Sprache ist nach wie vor Hauptproblem

Die rund 400 Besucher der Integrationsmesse in Freiberg informierten sich vor allem über Ausbildungs- und Jobangebote. Doch nicht alles konnte geklärt werden.

Freiberg.

Eins ist auf der zweiten Integrationsmesse des Landkreises am gestrigen Mittwoch im Freiberger Deutschen Brennstoffinstitut aufgefallen: Die rund 400 Flüchtlinge, die laut Veranstalter die Messe besuchten, zeigten meist großes Interesse an den 54Ausstellern. Gerade die Infostände der 26 Unternehmen waren oft dicht umlagert.

Auch Grace aus Kenia, jetzt in Hainichen, und Aphia aus Ruanda, die in Dresden lebt, schauten sich um. Die 21-jährige Grace lernt in der zehnten Klasse des Freiberg-Kolleg. "Ich will Journalistin werden", sagte sie. Die Messe gefalle ihr - allerdings habe sie nichts Passendes gefunden. Ähnlich ging es ihrer Mitschülerin Aphia. Die 18-Jährige will Jura studieren. Jetzt sucht sie aber erst einmal nach einem Ferienjob. "Die Messe hat ein schönes Flair, aber leider ist für mich nichts dabei", sagte sie.


Ein Syrer hatte gehofft, dass er eine Lehrstelle erwischt. "Aber wenn ich den Standbetreuern tiefergehende Fragen gestellt habe, wussten die oft keine Antwort", bedauerte er. Ramona Noetzel ist die Leiterin der Stabstelle Ausländer- und Asylangelegenheiten im Landratsamt. Sie sagte: "Für Bewerbungsgespräche ist die Messe nicht geeignet." Vielmehr gehe es um eine Kontaktaufnahme und um einen ersten Eindruck über die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten und die große Bandbreite von Berufen. Laut Noetzel sagen viele Flüchtlinge, dass sie gleich arbeiten wollen und verstehen das hiesige Berufsausbildungssystem nicht. "Da ist viel Überzeugungsarbeit nötig", so Noetzel. Zudem fehlten oft die Zertifikate aus dem Heimatland.

Die Sprache ist das A und O. Das betont Antje Schubert von der Freiberger Arbeitsagentur. Von Januar bis Mai seien 203Flüchtlinge integriert worden: 154 kamen auf dem ersten Arbeitsmarkt unter, 9 gingen in die berufliche Selbstständigkeit und 40 begannen eine Ausbildung. 2018 wurden insgesamt 193 Flüchtlinge in Arbeit vermittelt. Im Mai 2019 waren 49Bewerber für eine Berufsausbildung gemeldet - 8 mehr als im Mai 2018.

Voriges Jahr hatte die Messe über 500 Besucher gezählt. "Diesmal ist es aber besser organisiert. Die Schüler wurden gestaffelt eingeladen", so Landtagsabgeordnete Jana Pinka (Linke) aus Freiberg.


Ausstellerin: "Richtige Ausbildung schmackhaft machen"

Mahmud (26, Foto) aus dem Nordirak lebt seit vier Jahren in Deutschland und besucht in Freiberg einen Sprachkurs. "Ich will etwas machen, was mit Physik und Mathe zu tun hat wie Steuerberater." Die Messe fand er gut. "Aber wegen mehr Infos werden wir in die Betriebe gehen, von denen wir Unterlagen erhielten."

Hemen (19, Foto) ist Mahmuds Bruder, seit sechs Jahren in Freiberg und am Freiberg-Kolleg. Er wartet gerade auf das Ergebnis der B2-Sprachkundigenprüfung. "Ich suche eine Ausbildung im Metallbereich, will mit den Händen arbeiten."

Sandy Inckemann (Foto), die Assistentin des Hotelmanagers des Hotels am Schlosspark in Lichtenwalde, zeigte sich zufrieden. Mehrere Flüchtlinge gaben ihre Bewerbungen bei ihr ab. Drei Syrer suchten beispielsweise für 2020 einen Job ohne Ausbildung. "Allerdings haben viele keinen Schulabschluss, einer war nur vier Jahre in der Schule. Sie bevorzugen eine Tätigkeit als ungelernte Kraft im Servicebereich", so Inckemann, die versuchte, den Flüchtlingen eine Ausbildung schmackhaft zu machen.

Corinna Deißenbeck (Foto), Filialleiterin des Freiberger Backsalons der Bäckerei Schmieder, im Bild mit Lebenspartner Ronny Schmieder, einem der beiden Juniorchefs der Bäckerei in Frauenstein, kredenzte Baguettes. Viele Syrer und Eritreer gaben bei ihnen ihre Bewerbungsunterlagen ab. "In der Backstube geht es früh los, Busse fahren da nicht. Aber Wohnungen gibt es in Frauenstein", so Corinna Deißenbeck.

Abdo Laila (35, Foto), der 2015 aus Syrien kam, ist seit zwei Jahren bei Regiobus Mittelsachsen in Mittweida tätig. In Syrien arbeitete er eigenen Angaben zufolge in einer Bank. Jetzt rollt er mit dem Bus durch Mittelsachsen. "Es macht sehr viel Spaß", so der zweifache Vater. Inzwischen verstehe er sogar sächsisch.

Volker Steinert (Foto), Azubi-Betreuer im Regiobus-Betriebshof Mittweida: "Wir haben im Unternehmen auch einen jungen Afghanen, der nach einer sechsmonatigen Probearbeit in der Ausbildung ist und bereits die Omnibus-Prüfung bestanden hat." Es laufe gut. (hh)

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