Spezialtest für Talsperre und Gimmlitz

In Lichtenberg ist viel für den Hochwasserschutz getan worden. Nun soll sich zeigen, wie viel Wasser die Talsperre abgeben kann, ohne dass der Ort Schaden nimmt.

Lichtenberg.

Theoretisch ist alles klar: Maximal 9000 Liter Wasser in der Sekunde können aus der Talsperre Lichtenberg die Gimmlitz hinunter fließen, ohne dass Gebäude entlang des Flusses im Ort zu Schaden kommen. Am morgigen Samstag nun wollen Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung, Lichtenberger Feuerwehr und Gemeindevertreter prüfen, ob die theoretischen Berechnungen der Praxis wirklich standhalten.

Normal werden aus der Talsperre zwischen 6500 und 7000 Liter Wasser in der Sekunde in die Gimmlitz geleitet, wie Frank Hunger, Betriebsleiter Freiberger Mulde/Zschopau in der Landestalsperrenverwaltung (LTV), erklärt. Gemessen wird der Pegel etwa fünf Kilometer flussabwärts auf Höhe des Lichtenberger Gemeindeamtes. Damit werde auch das Wasser erfasst, was aus Seitentälern in die Gimmlitz zufließt. Über eine Online-Verbindung können die Pegelstände an der Stauanlage abgerufen werden. Am Samstag nun wird ein sogenannter Abflusstest - der erste dieser Art an der Talsperre Lichtenberg - etwa zwischen 6.30 und 15 Uhr durchgeführt, sagt Frank Hunger. Im Laufe des Tages und des Tests soll die Wasserabgabe aus der Stauanlage in die Gimmlitz schrittweise erhöht werden, um bis auf die maximale Abgabe von 9000Liter je Sekunde zu kommen.


Nach der Flut 2002 und nochmals 2013 wurden die Schäden an der Gimmlitz beseitigt und der Hochwasserschutz verstärkt. "Mit den Erfahrungen der zwei Ereignisse und dem jetzigen Hochwasserschutz haben wir in einem 2-D-Modell berechnet, dass diese 9000 Liter Wasser in der Sekunde aus der Talsperre maximal abgegeben werden können. Die neuralgischen Punkte im Ort haben wir am Samstag im Auge. Wenn er sich bestätigt, kann der Schutz für Lichtenberg weiter verbessert werden", erklärt der Fachmann. Im Falle eines Hochwassers ließe sich dann die Wasserabgabe aus der Stauanlage bis auf die berechnete Menge erhöhen. Das wiederum bedeute, dass sich der freie Hochwasserschutzraum in der Talsperre, er umfasst 3Millionen Kubikmeter, langsamer anstauen ließe. Er stehe somit länger zur Verfügung.

"Wenn der Test funktioniert, werden danach für Lichtenberg Risiko- und Gefahrenkarten erstellt. Außerdem passen wir den Betriebsplan der Talsperre an", nennt Hunger das Ziel.

In Lichtenberg sieht man die Aktion positiv. "So kann am besten Skepsis abgebaut werden", bringt es Bürgermeisterin Steffi Schädlich auf den Punkt. Denn Lichtenberger, die direkt an der Gimmlitz wohnen, seien aufgrund ihrer Hochwasser-Erfahrungen misstrauisch.

Die LTV habe der Gemeinde den Vorschlag für den Test unterbreitet. Die Bedingung der Gemeinde sei gewesen, ihn an einem Samstag durchzuführen, wenn möglichst viele Einwohner zu Hause sind und alles selbst beobachten können. Sie seien informiert worden. Feuerwehr und Gemeindevertreter sind am Samstag ebenso wie LTV-Vertreter dabei - 12 Stationen im Ort stehen laut Schädlich besonders unter Beobachtung. "Sobald Schäden an Gebäuden entstehen, wird der Test abgebrochen. Das heißt nicht, dass nicht mal ein Garten oder eine Wiese unter Wasser stehen können", so die Bürgermeisterin. Zudem wird laut Hunger deutlich, ob die Rückstausysteme auf den Grundstücken entlang der Gimmlitz funktionieren.

Für den Test wurde die Talsperre Lichtenberg durch Überleitung von Wasser aus der Talsperre Rauschenbach extra angestaut. Etwa 11 Millionen Kubikmeter beträgt der Stauinhalt derzeit. Insgesamt sollen am Samstag etwa 250.000 Kubikmeter Wasser aus der Talsperre abgelassen werden.

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