Stadt Freiberg wirft Auge auf Tivoli

Die Ungewissheit hat ein Ende: Solarworld-Chef Frank Asbeck plant, das traditionsreiche Ball- und Konzerthaus abzustoßen. Damit es eine Zukunft für die Kultureinrichtung gibt, springt nun die Stadt in die Bresche.

Bilder wie diese gehören weiterhin dazu: Keimzeit sorgte im Dezember vorigen Jahres mit rund 800 Fans für ein volles Haus.
Der Haupteingang des 1902 eröffneten Tivolis an der Dr.-Külz-Straße. Auch in Zukunft werden im Inneren rauschende Feste gefeiert.

Für Sie berichtet: Alexander Christoph

Seit der Pleite von Solarworld ranken sich Gerüchte um das Freiberger Tivoli. Auch das traditionsreiche Konzert- und Ballhaus stehe vor dem Aus, heißt es beispielsweise. Denn seit 2002 gehört die Kultureinrichtung Solarworld-Chef Frank Asbeck privat. So schlimm wird es nicht kommen. Ein Rückzug des ehemals als Sonnenkönig bezeichneten Unternehmers steht jedoch bevor. Als Käufer der Immobilie tritt die Stadt Freiberg auf den Plan. "Wir stehen mit der Familie Asbeck wegen der Zukunft des Tivoli in Kontakt", sagt Oberbürgermeister Sven Krüger auf Nachfrage.

"Wir hatten gehört, dass das Tivoli möglicherweise vor der Schließung steht", erklärt der SPD-Politiker. Der Verlust dieser Institution, die weit über die Stadtgrenzen hinaus Strahlkraft besitzt, wäre allerdings eine Tragödie für Freiberg. Daran lassen die Worte von Sven Krüger keinerlei Zweifel aufkommen. "Das traditionsreiche Haus bestimmt seit Jahrzehnten das kulturelle Leben in der Region", bemerkt der Oberbürgermeister.

In der Tat standen hier bereits zahlreiche namhafte Künstler auf der Bühne: Etwa die Fantastischen Vier, Keimzeit, die Toten Hosen und die Puhdys, die hier fast zum Inventar gehörten. Nicht zu vergessen: Comedians wie Olaf Schubert. Neben diesen Konzerten und Auftritten werden im Tivoli Bälle gefeiert -sei es zum Karneval oder zum Schulabschluss.

"Es hat das Leben und vor allem die Jugend vieler hier beheimateter Menschen mit geprägt", fährt Sven Krüger fort. Zwar unterstreicht das Stadtoberhaupt mehrfach die Bedeutung des Tivoli für Freiberg, Details zu den Verhandlungen mit der Familie Asbeck nennt er indes keine. Die Gespräche seien vertraulich, begründet er sein Vorgehen.

Und so bleibt zunächst offen, bis wann alles in trockenen Tüchern sein könnte, wie hoch der Kaufpreis ist, wer das Haus künftig betreiben soll und ob womöglich ein weiterer Geschäftspartner mit an Bord ist. Außerdem ist unklar, was aus dem Bürgerkraftwerk wird. Auf dem Dach des Bühnenhauses ist eine Photovoltaikanlage montiert. Nur eine Sache lässt OB Krüger noch durchblicken: "Investitionsbedarf besteht natürlich auch."

Der Betrieb im Konzert- und Ballhaus läuft indessen ohne Einschnitte weiter. Mehrfach die Woche finden Veranstaltungen statt. Auch für kommendes Jahr und sogar für 2020 sind nach Angaben von Tivoli-Chef Roland Säurich bereits Künstler gebucht und Verträge unterzeichnet. "Auch der Kartenvorverkauf läuft." Das Restaurant ist ebenfalls geöffnet. Gerüchten, dass seiner Crew gekündigt worden sei, tritt der Freiberger entschieden entgegen. "Nein, das ist nicht der Fall", betont Säurich. Neben 16 Festangestellten zählen annähernd 70 Aushilfskräfte, in erster Linie Studenten, zum Mitarbeiterstamm.

Kommentar: EineHoffnung

Das Tivoli ist eine Institution. Hier wird seit Jahrzehnten gefeiert, gerockt, getanzt und getagt. Doch, ob das auf absehbare Zeit so bleiben wird, war zumindest seit der erneuten Pleite von Solarworld mehr als fraglich. Was macht Konzernlenker Frank Asbeck mit dem Haus? Diese Frage stellten sich nicht wenige. Eine Antwort darauf erhielt man bisher keine. Nur Gerüchte kursierten. Nun herrscht Klarheit: Die Kultureinrichtung soll verkauft werden. Und als Retter in der Not springt die Stadt Freiberg ein. Ob das zu einem Vertragsabschluss kommt, ist zwar nicht gesagt. Letztlich reden die Stadträte bei der Entscheidung ein gewichtiges Wort mit. Da augenscheinlich eine nennenswerte Summe investiert werden muss, könnte dies den ein oder anderen abschrecken. Auch die Höhe des Kaufpreises dürfte eine Rolle spielen. Doch die Vorzeichen stehen gut: Schließlich ist den Stadträten die Bedeutung des Tivoli bewusst. Hört man sich um, begrüßen viele den Vorstoß von OB Krüger, wenige sehen einen Kauf kritisch. Das Tivoli könnte daher mit der Stadt als finanzstarkem Investor neu erblühen und zur Stadthalle avancieren. Und nicht nur das: Auch für den Landkreis wäre ein solches Haus in der Stadt seines Verwaltungssitzes von Vorteil. Warum nicht also auch den Landkreis mit ins Boot holen.

1Kommentare
👍0👎0 ChWtr 05.09.2018 Verstehe ich nicht.

Wenn das Tivoli in Freiberg so eine Strahlkraft besitzt und über die Stadtgrenze bekannt ist, weshalb wurde es dann Anfang der 2000-er Jahre verkauft?

Und auch noch an einen sogenannten Sonnenkönig.
Klar, wusste man damals nicht, was das für ein Bursche ist.

Muss man die Stadträdte von damals verstehen?

War die Unterhaltung des Hauses zu teurer?

Haben Veranstaltungen das Geld nicht wieder reingespielt, um es dann an einen PRIVAT Menschen zu verkaufen?

Fragen über Fragen.

Man muss schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein, um so ein traditionsreiches Haus zu veräußern, um offenbar kurzfristig(e) Einnahmen zu generieren.

Weitblick: Fehlanzeige!

Es sei denn, es gibt eine plausible Erklärung für den damaligen Verkauf und für die jetzt zwar nachvollziehbare Rückholaktion, aber zu welchen Bedingungen?

Die damaligen Stadtverantwortlichen müssten zur Verantwortung gezogen werden, wenn jetzt durch den möglichen Tivoli Ankauf und einer eventuellen Sanierung dem Stadthaushalt Schaden zugefügt wird.

Kann man ja einem neuen Investor aufhalsen, vielleicht nimmt es ein Chinese...
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