Stadt- und Bergbaumuseum bleibt für Jahre Baustelle

Erst gab es Streit um die Fassadengestaltung, dann geriet der Zeitplan ins Wanken. Nun zeichnet sich ab, dass die Freiberger Einrichtung mehr als ein Jahr schließen muss. Denn im Bestandsgebäude muss mehr hergerichtet werden als gedacht.

Freiberg.

Noch ist der Anbau für das Freiberger Stadt- und Bergmuseum nicht fertig. Wohl bis Mitte kommenden Jahres werden sich die Arbeiten hinziehen, wie Baubürgermeister Holger Reuter gegenüber der "Freien Presse" erklärte. Ein Verzug von einem knappen halben Jahr. Doch danach kehrt keine Ruhe ein. Handwerker werden in der Einrichtung in absehbarer Zeit weiterhin ein- und ausgehen. Schließlich sollen im bisherigen Museumsgebäude, einem spätgotischen Profanbau aus dem 15.Jahrhundert, weitere knapp 590.000 Euro investiert werden. Gut 380.000 Euro waren bereits eingeplant.

Über die Pläne wurden die Stadträte in den vergangenen Wochen informiert - und zwar im nichtöffentlichen Teil der Ausschüsse. Nun steht für Mittwoch im Stadtrat eine öffentliche Debatte an. Nach Recherchen der "Freien Presse" fließt ein Gutteil des Geldes in neue Technik. So soll beispielsweise die Brand-, Einbruchs- und Videoanlage modernisiert werden. "Die sicherheitstechnischen Anlagen entsprechen in großen Teilen nicht mehr den aktuellen Normen", begründet Sandra Eberbach aus der Pressestelle des Rathauses. Da die Technik mittlerweile in die Jahre gekommen ist, können laut der Sprecherin keine Ersatzteile mehr beschafft werden. Die Folge: Eine Erweiterung der Anlagen scheidet aus.

Das war nicht die einzige Überraschung: Es müssen Schäden wie Risse im Putz ausgebessert werden. Der alte Parkettboden, der stellenweise uneben ist, wird ebenso auf Vordermann gebracht. Dass Brandschutzverglasungen zum Giebel hin nötig sind, stellte sich auch erst vor kurzem heraus.

Auch sonst haben die Baufirmen einiges zu tun. Dies war aber absehbar und somit zu kalkulieren. Da die Einrichtung künftig über den rund 2 Millionen Euro teuren Neubau betreten werden soll, wird der bisherige Eingangsbereich umgestaltet. Der Kassenbereich samt dem Tresen verschwindet. Der Technikraum im Erdgeschoss ist ebenfalls überflüssig, weil er andernorts untergebracht wird. Um die haustechnischen Anlagen wie etwa Stromleitungen zwischen den beiden Gebäudeteilen miteinander zu verbinden, müssen Mauern im Altbau aufgeschlitzt und nach Verlegen der Leitungen verschlossen werden. Maler werden auf der Baustelle genauso gebraucht. Außerdem muss nach Angaben der Rathaussprecherin im Obergeschoss eine Wand für eine Tür zum Neubau durchbrochen werden. Teils sollen auch alte WC-Anlagen herausgerissen werden.

Da aufgrund der Arbeiten nicht nur mit Lärm, sondern auch mit erheblich Staub zu rechnen ist - was empfindliche Exponate in Mitleidenschaft ziehen könnte -, muss die Einrichtung längere Zeit schließen. Dies wird, wie es aus dem Rathaus heißt, voraussichtlich von Frühjahr 2021 bis Juni 2022 der Fall sein. Die Arbeiten im Bestandsgebäude werden zwar voraussichtlich im Frühjahr 2021 starten und nur bis zum Jahresende dauern. Danach muss allerdings das Haus für den Museumsbetrieb vorbereitet werden. Das heißt: Vitrinen müssen aufgestellt, die Beleuchtung darauf abgestimmt, die Exponate platziert und letztlich beschriftet werden. "Wir werden die Zeit mit spannenden Sonderausstellungen im Ergänzungsbau überbrücken", verspricht Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos).

Gegen einen früheren Baustart im Bestandsgebäude spricht eine geplante Sonderschau. Das Stadt- und Bergbaumuseum rückt flankierend zur Landesausstellung "500 Jahre Industriekultur in Sachsen", die vom 25. April bis zum 1. November nächsten Jahres läuft, die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des sächsischen Erzbergbaus ins Zentrum.

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