Streit um Wohngebiete in Großschirma

Der künftige Flächennutzungsplan für das Stadtgebiet sorgte für Debatten im Stadtrat. Worum ging es dabei?

Großschirma.

Wie könnten Großschirma und seine Stadtteile in 15 Jahren aussehen? Eine Antwort auf diese Frage gibt der Flächennutzungsplan. Er legt fest, wo neue Wohngebiete oder Gewerbeansiedlungen entstehen könnten. Auf ihrer jüngsten Sitzung in Großschirma haben die Stadträte über das Papier beraten. Zugleich beschlossen sie die öffentliche Auslegung des Plans vom 28. September bis 30. Oktober im Rathaus. Und Behörden, Nachbargemeinden sowie Verbände sollen erneut befragt werden.

Laut Planer Hans-Joachim Bothe vom gleichnamigen Dresdner Planungsbüro wurde die Ausweisung der Bauflächen noch einmal kritisch überprüft - auch vor dem Hintergrund, dass Großschirma nach der 7. Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung 2035 nur noch 5170 Einwohner hat. Derzeit sind es rund 5800. Beim Flächennutzungsplan war man anfangs von 5600 Einwohnern in 15 Jahren ausgegangen. Während der Vorentwurf des Plans mehrere Flächen mit einer Größe von insgesamt 16 Hektar für den Wohnungsbau beinhaltete, sieht der jetzige nur noch zwei neue Standorte mit einer Gesamtfläche von 7,5 Hektar vor.

Dabei handelt es sich um die Erweiterung des Wohngebietes "Am Hasenborn" im Münzbachtal in Großschirma und das brachliegende Areal der ehemaligen Gärtnerei an der Siebenlehner Preußerstraße. "Die Erschließung des ersten Gebietes soll kommunal erfolgen", erläuterte Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP) am Dienstag auf Anfrage von "Freie Presse". Beim zweiten Standort hingegen seien Flächen bereits teilweise privat erworben worden. Hier würde die Kommune lediglich begleitend wirken, "so denn irgendwann einmal ein Antrag zur Bebauung gestellt wird", sagte Schreiter. An der Forsthofstraße und der Neuen Straße in Siebenlehn gehe es nur noch um "Abrundungen bereits bestehender Erschließungen". Planer Bothe betonte: "Bei Bedarf sind jederzeit Ergänzungen möglich."

Die beiden anfangs vorgesehenen neuen Wohngebiete in Seifersdorf fielen dem Rotstift zum Opfer. Stadträtin Susan Ralle (Lebenswerte Stadt) bemängelte, dass es schon jetzt eine Entvölkerung der Ortskerne gebe. "Das Wohngebiet Am Hasenborn, das sich in einer Randlage, dreieinhalb Kilometer vom Ortskern entfernt befindet, leistet der Entvölkerung Vorschub", sagte Ralle. "Wir sollten die stabile Nachfrage nach Bauland nutzen, um finanzstarke Bauherren in die Ortslage zu bringen. UBV-Stadtrat Falk Böhnisch widersprach: "In Großvoigtsberg sind zurzeit fast alle Grundstücke bewohnt." Gunther Zschommler (CDU/RBV) ergänzte später: "Ich sehe auch in Großschirma, Reichenbach und Seifersdorf nicht so viele freie Baukapazitäten." Margot Schleicher (Freie Liste Reichenbach-Seifersdorf) verwies auf die vielen, liebevoll restaurierten Fachwerkhäuser. So richte gerade eine junge Familie ein Haus am Reichenbacher Markt her.

Volker Scharf (UBV) wiederum sagte: "Die Grundsteuereinnahmen aus dem Wohngebiet Am Hasenborn haben dazu beigetragen, dass wir in Siebenlehn investieren konnten." Die Stadträte hätten "endlose Stunden" an dem Papier gearbeitet. AfD-Fraktionschef Rolf Weigand bedauerte, dass nur die großen Flächen im Münzbachtal und in Siebenlehn berücksichtigt wurden und das zunächst vorgesehene Kleinvoigtsberger Gebiet nicht berücksichtigt wurde. Die Arbeit an dem Plan sei "im Nachhinein gesehen vergeudete Zeit" gewesen.

Der Entwurf des Flächennutzungsplans wurde von den Stadträten mehrheitlich gebilligt. Rolf Weigand und Susan Ralle enthielten sich der Stimme.


Seit 2017 in Arbeit

Bisher hatte die Stadt Großschirma noch keinen Flächennutzungsplan. Doch das Landratsamt empfahl der Stadt, das Papier erarbeiten zu lassen - auch vor dem Hintergrund geplanter Wohngebiete. Seit 2017 wird nun an dem Plan gearbeitet. Der Flächennutzungsplan ist ein Planungsinstrument der öffentlichen Verwaltung, mit dem die städtebauliche Entwicklung der Gemeinden gesteuert werden soll. Das Papier legt (mögliche) Wohnstandorte, Gewerbe- und Landwirtschaftsflächen fest. In einem mehrstufigen Verfahren werden unter anderem Bürger, Behörden und Verbände beteiligt. Nach dem Stadtratsbeschluss erfolgt die öffentliche Auslegung des Entwurfes, Bürger können Einwände äußern. Auch Behörden und Verbände werden einbezogen. Der Stadtrat berät über die Einwände, und es erfolgt eine Überarbeitung. Schließlich muss das Landratsamt das Papier genehmigen. Als letztes erfolgt die Bekanntmachung der Genehmigung, wodurch Rechtswirksamkeit entsteht. (hh)

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