Singegemeinschaft Lyra: Zwangspause statt Jubiläumsfeier

Alle Adventskonzerte abgesagt: Wie so viele Künstler sind die Zethauer Sängerinnen und Sänger in der zweiten Zwangspause - ausgerechnet im zehnten Jahr des Bestehens.

Zethau.

Philip Arnold ist 19 Jahre alt. Als die Singegemeinschaft Lyra in Zethau, deren erster Vereinsvorsitzender er jetzt ist, aus der Taufe gehoben wurde, war er gerade einmal neun Jahre. Musik zu machen, so erzählt er heute, sei für ihn aber schon immer Teil des Lebens gewesen.

Er singt nicht nur, sondern spielt auch Keyboard, genau wie seine jüngere Schwester Jenny, die ebenfalls Lyra-Mitglied ist. Zwar sind die beiden nicht die einzigen Jüngeren, die sich in der Singegemeinschaft engagieren, dennoch besteht deren Großteil der heute 28 Sänger und Musiker aus älteren Mitgliedern. Das aktuelle Durchschnittsalter liegt bei 67 Jahren. Nachwuchs, so Schatzmeisterin Maria Gäbler, wäre herzlich willkommen, ist aber ein rares Gut.

Und wie will man neue Mitglieder bekommen, wenn man nicht auftreten kann, und das im Jubiläumsjahr? Schon der erste Lockdown im Frühjahr hatte die Sängerinnen und Sänger um ihren musikalischen Leiter Ludwig Lorenz zum Schweigen verdammt. Nur eine kurze Phase gab es, in der man sich wieder treffen konnte. "Nach Pfingsten, Anfang Juli, hatten wir wieder mit den Proben begonnen", sagt Arnold.

Am angestammten Ort, dem Sportlerheim Zethau, war das nicht möglich, da dort derzeit Bauarbeiten stattfinden. Glücklicherweise konnte das Ensemble in die "Grüne Schule grenzenlos" ausweichen, die geeignete Räumlichkeiten, in denen Abstände eingehalten werden können, zur Verfügung stellte. Drei Auftritte absolvierte Lyra in der Zeit. Nun ist wieder Schluss. Sieben geplante Konzerte im Advent wurden abgesagt. "Wir sind im Stand-by-Modus", nennt es der Vereinschef.

Joachim Schilling ist von Anfang an dabei und hält die Fäden der Organisation in der Hand. Zahlen hat er sofort parat. So kann er von insgesamt 170 Auftritten im Laufe der zehn Jahre berichten. "431 Übungsstunden gab es dafür", zählt er auf. "Und 81 unterschiedliche Lieder haben wir drauf."

Das Repertoire ist abwechslungsreich. Volkslieder kommen kaum vor, dafür populäre Schlager, deren Texte und Arrangements in der Regel vom musikalischen Leiter umgearbeitet werden, dadurch moderner und zeitgemäßer daher kommen. Damit spreche Lyra durchaus auch jüngeres Publikum an, sagt Angelika Siegert, die in näherer Zukunft die musikalische Leitung von Ludwig Lorenz übernehmen soll. "Das sind Lieder, die allen gefallen", meint auch Günter Kretzschmar, der nicht nur stellvertretender Vorsitzender, sondern auch der "Stöpsler" im Verein ist, somit für die Technik zuständig.

Begonnen hatte mit der Singegemeinschaft alles am 12. Mai 2010. Acht Herren kamen damals zusammen, um einen Männerchor zu bilden. Hervorgegangen ist er aus einem Chor, den zuvor Felizitas Wicke und Christa Neubert in Zethau organisierten. Zu den Männern stießen schon sehr bald einige Frauen, und Ludwig Lorenz sorgte als ausgebildeter Musiker zunehmend für einen Qualitätssprung nach oben, integrierte Instrumente und schuf den "Sound" von Lyra. Große Konzertreisen könne man sich leider nicht leisten, so Joachim Schilling. Zweimal sei der Chor in Tschechien aufgetreten, was vor allem der "Grünen Schule grenzenlos" zu verdanken gewesen sei. Man wünsche sich schon mehr Unterstützung, sagt Schilling. Ärgerlich sei, dass die Gemeinde Mulda erst kürzlich eine Broschüre herausgegeben habe, in der die Singegemeinschaft keinerlei Erwähnung finde.

Entmutigen lassen sich die Mitglieder, die aus sechs verschiedenen Ortschaften kommen, durch die erzwungene Gesangspause nicht. Im Gegenteil. "Alle fragen an, wann es wieder los geht", berichtet Philip Arnold. So genau weiß das derzeit leider niemand. Aber dass es weiter geht, darüber gibt es keine zwei Meinungen. So hoffen die Sängerinnen und Sänger, das zehnjährige Jubiläum im Frühling nachholen zu können.

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