Stockender Auftakt im Gimmlitztal-Fall

Die Staatsanwaltschaft bleibt bei ihrem Vorwurf: Die Anklage wirft dem LKA-Beamten Mord vor. Auch die Neuauflage des Prozesses beginnt mit einer juristischen Auseinandersetzung.

Dresden.

Die Anklage gegen den LKA-Beamten Detlev G. ist dieselbe wie im August 2014: Mord und Störung der Totenruhe. Oberstaatsanwalt Andreas Feron verlas gestern am Landgericht in Dresden erneut die Anklageschrift mit den grausigen Details jenes Geschehens, wie es sich im November 2013 in der Pension im Gimmlitztal bei Frauenstein zugetragen haben soll.

Damit begann die Neuauflage des Grimmlitztal-Falles, der 2013/14 durch die Medien ging. In seiner Pension soll Detlev G. Anfang November 2013 den damals 58-jährigen Wojciech S. getötet und dessen Leiche zersägt haben - "zur Befriedigung des Geschlechtstriebs" - wie Staatsanwalt Feron sagte. Laut Anklage hat G. am 4. November 2013 seinem Gast im Pensionskeller ein Seil um den Hals gelegt, ihn mit einem Flaschenzug nach oben gezogen und so getötet. Danach habe G. die Leiche mit einer Elektrosäge zerteilt und die Teile auf dem Grundstück vergraben. Die Männer hatten ihre Fantasien in einem "Kannibalen"-Forum im Internet ausgetauscht: S. träumte davon, geschlachtet und verspeist zu werden. G. wollte demnach einen Menschen zerstückeln. Große Teile der Zerstückelung filmte G. Zwar hatte er den Film wieder gelöscht, die Ermittler konnten ihn jedoch herstellen.

Nach einem Verhandlungsmarathon 2014/15 war G. wegen Mordes und Störung der Totenruhe zu knapp neun Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht sah von einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe ab. Den Todeswunsch von S. legten die Dresdner Richter dabei ebenso zugrunde wie die Tatsache, dass G. nicht heimtückisch gehandelt habe.

Verteidigung wie Staatsanwaltschaft gingen in Berufung. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil im Frühjahr auf, unter anderem, weil die Beweisführung nicht bis ins letzte schlüssig gewesen sei. Auch eine mögliche Selbsttötung von Wojciech S. sei nicht ausreichend geprüft worden. Der Bundesgerichtshof wies den Fall ans Landgericht zurück. Übernommen hat den Fall dort die 5. Strafkammer unter Vorsitz von Hans Schlüter-Staats. Kaum hatte dieser gestern die Verhandlung eröffnet, wurde sie wieder unterbrochen. Verteidiger Endrik Wilhelm rügte die Zuständigkeit. Die Strafkammer sei keine Schwurgerichtskammer, lediglich für Wirtschaftsstrafsachen zuständig. Nach einer Beratungspause wiesen die Richter den Antrag ab.

Innerhalb der Beweisaufnahme verlas Schlüter-Staats einen Brief des Angeklagten von 2014. Darin schilderte G. den Tag, als er Wojciech S. ins Gimmlitztal brachte. Zudem erklärte er, S. nicht getötet zu haben. Dieser sei selbst zu Tode gekommen.

Verteidiger Wilhelm sagte nach der Verhandlung, er habe den "wohltuenden Eindruck", das Gericht bemühe sich um fairen Umgang mit dem Angeklagten. Dieser erklärte, von einem Journalisten im Saal zu seinen Erwartungen befragt: "Man sollte mit dem Schlimmsten rechnen, dann kann es nur besser werden." Am Montag geht die Verhandlung weiter.

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