Sparkassen-Aus: Großschirmaer und Rechenberger suchen Lösung

Die Einwohner wehren sich gegen die Schließungen ihrer Filialen. Ob der Protest von Erfolg gekrönt ist, bleibt aber offen. Zumindest drängen die Kommunen auf Kompromisse.

Großschirma/Rechenberg-Bienenmühle.

Die Proteste gegen die Schließung von 16 Filialen der Sparkasse Mittelsachsen weiten sich aus. Zugleich ringen die betroffenen Kommunen um Alternativen. So haben die Großschirmaer Stadträte am Montag beschlossen, dass die Räume im historischen Siebenlehner Rathaus der Sparkasse zunächst zwei Jahre lang mietfrei zur Verfügung gestellt werden, damit ein Geldautomat erhalten bleibt. Zudem will die Kommune eventuell anfallende Kosten anteilmäßig übernehmen. Dies teilt Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP) auch Sparkassen-Vorstandschef Hans-Ferdinand Schramm per Schreiben mit.

Das Thema war aufgrund einer Initiative der Abgeordneten von "Lebenswerte Stadt" kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt worden. "Die Nachricht, dass die Sparkassenfiliale in Siebenlehn geschlossen werden soll, hat in unserem Ortsteil wie eine Bombe eingeschlagen", sagte Stadtrat Herbert Grahl. Der Ortschaftsrat habe sich daraufhin sofort an Bürgermeister Schreiter, Landrat Matthias Damm (CDU) und Sparkassenchef Schramm gewandt. Mehr als 900 Einwohner, auch aus Reinsberg, Bieberstein, Reinsberg und anderen umliegenden Orten, unterzeichneten laut Grahl bisher die Unterschriftenlisten gegen das Aus der Filiale. "Unser Markt mit seinen Geschäften ist städtisch angelegt. Das nutzen viele Leute aus der Umgebung", so Grahl. "Viele heben Bargeld ab und gehen dann einkaufen."

Laut Stadträtin Susan Ralle (SPD/Grüne) haben bisher an der Befragung zu Bankdienstleistungen, die die Stadt online veröffentlichen will, mehr als 70 Leute teilgenommen. Es gebe die Befürchtung, dass den Händlern in Siebenlehn nach Schließung der Filiale die Laufkundschaft ausbleibt. Zudem seien viele Bürger so mit der Sparkasse verwurzelt, dass sie sagten: Wir wechseln die Bank oder gehen zur Sparkasse nach Nossen. Besonders hart treffe das Sparkassen-Aus die Generation 60plus. "Die Hälfte von ihnen weiß nicht, was sie machen soll. Sie sind völlig verzweifelt. Manche wollen sogar wegziehen", so Ralle.

Vize-Bürgermeisterin Margot Schleicher (Freie Liste Reichenbach-Seifersdorf) berichtete, dass Sparkassenchef Schramm in einem Gespräch signalisiert habe, dass er für alle Vorschläge offen sei. Laut Vize-Bürgermeister Rolf Weigand (AfD) sollte auch das Aufstellen eines bankenunabhängigen Bankautomaten geprüft werden.

In Rechenberg-Bienenmühle regt sich gegen die Schließungspläne der Sparkasse genauso Widerstand. Denn macht die Filiale zum Jahresende dicht, können die Einwohner nicht einfach zur Konkurrenz wechseln. Die VR-Bank hatte sich vor gut zwei Jahren zurückgezogen und ihre Filiale in Bienenmühle geschlossen. Die Sparkasse ist somit das einzig verbliebene Geldinstitut im Ort. Wie damals versuchen die Erzgebirger, das Ruder herumzureißen. 2017 scheiterten sie mit einer Unterschriftenaktion zum Erhalt der VR-Bank-Filiale. Jetzt hoffen sie, mit einer Online-Petition auf mehr Erfolg.

Bis zum gestrigen Mittwoch hatten sich auf der Internet-Plattform change.org 185 Frauen und Männer gegen eine Filialschließung ausgesprochen. "Viele Einwohner sind ohne die einzige Bank im Ort völlig überfordert, ratlos und enttäuscht", heißt es zur Begründung. Besonders viele Ältere seien ohne den persönlichen Kontakt nicht mehr in der Lage, selbstständig ihre Bankgeschäfte zu tätigen, schreiben die Initiatoren weiter. Worte, die Bürgermeister Michael Funke (parteilos) nachvollziehen kann. Die nächsten Bankfilialen sind im 10 Kilometer entfernten Frauenstein und im 15 Kilometer entfernten Neuhausen. Das Thema hat schon allein deshalb Brisanz, wie er findet. Zugleich macht Funke deutlich, dass er sich mehr Resonanz auf die Petition wünscht.

Als ihn die Nachricht vom Aus der Bankfiliale erreichte, suchte er das Gespräch mit dem Sparkassenchef und dem Landrat. "Es ist enttäuschend, dass die letzte Bank in unserer Gemeinde schließt." Die Verhandlungen bezeichnet er als hart. Dass die Sparkasse von ihren Schließungsplänen abrückt, daran glaubt der Gemeindechef nicht. Deshalb gelte es, das Bestmögliche für die Einwohner zu erreichen. Sein Ziel: "Wir brauchen einen Geldautomaten im Ort, auch, weil wir viele Touristen haben, die zum Beispiel Geld für den Lift brauchen."

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