Tag des offenen Denkmakels

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Hier steht, dass wirklich wichtig ist. Heute: Wer etwas über regionale Geschichte lernen will, dem stehen alle Falltüren offen.

Wann gehen U-Boote unter? Am Tag der offenen Tür. Was ist klebrig und geht durch die Wüste? Ein Karamel. Was ist schwarz-weiß und sitzt auf der Schaukel? Der Schwinguin. Und wie viele Leser bestellen eigentlich die Zeitung ab, weil man ihnen anstatt einer Glosse nur Flachwitze aus dem Internet bietet? Geht gegen unendlich.

Jetzt ist aber Schluss mit dieser grenzwertigen Grenzwertbetrachtung. Schließlich geht es um ein ernstes Thema. Und da sind Lacher vorprogrammiert (oder nachprogrammiert?). Tatsächlich feiern dieses Wochenende viele Denkmale einen Tag der offenen Tür. Für die Jüngeren unter uns: Tag der offenen Tür ist, wenn man einfach irgendwo hineingehen und sich umschauen darf. Früher gab es das öfter mal. Ohne Besucherzahlbeschränkung und ohne die 3G-Regel (gutes Benehmen, gemäßigte Lautstärke, gesittete Tischmanieren). Damals hatten sogar Schulen einen Tag der offenen Tür. Das ist in Zeiten des Virus-das-nicht-genannt-werden-darf unvorstellbar. Heute haben die Schulen bestenfalls noch Tag des offenen Fensters. Und zwar jeden Montag bis Freitag ab 8 Uhr, bis Coronaschuljahresende, es sei denn, es kommt vorher das, was ebenfalls nicht genannt werden darf, und früher Quarantäne hieß.

Aber lassen wir das. Vor der Arbeit kommt das Wochenende samt Vergnügen, und wem es im Freibad zu heiß ist, der kann eins unserer zahlreichen Denkmale besichtigen. Und damit aus so mancher Bildungslücke eine Bildungsbrücke machen. Der Tag des offenen Denkmals ist genau das Richtige für alle, die meinen, Flachsen wäre nur ein anderes Wort für das scheinbar lässige Reißen schlechter Witze (Die werden im Flachsmuseum Zethau eines Besseren belehrt). Oder die denken, das Zylindergebläse in Muldenhütten könnte ihnen den Hut vom Kopf pusten. Oder die immer noch darauf warten, dass der Freiberger Donatsturm eines Tages einen Pappkarton voll amerikanischer Schmalzkringel ausspuckt (Not gonna happen. Das wird nicht passieren. Auch wenn die Freiberger noch so oft vom Doughnutsturm und dem Doughnutsfriedhof sprechen).

Am Tag des offenen Denk-Mals kann man was lernen. Deshalb gehen wir Erzgebirger ja auch nicht hin. Wir wissen ja bekanntlich schon alles. Bei uns weiß doch schon jedes Grundschulkind, was eine Radstube ist - ob sie nun in Oberschöna steht oder in Unterhässlich oder einfach irgendwo unter der Erde, Verzeihung, unter dem Tage. Jedenfalls glaubt bei uns niemand, eine Radstube wäre ein Wohnzimmer, in dem man Fahrräder oder eine alte MZ aufbewahrt. Trotzdem muss man fairerweise sagen: Auch bei uns können manche Leute noch was lernen. Zumindest die Kinder und Jugendlichen. Die können zum Beispiel lernen, was ein Kino ist. Kennen die ja gar nicht mehr. Zum Glück hat das alte Kino in Hainichen inzwischen Denkmalstatus und dort ist am Sonntag Tag des offenen Vorhangs. Ansonsten kann man auch noch einen ganz besonders imposanten Quarzporphyrkegel erkunden. Er steht so über der Zschopau rum. Warum das interessant sein soll, konnte nicht ganz geklärt werden. Angeblich befindet sich irgend so ein Renaissanceschloss auf dem Hügel, das nach irgendeinem unbedeutenden Fürsten benannt wurde und gemeinhin auch als "Bohne des Erzgebirges" bezeichnet wird.

Als Naturdenkmal mit dem morbiden Charme der Vergänglichkeit gilt auch der Freiberger Stadtwald. Wer regelmäßig durch den Wald spaziert, kann später seinen Enkelkindern aus eigener Erfahrung berichten, wie es ist, durch einen Wald zu laufen. Irgendwann werden solche authentischen Zeitzeugenberichte bestimmt mal wertvoll sein.

Aber so weit sind wir noch nicht. Noch verfallen bei uns manche Häuser schneller als die Wälder. Nicht direkt ein Denkmal, aber doch ein Denk-Mal, ist die Alte Buntpapierfabrik in Flöha. Seit einigen Wochen ist sie ganz ohne Zuhilfenahme eines Prinzen aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Der/die/das Ibug, ein Kunstfestival zur Verschönerung von Industriebrachen, hauchte ihr neues Leben ein. Man sieht also: Alte Gebäude können für alles Mögliche gut sein. Sogar für das Unmögliche. Also: Viel Spaß beim Tag des offenen Denkeinmals!

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