Solarworld: Transfergesellschaft rückt näher

Der Insolvenzverwalter hat gestern auf einer Mitarbeiterversammlung gesprochen. Vor Ort war auch die Arbeitsagentur.

Freiberg.

Ein Teil der verbliebenen Solarworld-Belegschaft am Standort Freiberg kann noch bis längstens Mitte September in der Produktion verbleiben, um Aufträge zu erfüllen und bestellte Materialien zu verarbeiten. Die übrigen müssen bis Montag entscheiden, ob sie in eine Transfergesellschaft eintreten. Das berichten Teilnehmer einer Betriebsversammlung in Freiberg, bei der Insolvenzverwalter Christoph Niering den Fortgang des Verfahrens schilderte. Der Rechtsanwalt aus Nordrhein-Westfalen hatte bereits nach der Gläubigerversammlung in der vergangenen Woche angekündigt, dass vom Arbeitsplatzverlust betroffene Solarworld-Beschäftigte in Freiberg und Arnstadt/Thüringen zum 1. August in zwei Transfergesellschaften wechseln könnten.

Die Agentur für Arbeit Freiberg war gestern mit rund einem Dutzend Mitarbeitern unter Leitung ihres Geschäftsführers für Operatives, Jens Burow, bei den Solarwerkern auf dem Saxonia-Gelände. "Wir haben unsere Dienstleistungen vorgestellt und Beratungen angeboten", bestätigte Silke Steinkampf am Nachmittag. Wie die Agentursprecherin weiter sagte, sei es "ureigenste Aufgabe, für die Menschen da zu sein und dafür zu sorgen, dass sie neue Beschäftigungsmöglichkeiten finden".

Laut Jens Uder vom Betriebsrat ist die Stimmung unter den Kollegen "alles andere als erfreut". Die Mitarbeiter seien gebrannte Kinder, erinnerte der Vorsitzende der Arbeitnehmervertretung an die vorangegangenen Turbulenzen bei dem Photovoltaik-Konzern. Wie bereits bei der Insolvenz von Solarworld 2017 soll die Transfergesellschaft den Verlust der Arbeitsplätze für die Betroffenen abfedern und Fortbildungen organisieren - während die Bezüge der Beschäftigten deutlich über dem liegen, was sie an Arbeitslosengeld bekommen würden. Den entsprechenden Mitarbeitern sind dazu die Vertragsentwürfe überreicht worden, so die Teilnehmer der Sitzung. Wer das Angebot, in die Transfergesellschaft überzutreten, nicht annehme, dem drohe die alsbaldige Kündigung. Grundsätzlich sei eine Transfergesellschaft keine schlechte Sache, so ein Mitarbeiter. Man müsse ja schauen, dass es irgendwie weitergehe. "Und dabei zählt jeder Monat."

Ungeachtet dessen laufen offenbar weiter Bemühungen, Investoren zu finden. So habe der Insolvenzverwalter den Beschäftigten von zwei ernsthaften Interessenten an dem Firmengelände berichtet, so die Teilnehmer. Offen sei geblieben, ob diese Interessenten auch die Solarmodulfertigung in Freiberg weiter betreiben möchten. Niering selbst hat gestern bis Redaktionsschluss nicht auf Fragen der "Freien Presse" zur Versammlung geantwortet.

Für die Solarwerker geht nach der Sitzung die Hängepartie weiter, berichten die Teilnehmer. Einerseits sind die Kollegen inzwischen schon derartige Sitzungen gewöhnt. Aber die Lage zwischen Hoffen und Bangen sei doch nervenaufreibend, heißt es. Und so habe sich mancher von der heutigen Versammlung Klarheit erhofft: Entweder das Sig-nal, dass es weitergehe, dass doch ein Investor einspringe. Oder aber die Botschaft, dass es nun definitiv vorbei sei - nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Die Solarworld Industries GmbH hatte am 28. März dieses Jahres beim Amtsgericht Bonn die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.

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