Silbermann-Gesellschaft stoppt Anbaupläne für Silbermann-Haus

Die Erweiterung am Freiberger Schloßplatz ist vorerst vom Tisch. Doch der Streit um den möglichen Standort des Welterbezentrums geht weiter.

Freiberg.

In der Debatte um das Silbermannhaus hat der Verein die Notbremse gezogen. "Die Gottfried-Silbermann-Gesellschaft sieht vorerst von ihren Plänen für eine bauliche Erweiterung des Silbermann-Hauses am Freiberger Schloßplatz ab", teilte Sprecherin Claudia Kallmeier am gestrigen Donnerstag mit.

Die Silbermanngesellschaft begründet ihre Entscheidung mit einem Gespräch vom Wochenbeginn: Oberbürgermeister Sven Krüger habe am Montag mitgeteilt, dass der kommunale Anteil eines geplanten gemeinsamen Förderantrags nicht mit der Sächsischen Kommunalhaushaltsverordnung vereinbar sei. Damit sei der Förderantrag, so der Verein weiter, bei Kunstministerium, Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen und Stadt hinfällig. Daher habe das Präsidium am Mittwoch beschlossen, so Kallmeier, von den derzeitigen Plänen Abstand zu nehmen.

OB Krüger widersprach der Darstellung: Dem Verein sei mitgeteilt worden, dass der Antrag in der gestellten Form nicht den kommunalen Haushaltsvorschriften entspreche. So habe die Kämmerei festgestellt, dass der Antrag "keine schlüssige Finanzierung" vorlege. Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung verschiedener Varianten fehle, Folgekosten seien nicht dargestellt. Damit sei keine Beurteilung der finanziellen Auswirkungen auf den Stadt-Haushalt möglich.

Nach wie vor klar ist der Standpunkt des Vereins zu den Plänen der Stadtverwaltung, im Silbermann-Haus ein Welterbezentrum einzurichten. Denn dafür müsste die Silbermanngesellschaft mit ihrer Ausstellung und Geschäftsstelle umziehen: Das Präsidium habe seinen Wunsch bekräftigt, mit der Ausstellung am historischen Ort der Werkstatt Gottfried-Silbermanns zu bleiben. "Das Silbermann-Haus war ab 1711 über 100Jahre das Zentrum des sächsischen Orgelbaus. Silbermann, einer der bedeutendsten Orgelbauer der Geschichte, lebte und wirkte hier fast 40 Jahre lang und schuf an diesem Ort über 40 Orgeln sowie 200besaitete Tastenelemente. Auch die Entwicklung des modernen Klaviers wurde an diesem Ort durch ihn maßgeblich vorangetrieben."

Fazit: Die Silbermanngesellschaft wolle auch in Zukunft an diesem authentischen Ort wirken und das wertvolle Erbe Silbermanns in der Gegenwart für viele Generation erlebbar machen. Allerdings kündigt der Verein an, das Präsidium werde in den kommenden Wochen dennoch verschiedene Optionen und Standorte für die künftige Arbeit sondieren.

Auch OB Krüger ist überzeugt, dass Silbermanns Erbe an einem repräsentativen Ort erlebbar sein sollte. Als Vorteile des vorgeschlagenen Standortes in den Domherrenhäusern nennt der Stadtchef die Nähe zum Dom mit den Silbermann-Orgeln sowie "die Möglichkeit, sich weitaus besser als im Silbermannhaus räumlich zu vergrößern". Er verweist auf das Ergebnis von Gesprächen mit der Silbermanngesellschaft: Danach solle gemeinsam geprüft werden, ob und wie die Domherrenhäuser Dom 2/3 "entsprechend den platzmäßigen Anforderungen der Silbermanngesellschaft gestaltet werden können und wie ein Welterbezentrum in die dann möglicherweise frei werdenden Räumlichkeiten der Silbermanngesellschaft im Gebäude Schloßplatz 6 integriert werden kann". Bis Ende Februar 2020 müssen Konzeption und Standort für die Welterbezentren laut Welterbeverein vorliegen, so Krüger. Der OB begrüßte die Ankündigung des Vereins, weitere Optionen und Standorte zu prüfen, er bot weiter Unterstützung dabei an.

Das Stadtoberhaupt machte allerdings auch deutlich, dass die Verwaltung am Vorschlag fürs Welterbezentrum im Silbermannhaus festhalte: Der Standort mit der Tourist-Information sei der geeignetste - wegen der erhofften sehr positiven Wirkung auf die Tourismusentwicklung und der optimalen Folgekosten. "Tourist-Information und Welterbezentrum könnten gemeinsam betrieben werden - mit nahezu bereits bestehendem Personal." Die Kosten für drei zusätzliche Vollzeitkräfte an einem alternativen Einzelstandort bezifferte er mit mehr als 100.000 Euro jährlich: Sie würden, so Krüger, sehr für die weitere touristische Gesamtentwicklung fehlen. Deshalb sei frühzeitig das Gespräch gesucht worden. Aus Respekt vor dem historischen Erbe beabsichtige die Stadt eine Inszenierung des Wirkens im geplanten Welterbezentrum, so Krüger: "Natürlich wäre Silbermann weiter im Silbermann-Haus erlebbar, auch wenn die Silbermanngesellschaft an einem anderen Standort sitzen würde, wie sie dies übrigens viele Jahre getan hat."

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2Kommentare

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    ChWtr
    11.10.2019

    Als ich den Artikel von Fr. Baldauf gelesen habe, traute ich meinen Augen nicht. Darf das wahr sein? Es wird sehr wahrscheinlich so kommen, wie es die Stadtverwaltung will. Gibt es nur diese eine Lösung? Nein - kann ich mir nicht vorstellen. Die Stadtverwaltung setzt jedoch der Silbermanngesellschaft die Pistole auf die Brust - das grenzt schon an Nötigung. Ich kenne die Besitzverhältnisse nicht, würde jedoch niemals aus diesem angestammten Haus rausgehen. Der historische und authentische Ort darf nicht aufgegeben werden, gleich gar nicht kampflos. In einigen Jahrzehnten oder schon eher wird man es bitter bereuen. Ein Ersatzort ist nicht das Selbe.

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    Juri
    11.10.2019

    Na da haben wir ihn doch wieder, den der für alles herhalten muss, wenn Werte und der vernünftige Menschenverstand, aus welchen Gründen auch immer, ausgeschaltet werden, - den schnöden Mammon.
    Der letzte Abschnitt des Artikels ist für jeden Leser eine Zumutung. Der letzte Satz eine Unverschämtheit, die deutlich macht: Wir müssen hier gar niemanden ernst nehmen.



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