"Silber-Boom" kann jederzeit beginnen

Auf der Reichen Zeche in Freiberg wäre für die Landesausstellung alles startklar. Wegen der Corona-Krise ist diese auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Rektor der Bergakademie fürchtet noch keine Schäden. Der Besucherbetrieb ist aber ausgesetzt.

Freiberg.

Die Ausstellung zu 500 Jahren Industriekultur in Sachsen unter Trägerschaft des Deutschen Hygiene-Museums Dresden ist aufgrund der Corona-Pandemie auf unbestimmte Zeit verschoben. Geplant war sie vom 25. April bis zum 1. November. Die TU Bergakademie, die Stadt Freiberg und der Förderverein Himmelfahrt-Fundgrube haben sich dieser Entscheidung angeschlossen. Denn hier ist die Reiche Zeche mit der Ausstellung "Silber-Boom" Teil der sachsenweiten Schau. Zwei neue Lehrpfade in 147 Metern Tiefe sind kurz vor der Fertigstellung. 500.000 Euro an Fördergeldern hat das Wissenschaftsministerium dafür und für Sanierungsarbeiten bereitgestellt.

Bei einer Entdeckertour steht auf einer Strecke von 500 Metern die Industrialisierung im Mittelpunkt. Bergmännische Begriffe wie Vortrieb, Ausbau und Vermessung werden dort multimedial und interaktiv veranschaulicht. Auf der zweiten etwa zweieinhalb Kilometer langen Tour wird es erstmals in der Geschichte des Forschungs- und Lehrbergwerkes möglich sein, Forschungsstandorte zu besichtigen. So sehen Besucher beispielsweise, wie an der Gewinnung von Erz durch Bakterien geforscht wird.

"Derzeit sind 15 Institute der TU Bergakademie sowie 33 externe Partner aus 26 Ländern in die Forschungen unter Tage eingebunden", sagt Professor Helmut Mischo, wissenschaftlicher Direktor des Forschungs- und Lehrbergwerkes. Betroffen von der Verlegung des Termins sind auch einige Begleitprogramme der Landesschau wie die Eröffnung der interaktiven Rohstoffausstellung "Vom Salz des Lebens" im Alten Fördermaschinenhaus auf der Reichen Zeche, die für den 7. April geplant war. "Schulklassen und Gruppen, die Führungen und Projekte gebucht haben, können diese beim Besucherservice des Silberbergwerkes telefonisch oder per Mail kostenfrei stornieren oder umbuchen, sobald feststeht, wann die Ausstellung beginnt", sagt Mischo.

Professor Klaus-Dieter Barbknecht, Rektor der TU Bergakademie, betont, dass die Landesausstellung ja nicht abgesagt, sondern lediglich verschoben sei: "Wir warten auf einen neuen Eröffnungstermin." Die neun Mitarbeiter und 40 ehrenamtlich Beschäftigten des Fördervereins Himmelfahrt Fundgrube, die für den Besucherbetrieb in der Reichen Zeche verantwortlich sind, erhalten derzeit laut Vorstandsvorsitzendem Erich Fritz alle ihre arbeitsvertraglich vereinbarte Entlohnung. Sie würden in diesen Wochen noch für die Landesausstellung arbeiten. "Aber es gibt schon Überlegungen, perspektivisch Kurzarbeit zu beantragen", so Fritz. Denn sämtliche Führungen Untertage sind ebenfalls ausgesetzt. Welche finanziellen Auswirkungen das für den Verein hat, sei noch nicht absehbar.

Jetzt stehe die Gesunderhaltung der Gäste und Mitarbeiter im Vordergrund, sagt Mischo. "Die Bergakademie befindet sich bis auf weiteres im präventiven Standby-Betrieb. Das heißt, Professoren und Mitarbeiter, deren Tätigkeit nicht zwingend vor Ort benötigt wird, arbeiten fernab der Universitätsräume im Homeoffice", so Barbknecht. Damit könnten aber Forschungsprojekte fortgeführt und über Videokonferenzen oder digitale Formate Kontakte zu Partnern aufrechterhalten werden. Für dringende Experimente seien unter Einhaltung strengster Hygienemaßnahmen Laboreinsätze einzelner Wissenschaftler möglich. Für Studenten werde der Lehrbetrieb bis mindestens 4. Mai ausgesetzt, so Barbknecht.


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