Stasi-Terror: Etwa 450 IM und rund 60 konspirative Wohnungen in Freiberg

Verein Forum 91 initiierte die Erinnerungstafel - Landrat: Ganz wichtiger Termin

Freiberg.

Eine Tafel gegen das Vergessen ist am Freitagnachmittag am Gebäude des Umweltamtes des Landkreises an der Leipziger Straße in Freiberg eingeweiht worden. Sie erinnert daran, dass in dem Gebäudekomplex die Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) untergebracht war - von 1952 bis zu ihrer Auflösung 1989. Hier waren einst rund 50 festangestellte Stasimitarbeiter tätig. Zudem gab es etwa 450 inoffizielle Mitarbeiter (IM). In Freiberg unterhielt die Stasi 50 bis 60 konspirative Wohnungen. Das ist der Broschüre "Die Stasi in Freiberg" zu entnehmen, die Bernd Lippmann erarbeitet hat. Der ehemalige Freiberger, der jetzt im Stasimuseum Berlin tätig ist, war bei der Einweihung der Tafel dabei.

Der 68-Jährige deutete auf das Gebäude, der zu DDR-Zeit betongrau war, und sagte: "Von hier gingen die Aktionen zur Drangsalierung der Bevölkerung aus." Lippmann gehörte zu jenen, die in der Wendezeit an der Auflösung der Stasi in Freiberg beteiligt waren. Er betonte, dass es in der Stadt auch vor 1989 schon Widerstand und Widerspruch gegeben hat. So habe Melanie Weber (1940-2011) Gesundheitsdaten politischer Gefangenen an das Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen weitergeleitet und damit wesentlich zum Freikauf dieser Menschen beigetragen. "In Freiberg sollte eine Straße nach ihr benannt werden", forderte Lippmann.

Die Initiative für die Tafel ging vom Verein Forum 91 Freiberg aus, der sich mit der Aufarbeitung des SED-Unrechtes beschäftigt. Hans-Joachim Walter vom Verein sagte, dass eigentlich der am Dienstag verstorbene einstige Oberbürgermeister Konrad Heinze als Vereinsvorsitzender die Einweihung vornehmen sollte. Die Teilnehmer der Veranstaltung erinnerten mit einer Gedenkminute an Heinze.

Landrat Matthias Damm (CDU) sagte: "Die Einweihung der Tafel ist ein ganz wichtiger Termin vom Vorabend des 30. Jahrestages des 3. Oktober 1990." Immer wieder sollte an das DDR-Unrecht und die Bemühungen aufrechter Bürger erinnert werden, Veränderungen herbeizuführen, so Damm.

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