahren in Siebenlehn", betonte die 50-Jährige. Am Markt 7 werde sie betreute altersgerechte Wohnungen einrichten. Ein genaues Konzept werde sie aber erst noch mit Denkmalschützern und Architekt erarbeiten.

Der Verkauf ist eine Chance, sagte Gunther Zschommler (CDU) aus Großschirma: "Ich finde es gut, wenn jemand etwas für die älteren Menschen bauen will." Hingegen hinterfragte der Großschirmaer Lutz Krumbiegel (parteilos), der für die AfD im Stadtrat sitzt, das bisherige Vorgehen der Stadt. Dazu Bürgermeister Schreiter: "Die Alternative wäre gewesen, einen Bauzaun um das Gebäude zu ziehen und die Straße teilweise abzusperren." Und Volker Scharf (UBV) erinnerte daran, dass die Stadt vor elf Jahren vor der Frage stand, ob das unter Denkmalschutz stehende Gebäude abgerissen werden soll. "Wir wollten es nur sichern und dann in eine private Nutzung überführen", so der Großschirmaer.

Siebenlehns Ortschaftsrat forderte in seiner Stellungnahme eine Investitionsverpflichtung binnen fünf Jahren. "Eigentlich wollten wir in dem Gebäude ein Kultur- und Bildungszentrum aufbauen, das auch von der Grundschule genutzt werden kann. Wir haben aber dafür keine finanzielle Lösung", sagte der Siebenlehner Herbert Grahl (Lebenswerte Stadt). Letztlich soll die Investitionsverpflichtung im Kaufvertrag verankert werden, so Bürgermeister Schreiter. Auch er sagte: "Es ist eine Chance."

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