Spielen und Lernen in kleinen Gruppen

Viele Eltern müssen Kinder zu Hause betreuen, weil Schulen und Kitas geschlossen sind. Mütter und Väter, die im Gesundheitswesen, bei Versorgern und in anderen Berufen unabkömmlich sind, können sie zur Notbetreuung bringen. Wie es läuft, wollte die "Freie Presse" wissen.

Freiberg/Rochlitz.

"Es ist relativ ruhig", schätzt nicht nur Roswitha Beidatsch, Leiterin der Kita Montessori, die beiden Wochen der Notbetreuung in der Freiberger Einrichtung ein. Ein Kind war am Donnerstag im Haus. Ähnliches berichtet Erzieherin Jaqueline Flick aus der städtischen Kita im Oederaner Ortsteil Breitenau. "Wir haben vier bis fünf Kinder hier", heißt es aus Lunzenau von Andrea Blümel, Leiterin der Kita des DRK Rochlitz. Die rechtzeitige Information über die Schließung habe den Eltern geholfen, sich um Betreuungen zu kümmern oder sie selbst zu leisten. "Wichtig ist die Hilfe für Mütter und Väter, die in ihren Berufen jetzt besonders für unser Wohl sorgen, wir sind ja auch froh, wenn wir Hilfe zum Beispiel im Krankenhaus bekommen", bringt es Roswitha Beidatsch auf den Punkt.

In der Kita des Kinderschutzbundes in Freiberg wurden am Donnerstag 14 Kinder betreut, sagte Sylvia Fritzsch von der Kitaleitung. Tendenziell würden etwas mehr Kinder gebracht als vergangene Woche.

Während die Kinder natürlich die angespannte Situation bemerkten, würden sie laut Jaqueline Flick auch die individuelle Zuwendung genießen. Das trifft ebenso für die wenigen Grundschüler zu, die in Schule und Hort ihren Tag verbringen. Fünf bis zehn Kinder erledigen beispielsweise in der Freiberger Günzel-Grundschule die von Lehrern vorbereiteten Aufgaben. Bewertungen gibt es laut Schulleiterin Nicole Ebert dafür nicht. Sie spricht den Eltern Dank aus dafür, dass die Kinder zu Hause lernen.

"In der nächsten Woche werden sicher mehr Kinder kommen, da die Beschränkungen für weitere Berufsgruppen gelockert wurden", blickt Rolf Linke, Vorstand im DRK-Kreisverbandes Hainichen, voraus. Das DRK betreibt auch die Hainichener Kita Storchennest, in der nun etwa zehn Kinder betreut werden. Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger äußert sich zufrieden, wie es mit der Notbetreuung läuft. "Es gab wenige Fälle, wo in Absprache mit Arbeitgeber und Eltern Lösungen gefunden werden mussten." Er fügt an: "Es ist nach wie vor kritisch, dass die Liste der systemkritischen Betriebe Lücken aufweist." Das reiche vom Bestattungswesen über Störfallbetriebe, die permanent besetzt sein müssten. Hier müsse im Zweifel für die Sicherheit entschieden werden. Zu bedenken sei auch, dass Leute Ausweise wegen Kontrollen benötigten, aber Fotografen dürften nicht öffnen. Man sei auf der Suche nach pragmatischen Lösungen.


Notbetreuung: Mehr als 600 Kinder in Kita und Hort

Eltern, die in sogenannten systemrelevanten Berufen tätig sind, können nach wie vor ihre Kinder in einer Einrichtung betreuen lassen. Im Landkreis Mittelsachsen werden so nach jüngsten Angaben des Landratsamtes rund 630 Kinder notbetreut. Rund 620 besuchen eine Kita oder einen Hort, 10 werden von einer Tagesmutter betreut. Wie viele Mädchen und Jungen eine Notbetreuung in allgemeinbildenden Schulen in Anspruch nehmen, wurde nicht erhoben. Laut einer Allgemeinverfügung des Freistaates ist die Personengruppe, die einen Anspruch auf Notbetreuung ihrer Kinder hat, eng begrenzt. Zu den systemrelevanten Berufen gehören unter anderem Gesundheits- und Pflegeberufe sowie die Polizei. Es zählen auch Angestellte von Banken sowie Beschäftigte in der Landwirtschaft, der sicherheitsrelevanten IT-Infrastruktur dazu. Ein Anspruch auf die Notfallbetreuung liegt auch vor, wenn nur ein Elternteil  in Gesundheits- und Pflegeberufen oder bei der Polizei  tätig ist. (jl)


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