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Streik im Einzelhandel erreicht Freiberg

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75 Beschäftigte verschiedener Handelsfirmen haben sich am Freitagvormittag vor dem Kaufland-Markt zur Kundgebung versammelt. Auch am Samstag soll in der Region die Arbeit niedergelegt werden.

Freiberg.

Nachdem bereits in anderen Regionen Sachsens Unternehmen des Einzelhandels von Warnstreiks betroffen waren, haben sich am Freitagvormittag 75 Beschäftigte vor dem Kaufland-Markt in Freiberg am Bebelplatz zu einer Kundgebung versammelt. Dazu aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi, nachdem die Tarifverhandlungen bisher ergebnislos verlaufen sind. In Freiberg haben sich nicht nur Kaufland-Beschäftigte beteiligt. Es seien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Einzelhandelsunternehmen aus Sachsen nach Freiberg gekommen, wie die Verdi-Streikleiterin in Freiberg, Andrea Busch, erklärte. Dazu zählten unter anderem Beschäftigte von Kaufland aus Mittweida und Burgstädt sowie Abordnungen von Netto- und Aldi-Märkten aus Südwestsachsen.

"Ohne uns kein Geschäft" lautet das Motto, unter dem sich laut der Verdi-Streikleiterin die Streikenden von 6 bis 11 Uhr am Bebelplatz versammelt hatten. "Die Stimmung hier ist gut, die Beschäftigten sind mutiger geworden und streikbereit", sagte Andrea Busch. Der Kaufland-Markt sei zwar dennoch für Kunden geöffnet gewesen, doch müssten die mit Einschränkungen beim Einkauf rechnen. Denn auch nach Ende der öffentlichen Aktion würden die Teilnehmer nicht an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Am Samstag werde die Aktion mit einem "stillen Streik" fortgesetzt. Das heißt, die Beschäftigten treffen sich nicht zu einer Kundgebung, werden aber auch nicht zur Arbeit kommen. Die Kunden in Freiberg hätten Verständnis für den Streik gezeigt, überwiegend positiv reagiert, so Andrea Busch. Es werde anerkannt, dass die Beschäftigten im Einzelhandel trotz Pandemie und Sorge um die eigene Gesundheit zur Arbeit gegangen seien, um die Versorgung aufrecht zu erhalten. Nun sei es aber auch an der Zeit, nicht nur Beifall zu klatschen. In den Löhnen müsse sich die Anerkennung niederschlagen.

Nach Verdi-Angaben endete am 13. September die vierte Verhandlungsrunde für die 280.000 Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ergebnislos. Am 4. Oktober werde weiter verhandelt. Verdi fordert eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 4,5 Prozent plus eine monatliche Zahlung von 45 Euro. Darüber hinaus soll ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde festgeschrieben werden. Das hätten die Arbeitgeber bisher abgelehnt, so die Streikleiterin. Man müsse dabei bedenken, dass nur etwa ein Drittel der Beschäftigten in Vollzeit arbeite.

Das Unternehmen Kaufland hat unterdessen in einer Mitteilung erklärt, dass die Teilnahme am Streik respektiert werde. Vor dem Hintergrund der erschwerten Bedingungen im Lebensmitteleinzelhandel in den vergangenen Monaten hätten Kaufland und Lidl das Tarifentgelt bereits ab Juni, vor Abschluss der aktuellen Tarifverhandlungen, um drei Prozent erhöht. "Sollte die ausstehende Entscheidung der Tarifpartner zur Erhöhung der Tariflöhne geringer ausfallen, werden Kaufland und Lidl darüber hinaus freiwillig den entsprechenden Differenzbetrag zu drei Prozent gewähren", sagte Kaufland-Pressesprecherin Alisa Götzinger.

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