Spanisch gleich noch mal so schön

Die drei deutschstämmigen Spanischlehrerinnen am Brander Cottagymnasium haben Verstärkung bekommen: Andrea García Molero aus Madrid hilft als Sprachassistentin.

Brand-Erbisdorf.

Aussuchen konnte sich Andrea García Molero ihren Einsatzort in Deutschland nicht, aber es gefiel ihr auf Anhieb in Mittelsachsen. Die schöne Aussicht auf die Felder um die Schule sei ihr gleich aufgefallen, sagt sie. Die Kollegen seien sehr freundlich und die Kinder, findet sie, arbeiteten ungewöhnlich gut mit.

Der Neuzugang ist ausgesprochen beliebt am Bernhard-von-Cotta-Gymnasium: die Schüler fühlten sich richtig geehrt, wenn Frau García zu ihnen in die Klasse kommt, sagt auch Spanischlehrerin Regina Leon. Die erfahrene Pädagogin überrascht das wenig. "Sie macht ja die spaßigen Sachen, und wir dann den Rest", scherzt sie. Denn Hausaufgaben und Notenvergabe bleiben weiterhin den Lehrerinnen überlassen. Als Muttersprachlerin könne García aber vieles ergänzen oder korrigieren, was den deutschstämmigen Lehrerinnen entgeht, erklärt Leon. Außerdem sei es ein unschätzbarer Vorteil für die Schüler, regelmäßig eine Muttersprachlerin zu hören und sich so an Rhythmus und Geschwindigkeit der Sprache zu gewöhnen. Durch den ständigen Kontakt mit der Kultur habe Garcías Wissen, das den Pädagoginnen manchmal fehle, erklärt Leon.

Viele Vokabeln und umgangssprachliche Wendungen, die Leon und ihre Kolleginnen an der Universität gelernt haben, sind mittlerweile veraltet. Vokabeln aus der Technik und Social Media finden sich außerdem häufig weder im Wortschatz der Lehrerinnen noch im Lehrbuch oder im Nachschlagewerk. Mit Garcías Hilfe können die Schüler nun lernen, wie sie auf Spanisch von den Dingen reden, mit denen sie sich jeden Tag beschäftigen.

Das ist besonders wichtig für die Klassen zehn und elf, denn deren Abiturvorbereitung leidet im Lockdown. Jetzt können sie durch die Sprachassistenz gezielt gefördert werden: García ist in diesen Klassenstufen in jeder Unterrichtsstunde dabei und übt vor allem Gesprächssituationen.

Mit den jüngeren Kindern mache sie viele Spiele, um Lehrinhalte zu vermitteln, berichtet die Spanierin. Mit einer sechsten Klasse ließ sie beispielsweise Schülerinnen und Schüler Vokabeln pantomimisch darstellen, zeichnen, beschreiben oder übersetzen. So prägen sich die neuen Worte gleich gut ein. Ein andermal sprach die achte Klasse gerade über Madrid. Dafür war García natürlich genau die Richtige: Sie beantwortete Fragen zu ihrer Heimatstadt und stellte den Schülern berühmte Orte und regionale Spezialitäten in Form eines Ratespiels vor. Auch für die Spanierin ist die Stelle eine wichtige Übung: Im kommenden Jahr möchte sie ihre letzte Prüfung ablegen, um in Spanien als Englischlehrerin arbeiten zu dürfen. Für sie ist die Sprachassistenz in Brand-Erbisdorf eine Chance, ihre pädagogischen Fähigkeiten auf die Probe zu stellen. Natürlich möchte sie auch ihr Deutsch verbessern. Seit sechs Jahren lernt sie die Sprache, aber mit ihren Mitbewohnern in Freiberg sei die Verständigung noch etwas holprig, sagt García.

Vom öffentlichen Leben in Deutschland bekommt sie nun nicht allzu viel mit. Das ist schade, aber zu tun gibt es genug für García, denn die Vorbereitung der Unterrichtseinheiten ist nicht einfach. Im Präsenzunterricht galt es, die Abstandsregeln zu bedenken. Nun steht auch García vor den Herausforderungen des Online-Unterrichts. Auch hier wird sie die Lehrerinnen unterstützen und außerdem Konversationsunterricht mit einzelnen Schülern machen. Das hat mit Klassen in Quarantäne bereits gut geklappt, sagt Kollegin Anna Schmidt. Des Weiteren hilft García bei der Entwicklung von interaktiven Aufgaben und bei den Rückmeldungen zu den Aufgaben der Schüler.

Mit der letzten Sprachassistentin - für den Russischunterricht - habe es nicht allzu gut geklappt, erzählt Leon. Umso mehr freue man sich, dass es die Schule nun mit García so gut getroffen habe. Bis Mai wird die junge Spanierin noch bleiben - sie hofft aber, die Weihnachtstage in der Heimat verbringen zu können.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.