Sturm wirft Waldbesitzer im Kampf gegen Borkenkäfer zurück

Allein im Kreisforstrevier Reinsberg werden rund 15.000 Festmeter Bruchholz erwartet. Ein Nährboden für die Schädlinge.

Freiberg/Reinsberg.

Die Stadt Freiberg schätzt die Schäden in ihren Wäldern auf rund 3000 Festmeter Holz, im Kreisforstrevier Reinsberg ist gar von 15.000 Festmetern Bruchholz die Rede - das jüngste Sturmtief Eberhard hat die Waldbesitzer in der Region im Kampf gegen den Borkenkäfer zurückgeworfen. Denn die Bäume, die zu Bruch gegangen sind, sind ein Nährboden für die Forstschädlinge.

Zumal in dem Kreisforstrevier, das sich über elf Gemeinden bis nach Erdmannsdorf erstreckt und etwa 10.460 Hektar Wald umfasst, noch rund 11.000 Festmeter Fichte liegen, die 2018 durch Sturm Friederike und Borkenkäferaktivitäten angefallen sind. "Ein Problem ist, dass die Holzpreise rückläufig sind und dadurch bei bestimmten Holzsortimenten den Waldbesitzern Einbußen entstehen können", schätzt Tina Soltysiak vom Landratsamt ein.

Christoph Ulrich

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Von der Situation hätten sich am Wochenende auch Kreisräte auf ihrer diesjährigen Waldexkursion ein Bild gemacht, so die Pressereferentin weiter. Stationen seien das Heideholz am "Kalten Feld" bei Oberschöna sowie der Staats- und Privatwaldkomplex bei Erdmannsdorf gewesen. "Die Lage stellt sich dramatisch dar, und durch die Schäden der vergangenen Stürme verschlimmert sich die Situation", erklärt der erste Beigeordnete Dr. Lothar Beier. Mario Helbig, der Leiter des Referates Forst, Jagd und Landwirtschaft im Landratsamt, appelliert in diesem Zusammenhang, beim Betreten der Wälder sehr vorsichtig zu sein und Sperrungen zu beachten. "Sind Bäume 'angeschoben' und hängen noch in den Kronen anderer Bäume, besteht ein erhöhtes Gefährdungspotenzial für Waldbesucher, wenn die Bäume unvermittelt zu Boden fallen oder Äste herabbrechen", warnt Helbig.

Landesweit hätten Borkenkäfer in den vergangenen Jahren drastische Schäden in Nadelholzbeständen angerichtet. "Im gesamten Landkreis Mittelsachsen sind daher vielerorts abgestorbene Bäume - insbesondere Fichten - und aufgelichtete Waldbestände zu finden. Das Schadausmaß hier zählt zu den höchsten in Sachsen", konstatiert Helbig. Es sei davon auszugehen, dass die Borkenkäfer zahlreich überwintern, sich ab dem Frühjahr wieder stark vermehren und erneut Wälder in erheblichem Umfang schädigen. Die Bäume seien durch die trocken-heiße Witterung 2018 geschwächt. Die Ausbreitung des Borkenkäfers werde durch Schneebruchschäden aus dem Januar 2019 zusätzlich begünstigt.

Käferholz sei umgehend aus dem Wald zu schaffen, erklärt der Referatsleiter. Schwerpunkt seien Nadelholzbestände, in denen gebrochene Bäume noch nicht beräumt sind und in denen sich alte Befallsherde befinden. "Nur rechtzeitiges Handeln führt zum Erfolg", so Helbig.

Allerdings seien die Forstunternehmer derzeit weitestgehend ausgebucht, räumt Tina Soltysiak ein. Problematisch seien die auf vergleichsweise großer Fläche verstreuten Mengen an Wurf- und Bruchholz, so die Pressereferentin: "Die hiesige Unternehmerstruktur ist technisch und personell für 'normale' Jahre gut aufgestellt. In Situationen wie jetzt mit den Stürmen Xavier, Herwarth, Friederike, Eberhard und der Dürre 2018 stößt die Kapazität jedoch an ihre Grenzen."


Schnelles Handeln ist gefragt

Etwa ab 16 Grad Celsius Tagestemperatur schwärmen die Borkenkäfer aus. Um ihre Vermehrung einzudämmen, müssen Nadelholzbestände am besten wöchentlich auf neuen Befall kontrolliert werden. Merkmale dafür sind Bohrlöcher und frisches Bohrmehl an der Rinde, Harztröpfchen unterhalb des Kronenansatzes, abgeschlagene Rindenschuppen durch die Tätigkeit von Spechten, später grüner Nadelteppich unter Fichten.

Befallene Bäume müssen schnellstmöglich vor dem Ausflug der Käfer (in der Regel ab Anfang April) gefällt, aufgearbeitet und abgefahren oder entrindet werden. Besonders gefährdet sind Bäume um alte Befallsstellen, Bereiche mit Wurf- und Bruchholz und um Holzpolterplätze sowie exponierte Bestandsränder. (jan)

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