Tag des Tages

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Wofür man in Dresden eine Humortrainerin aus Freiberg braucht.

Lache, wem Humor gegeben, sagt der Volksmund und grinst dabei hämisch von einem seiner Winkel zum anderen. Oder: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Obwohl man den Witz nicht verstanden hat. Und obwohl wir bei uns ja wahrlich nichts zu lachen haben. Schließlich fehlt es uns an allem. Na ja, an fast allem. Zwar nicht an Nahrung, lebensnotwendigen Medikamenten und Imbissbuden. Aber an Ärzten, Feuerwehrleuten und Lehrern.

Weshalb jetzt die Pädagogin und Freiberger Stadträtin Heidi Hinkel (Freie Wähler) mit 74 Jahren wieder in die Schule geht, um wie früher als Musiklehrerin zu arbeiten. Vielleicht ist das endlich die ersehnte Lösung für das Problem mit dem Lehrermangel: Die Rente mit 87. Für alle Lehrer im Land. Zumindest im Fall von Heidi Hinkel wäre das wohl ein Gewinn. Und die Schüler lernen dann auch ein wenig Humor, denn Hinkel ist auch Büttenrednerin beim FKK (Witz über den Freiberger Karnevalklub fällt aus Humorersparnisgründen dieses Mal aus).


Ja, richtig gelesen: Humor kann man lernen. Dafür haben wir in Freiberg sogar eine ausgebildete Humortrainerin: Romy Einhorn betreibt nicht nur Lachyoga, sondern ist am Sonntag sogar nach Dresden gefahren, um dort gemeinsam mit anderen Menschen zu lachen. Wer das zum Lachen findet, der hat es schon kapiert: Lachen ist gesund, und warum sollte man ihm nicht einen eigenen Tag widmen: den Weltlachtag. Dass die Dresdner inzwischen sogar beim Lachen Nachhilfe aus Freiberg brauchen, ist aber wirklich allerhand. Früher waren sie ja wenigstens damit zufrieden, dass wir ihnen ein bisschen Silber abgaben.

Wer am Weltlachtag vergessen hat, zu lachen, kann das gerne in einem Jahr nachholen. Früher geht's leider nicht, da alle anderen Tage bereits mit kuriosen Feiertagen belegt sind. Diesen Sonntag zum Beispiel ist Muttertag. Für die Jüngeren unter den Lesern: Diese Tradition stammt noch aus früheren Zeiten. Damals übernahmen Frauen den größten Teil der Hausarbeit und Kindererziehung, gingen oft nur in Teilzeit arbeiten und wurden im Vergleich zu den Männern schlecht bezahlt. Zum Ausgleich durften sie einmal im Jahr - am Muttertag eben - ausschlafen und bekamen einen Strauß Blumen. Da wir ja heute in ganz anderen Zeiten leben, bräuchten wir diesen Tag eigentlich nicht mehr. Aber er ist eben aus Kuriositätsgründen noch erhaltengeblieben. Dieses Jahr muss man allerdings aufpassen, dass die Blumen nicht erfrieren, denn der Muttertag fällt auf den Tag des Pankratius. Und das heißt: Die Eisheiligen sind los! Wissenschaftlich betrachtet gilt diese Bauernregel zwar schon lange nicht mehr. Unwissenschaftlich betrachtet kann man durchaus sagen, dass es in letzter Zeit saukalt war. Kalt genug jedenfalls, um den Ohne-Socken-Tag am Mittwoch einfach mal zu verschwitzen. Oder, passender ausgedrückt: Der Ohne-Socken-Tag ließ uns Mittelsachsen dieses Jahr kalt. Hoffentlich müssen wir diesen Sommer nicht einen Ohne-Badehose-Tag oder einen Im-Wintermantel-ins-Freibad-warum-auch-nicht-Tag feiern.

Irgendwie war es doch einfacher, als die Tage noch nicht solche komischen "Tag des..."-Namen trugen. Sondern einfach nur Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag hießen. Vielleicht sollte man mal einen "Tag, an dem gar nichts Besonderes ist" erfinden. Oder, noch einfacher, einen "Tag des Tages". Am 30.Februar wäre noch Platz im Kalender.

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