Spatenstich als neues Berggeschrey

Für das Technikum des Helmholtz-Instituts Freiberg wurde gestern der erste Spatenstich vollzogen. Geht es nach den Verantwortlichen, ist dies nur ein Zwischenschritt.

Freiberg.

Was früher in der Freiberger Region das Berggeschrey war, ist heutzutage offenbar der Spatenstich für eine neue Halle. So stellte es zumindest Sachsens Kunst- und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange gestern Mittag fest, als sie zum offiziellen Baubeginn des neuen Metallurgie-Technikums des Helmholtz-Instituts Freiberg (HIF) an die Chemnitzer Straße gekommen war. Sie kam nicht mit leeren Händen, denn sie übergab den beiden Direktoren des Instituts, Professor Markus Reuter und Jens Gutzmer, den Förderbescheid ihres Ministeriums für das Vorhaben.

10,2 Millionen Euro wird das Projekt kosten, den Großteil finanziert mit 9,8 Millionen Euro die Europäische Union, den Restbetrag steuert der Freistaat bei. Für das Geld entsteht bis voraussichtlich Mitte 2021 eine zwölf Meter hohe Versuchshalle mit einem 15 Meter hohen Kopfbau, in dem Funktionsräume untergebracht sind. Auf rund 950 Quadratmetern werden in der Versuchshalle Anlagen und Geräte für die gesamte Bandbreite metallurgischer Forschung, von der Pyrometallurgie bis zur Hydrometallurgie, worunter wärmegeführte beziehungsweise wassergebundene Prozesse zu verstehen sind, aufgebaut. Weitere 110Quadratmeter sollen als Lagerfläche dienen.

"Mit einem Spatenstich beginnt die Zukunft", formulierte es Professor Roland Sauerbrey, Wissenschaftlicher Direktor des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf, zu dem das HIF gehört. Ziel ist es, die Forschungen zur nachhaltigen Gewinnung und zum Recycling strategischer Wertstoffe weiter auszubauen. Die enge Kooperation des Helmholtz-Instituts mit der TU Bergakademie bezeichnete der Direktor als einen großen Gewinn für beide Seiten.

Darüber hinaus wollen die Forscher ein weiteres Ziel erreichen. "Und zwar die Digitalisierung der Prozesse, die bis jetzt noch nicht vollständig ist", erläutert Professor Markus Reuter. "Wir wollen Visionen umsetzen, die darüber hinaus wirtschaftlich weltweit relevant sind."

Ministerin Stange verdeutlichte, dass ihr die Herausforderungen auf dem Gebiet der Ressourcentechnologie bewusst sind. "Es geht dabei nicht nur um die Ressourcen, die jetzt noch ungenutzt in der Erde liegen", sagte sie, "sondern besonders auch um die, die sich bereits im wirtschaftlichen Kreislauf befinden." Das seien beispielsweise jene Seltenen Erden und Metalle, die heutzutage schon jeder in seinem Smartphone mit sich herumtrage und die später immer noch nutzbar sind. Sie sei froh, dass 2011 das Helmholtz-Institut gerade hier in Freiberg eröffnet worden ist, da die Zusammenarbeit mit der TU Bergakademie große Vorteile mit sich bringe.

"Eine flammendere Rede für den Wissenschaftsstandort Freiberg hätte man kaum halten können", freute sich TU-Rektor Klaus-Dieter Barbknecht. Doch könne das neue Technikum nur ein Zwischenschritt sein, dem weitere folgen müssen. "Insofern wird es tatsächlich ein Berggeschrey geben", sagte er halb scherzend. "Wir werden nämlich schreien, dass wir noch mehr Geld benötigen."

Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) sieht das ähnlich. "Wir sind in guten Gesprächen, an diesem Standort Erweiterungsmöglichkeiten zu haben."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...