Solarworld: Der Letzte macht das Licht aus

Die Modulproduktion ist eingestellt, erste Ausstattung wird schon versteigert. Die Liste umfasst 700 Positionen - von Staplern über Monitore bis zu Fahrrädern. Endet Freibergs Solar-Zeitalter? Eine Hoffnung gibt es noch.

Die Produktion der Solarmodule an der Alfred-Lange-Straße in Freiberg ist ausgelaufen, die Stimmung der verbliebenen Mitarbeiter gedrückt. Weitere 120 wechseln nun in die Transfergesellschaft. Laut Insolvenzverwalter laufen aber noch Gespräche mit einem Interessenten zur Übernahme der Modulproduktion. Im Oktober, hieß es gestern, könnte darüber Klarheit herrschen, ob das Freiberger Solarzeitalter schon wieder Geschichte ist.

Für Sie berichtet: Frank Hommel

In der Telefonzentrale bei Solarworld in Freiberg nimmt schon kaum mehr jemand den Hörer ab. Das Freizeichen tutet bis zum Sankt Nimmerleinstag. Die Handynummer des einstigen Freiberger Firmensprechers führt ins Nirvana, ein Sprecher der Bonner Zentrale des Unternehmens arbeitet nicht mehr für Solarworld. Auflösungserscheinungen. Das Solar-Zeitalter in Freiberg begann 1994, als Bayer Solar 1994 die kleine Sparte des einstigen VEB Spurenmetalle übernahm und mit 19 Mitarbeitern startete. Es nahm Fahrt auf, als Solarworld im Jahr 2000 den Freiberger Standort kaufte. Nun scheint es zu Ende. Die Produktion der Solarmodule der insolventen Solarworld Industries ist wie angekündigt ausgelaufen.

Wie Mitarbeiter nun berichten, war es am Samstag soweit: Die letzten bestellten Materialien und Vorräte wurden aufgebraucht, die letzten Module gefertigt. Dann ging der Schalter für die Maschinen auf Aus. Gestern bestätigte Rechtsanwalt André Dobiey von der Kanzlei des Insolvenzverwalters Christoph Niering die Information auf Anfrage.

"Die Produktion wurde auf ruhend gestellt", sagte Dobiey. Seinen Worten nach wechseln nächste Woche rund 120 Mitarbeiter in die Transfergesellschaft. Sie folgen jenen 90 Solarwerkern, die bereits Anfang August in der Gesellschaft unterkamen. Die soll den Jobverlust finanziell abfedern, vor der Arbeitslosigkeit erst einmal bewahren und helfen, eine neue Stelle zu finden.

Rund 30 Mitarbeiter bleiben bis Jahresende bei Solarworld. Dobiey sprach von einem Abwicklungsteam. Dabei gehe es darum, Werkhallen und Anlagen zu säubern und herzurichten für den Fall, dass doch noch ein Investor den Schalter wieder auf "An" stellt. Ganz ausgeschlossen ist dieses Wunder gar nicht, versicherte Dobiey. Zumindest, was die Modulproduktion in Freiberg angeht. "Wir sind ja Berufsoptimisten", so der Anwalt. Ein Interessent habe sich als ernsthaft herausgestellt. Die Verhandlungen liefen, würden sich aber noch einige Wochen bis mindestens Oktober hinziehen. Dobiey: "Wir hoffen, dass wir das bis dahin hinkriegen." Bei den offenen Fragen gehe es um Themen wie den Preis für die Produktionsstätte. Aber auch die Finanzierung für einen möglichen Kauf müsse der Investor noch klären.

Interessenten gebe es nach wie vor auch für das Betriebsgelände in Hilbersdorf, in Solarworld-Sprache meist kurz nur "Igo" für Industriegebiet Ost genannt. Dort war zuletzt durchgesickert, dass ein Batteriehersteller seine Fühler ausgestreckt hat. Auch für die Hallen des thüringischen Solarworld-Standorts Arnstadt laufen Gespräche, sagte Dobiey. Dort werden die Anlagen der Solarzellenproduktion aber bereits demontiert. Dobiey: "Die Produktion wird dort nicht weitergeführt."

Freiberger Mitarbeiter berichten unterdessen, sie fühlten sich hingehalten. Zuletzt seien keinerlei Informationen mehr über ihre Zukunft oder den aktuellen Stand bei der Suche nach Investoren bei ihnen gelandet. So schwindet die Hoffnung unter der verbliebenen Belegschaft. Zumal es, wie eine Solarwerkerin der "Freien Presse" sagt, schwierig werden dürfte, die für die Anlagen nötigen Fachkräfte zu finden, wenn die bisherigen Spezialisten erst einmal neue Jobs gefunden und sich die Leute in alle Winde zerstreut hätten. Dass dieses Risiko besteht, ist dem Insolvenzverwalter bewusst, sagt Dobiey. Am vorläufigen Ende der Produktion wird nicht gerüttelt.

Immerhin bleiben die Anlagen der Modulproduktion vorerst vor Ort. Dagegen wird nun bereits jede Menge bewegliche Anlagen zu Geld gemacht. Die Leipziger Firma Waitz und Richter versteigert "im Namen und Auftrag der Berechtigten", wie es auf der Internetseite heißt, umfangreiche Betriebs- und Geschäftsausstattung der Solarworld Industries online. Mehr als 700 Positionen kommen zum Aufruf. Wer sich registriert, kann Angebote abgeben. Die Internet-Auktion läuft bis 21.September, am 18. September, also nächsten Dienstag, können die Gerätschaften von 10 bis 16 Uhr an der einstigen Freiberger Solarworld-Zentrale an der Berthelsdorfer Straße besichtigt werden.

Die meisten Positionen dürften vor allem für Gewerbebetriebe von Interesse sein. So wurden für einen Elektrostapler von Jungheinrich mit Mindestgebot 5500 Euro bereits vier Gebote hinterlegt. Auch ein umfangreiches Sortiment an Schweißgeräten, Industriesaugern, Roll- und Hubwagen, Regalen, Schutzanzügen, Werkbänken, Arbeitspulten und ähnlichem ist zu haben. Manches könnte aber ebenso in Privathaushalten Verwendung finden - zum Beispiel Fahrräder, Monitore, Werkzeugkisten.

Zur Auktion der Betriebs- und Geschäftsausstattung gelangen Sie über die Internetseite www.freiepresse.de/solarauktion.

8Kommentare
👍1👎2 Zeitungss 14.09.2018 @Juri: Wenn es der Sache dient, bin ich dabei. Mann schließ heute schon einmal eine Produktionsstätte, weil sie zuviel Gewinn abwirft und man nicht weiß wohin damit, habe ich dazugelernt. Warum das Produkt nicht mehr absetzbar war, schweigt man, an der Qualität wird es nicht gelegen haben. In Fernost ist man hell wach, dank deutscher Entwicklungen, es gäbe dazu viele Beispiele.
Was die Hilfsschule betrifft, wir hatten eine im Ort und die wurde auch so bezeichnet, auch wenn es heute nicht mehr schön klingt.
👍0👎0 Juri 14.09.2018 Der Höflichkeit halber: Die Argumente sind nicht ausgegangen. Offensichtlich hat nur kein Mensch Lust auf Ihre fruchtlosen Diskussionen. Gut möglich Sie haben den Eingangskommentar nicht (richtig) verstanden.
Und übrigens: In der DDR gab es keine Hilfsschulen. Alle die Menschen, die den sozialistisch geprägten Bildungsauftrag aus körperlichen, seelischen oder geistigen Gründen nicht erfüllen konnten, wurden in einer entsprechenden Sonderschule beschult. Der von Ihnen verwendete Begriff ist gut paar Jahre älter.
So nun sollten wir das Thema Solarworld, was Sie schon lange nicht mehr bedienen, beenden, wenn ich höflich bitten darf.
👍1👎2 Zeitungss 13.09.2018 @ ChWtr. WATT ist, die Argumente ausgegangenen ???? Schulmeistermanier oder dem Arbeitgeber verpflichtet ???? Es wäre ein Punkt, welcher zu klären wäre, was Sie mit Sicherheit nicht wollen. Meine Einwände stehen auf der Arbeitnehmerseite, was aus meinen bisherigen Beiträgen erkenntlich sein sollte, sonst komme ich doch wieder auf die Hilfsschule, welche das dort gebotene Lehrprogramm von Leuten nicht ansatzweise begriffen wurde. Sie dürfen wieder, wenn möglich, was die gegenwärtigen Strukturen rechtfertigt, aus Ihrer Stellung sich kein Problem. Ein paar Unterstützer sind inzwischen vorhanden, was für Sie Zuversicht schaffen sollte, die sind vermutlich aber auch nicht betroffen.
👍2👎2 Zeitungss 13.09.2018 @ChWtr:Zunächst ein Hinweis, ich habe leider kein Ross, weil ich es mir nicht leisten will. Wahrheit kling nicht immer gut, wie hier der Fall. Um die Kohle geht es also nicht, was in solchen Fällen wirklich neu wäre. In meiner Zeit als AN-Vertreter sind mir die Gedankengänge in Führungsetagen mit all seinen Auswirkungen bestens bekannt. Den kleinen Seitenhieb mit der Hilfsschule haben Sie nicht verstanden, ist auch nicht nötig. Wie es in solchen Fällen Arbeitnehmern geht, brauche ich nun wirklich keine Belehrung, ich kenne diese Szenarien bestens.
Ansonsten gehöre ich zu den Leuten, welche die Finger auch einmal in die Wunde legen, was mir meine Unabhängigkeit erlaubt und nicht immer gut ankommt dürfte schon ein Naturgesetz sein.
Gewinnen Sie diesem Zustand weiter etwas GUTES ab, auf der Gegenseite der Verlierer gibt es auch Gewinner, allerdings ist die Zahl überschaubar.
👍1👎3 ChWtr 13.09.2018 Völlig daneben, den Beitrag von Juri in dieser Art und Weise zu kommentieren. Schlaumeier? Nee, einfach nur Null Empathie, Null Einfühlungsvermögen.

Der Hinweis auf DDR Hilfsschulen zeigt, welches Geistes Kind Sie sind.

Leider überzieht dieser sogenannte "Vereinigungs-", oder besser Transformationsprozess die verbliebene ostdeutsche Industrie wie einen Grauschleier. Selbstverständlich gibt es Leuchttürme, die muss man jedoch suchen. Solarworld war so einer, wie viele andere auch.

In Schulmeistermanier andere Erfahrungen, hier der Kommentar und die Meinung von Juri zu beurteilen bzw. in der Art und Weise zu kommentieren, wie es getan wurde, zeugt von Eiseskälte.

Selbst der sinngemäße Hinweis auf die Binsenwahrheit "Kohle regiert die Welt..." ist hier völlig deplaziert.

Ich hoffe nicht, dass Sie ein Dozent sind (...)

Und, kommen Sie mal runter von Ihrem hohen Ross.
👍3👎3 Zeitungss 12.09.2018 @Juri, man kann das schon verstehen, wenn man weiß, in welcher Zeit man lebt.
Eine Hochschulausbildung oder gar Studium ist dafür nun wirklich nicht erforderlich. Hier regiert nur die Kohle, wurde zu finstersten Ostzeiten schon in Hilfsschulen (ja so wurden die damals bezeichnet) gelehrt und in der heutigen Zeit in die Tat umgesetzt. Wer es damals schon einigermaßen geschnallt hat, wusste, was außer der DM und der Reise- und "Meinungsfreiheit" so alles noch kommt, was wir inzwischen unseren Alltag nennen. Einfach mal nachdenken. Wenn Sie es anders sehen, ich höre gerne zu, ich bin auch nicht fehlerfrei.
👍7👎0 cuzco6170 12.09.2018 Ich höre noch wie in den Neunziger und Nullerjahren immer gesagt( besonders von grünen Politikern) wurde bei politischen Diskussionen welche Chancen es bei den erneuerbaren Industrien gibt.
Zumindest bei der Photovoltaik war das Jobwunder nur kurz aufgeblüht.
Ist schon traurig.
👍9👎1 Juri 12.09.2018 Das ist ein Desaster, was kein Mensch verstehen kann. Schon gar nicht der einfache, fleißige Bürger. Und auch der nicht, der durch solche Aktionen ins Leere geschossen wird. Und dass es weiter gehen könnte, das ist kein Berufsoptimismus, das ist einfach zynisch.
Das ist so würdelos. Es tröstet auch nicht, wenn man sich bewusst macht, dass der oder die, die die Würde anderer verletzen, auch seine eigene Würde verletzt.
Aber um das zu verstehen, muss man (nach)denken und das gelingt nur, wenn man nicht zuerst sich selber und seine Gier im Blick hat.
Kommentar schreiben