Streit um wichtige Kanzel spitzt sich zu

Bleibt der Aussichtspunkt im Naturschutzgebiet Großhartmannsdorf erhalten? Fachleute halten es für wichtig. Die Naturschutzbehörde im Landkreis aber mauert.

Großhartmannsdorf.

Die Naturschützer sind enttäuscht: Der Landkreis Mittelsachsen - konkret die Untere Naturschutzbehörde - wird sich möglicherweise nicht für den Erhalt des ornithologischen Beobachtungspunktes am Großteich Großhartmannsdorf engagieren. Mit diesen Worten schildert der Landesnaturschutzbeauftragte Edgar Weber ein Gespräch zum Thema am Mittwoch zwischen ihm sowie Udo Seifert, Referatsleiter Naturschutz der Kreisbehörde, Amtsmitarbeitern und dem Naturschutzbeauftragten Christoph Weidensdorfer.

Edgar Weber hatte auch die "Freie Presse" zum Vor-Ort-Termin in das Naturschutzgebiet zur Berichterstattung eingeladen. Referatsleiter Seifert lehnte dies jedoch ab. "Der Landkreis ist Einlader und will intern mit den Naturschützern sprechen", sagte Seifert und fügte an, Auskünfte seien nur über die Pressestelle möglich. Die "Freie Presse" musste das Treffen verlassen.

"Der Landkreis sieht keine rechtliche Grundlage für einen Ersatz der kaputten Kanzel. Es zählt nicht zu den Pflichtaufgaben, auch finanziell gibt es dafür keine Handhabe", äußerte sich Edgar Weber nach dem Termin entsetzt. Der Beobachtungspunkt ist seit September gesperrt, weil er verschlissen und nicht mehr sicher zu betreten ist. Er muss dringend ersetzt werden, weil er laut Edgar Weber im Landkreis der einzige seiner Art in einem Naturschutzgebiet und wichtig für die wissenschaftliche Freizeitforschung im weit über Sachsen hinaus bekannten Vogelschutzgebiet ist. "Sein Erhalt ist notwendig", so Weber. Auch Besucher nutzen den Stand am Ufer eines von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen verwalteten Grundstücks. Es gibt ihn, wie nachgewiesen ist, seit 1992. Damals war er von ehrenamtlichen Naturschützern mit Mitteln des Regierungspräsidiums Chemnitz gebaut worden. Die Ehrenamtler kümmerten sich auch um nötige Reparaturen. Auch sie sind in Sorge, dass der Landkreis kein Interesse an der Kanzel hat.

Udo Seifert habe sinngemäß geäußert, dass es nur dann ein weiteres Gespräch gibt, wenn Unterlagen des früheren Kreises Brand-Erbisdorf vorliegen. Sie müssten belegen, dass dem Kanzelbau damals zugestimmt wurde, sagt Edgar Weber. Dass Mittelsachsen als Nachfolger für den Landkreis auch für Altbestand verantwortlich sei, davon habe der Referatsleiter nichts wissen wollen, so Weber. Nicht einmal der Ansatz eines Kompromisses sei nach seinen Worten gefunden worden.

Die LTV beurteilt die Thematik anders: Sie und die Naturschutzbehörde des Landkreises seien bestrebt, den Beobachtungsstand zu erhalten, hieß es vor einigen Wochen aus deren Pressestelle. Die LTV "hält die Arbeit der ehrenamtlichen Ornithologen für sehr wichtig und ist weiterhin bereit, das Grundstück für den Beobachtungsstand dem Landkreis kostenlos zur Verfügung zu stellen", hieß es dazu.

Nachfragen der "Freien Presse" zum Fortbestand der Kanzel beantwortete die Pressestelle des Landkreises mit den Worten: "Ziel des Termins war, mit allen Beteiligten nach einer Lösung für den Fortbestand der Kanzel zu suchen. Details werden wir erst nennen, wenn es zu einer Einigung gekommen ist."


Kommentar: Bürger-Amt?

Die Kritik an der Landkreisbehörde ist aktuell nicht zu überhören, Beispiele gibt es mehrere. Nun kommt das Auftreten der Unteren Naturschutzbehörde dazu. Man wird das Gefühl nicht los, dass etwas falsch läuft. Der Stempel "Abgelehnt" scheint in vielen Amtsstuben die Oberhand zu haben und Bürger somit zu Bittstellern zu degradieren. Dabei arbeitet eine Behörde nicht zum Selbstzweck, sondern in deren Auftrag für die Bürger.

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