Tempo 30 auf dem Autobahnzubringer

Mit der Geschwindigkeitsbegrenzung soll die Gefahrenstelle auf der B 101 in Großschirma entschärft werden. Indes laufen die Planungen für den Ausbau der Straße weiter. Doch die vorgesehene Ampelkreuzung ist umstritten.

Großschirma.

Sie hat es in sich: die Kreuzung der B 101 mit der Hauptstraße in Großschirma. An dem Knoten passierten 2016 insgesamt 5Unfälle, 2017 12 Kollisionen und im vorigen Jahr 15 Unfälle. Seit Jahren ist die Kreuzung eine Unfallhäufungsstelle, bestätigt Tina Soltysiak, Pressereferentin im Landratsamt. Deshalb habe die Kreisbehörde jetzt auf der Bundesstraße, jeweils kurz nach dem Ortseingang, Tempo-30-Schilder aufgestellt - auf Anraten der mittelsächsischen Unfallkommission. Das Verkehrszeichen in Richtung Freiberg sei inzwischen noch einmal weiter in Richtung Fahrbahnkante verrückt worden. Der Grund: Die Kraftfahrer hatten die neuen Schilder zunächst nicht richtig bemerkt, weil in unmittelbarer Nähe ein Wegweiser stand.

Das Tempolimit ist nicht der einzige Schritt, um Rasern auf dem Autobahnzubringer Einhalt zu gebieten. Im August 2016 stellte die Stadt Tempo-Anzeigetafeln auf. Doch viele Fahrer ignorierten sie. Schon vor längerer Zeit hatte die Stadt deshalb bei der Kreisbehörde einen stationären Blitzer beantragt. "Das Landratsamt hat ihn aber nicht genehmigt", so Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP) in der jüngsten Stadtratssitzung auf Anfrage von Lutz Krumbiegel (AfD). Die Pressestelle der Kreisbehörde wiederum ließ die Frage von "Freie Presse", warum der Antrag der Stadt auf ein stationäres Blitzgerät abgelehnt wurde, unbeantwortet.

Polizei und Landratsamt verwiesen darauf, dass die Geschwindigkeit mobil überwacht wird. Allerdings hat die Polizei seit dem Aufbau der Tempo-30-Schilder noch keine Radarkontrollen durchgeführt. Das sei "aufgrund der örtlichen Gegebenheiten ein Stück weit schwierig", so Daniela Koenig von der Polizeidirektion Chemnitz. Gerade werde geprüft, inwieweit Messungen möglich sind und welche Technik dafür genutzt werden könnte.

Kontrollen würden sich lohnen. Das zeigt die Auswertung der Tempotafel an der B 101. Laut Bauamtsleiter Frank Jänich lag die Durchschnittsgeschwindigkeit in dem Tempo-30-Bereich im Zeitraum vom 20. August bis zum gestrigen 12. September mittags bei etwas über 42km/h. Am 30.August gegen 1.30 Uhr raste ein Fahrzeug mit 104 Sachen in den Messbereich, bremste am Messgerät auf 95km/h ab. Am 1. September gegen 5 Uhr kam ein Fahrzeug mit 115km/h an und bremste an der Tempotafel auf 64 km/h ab.

Unterdessen laufen die Planungen für den Ausbau der B 101 in Großschirma weiter. Laut Isabel Pfeiffer, Pressesprecherin des zuständigen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), ist die Erarbeitung des Vorentwurfes "weitestgehend" abgeschlossen. "Aktuell werden dazu noch Stellungnahmen eingeholt, beispielsweise vom Landratsamt und von der Stadt Großschirma", sagte sie. Der Vorentwurf soll noch in diesem Jahr in die Abstimmung mit Bund und Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Sachsen gehen.

Der Vorentwurf beinhaltet laut Lasuv-Sprecherin Pfeiffer eine vierarmige Kreuzung mit Ampelregelung. Bisher gibt es auf der B 101 lediglich eine Fußgängerampel. Auch Linksabbiegespuren sind geplant. Zudem sollen die Gehwege verbreitert werden. Die Busspuren an der Kreuzung sollen bleiben.

Doch der Ausbau des Knotens ist in Großschirma umstritten. Die Stadträte hatten die innerörtliche Ampelkreuzung 2015 abgelehnt. Ein Grund: Für die Kreuzungsvergrößerung müssten Anlieger teils bebautes Land abgeben. Zudem hatten Anwohner wiederholt über Lärmbelästigungen geklagt und eine Umgehungsstraße gefordert. Sachsens Wirtschaftsministerium und das Bundesverkehrsministerium hatten dennoch 2017 einen bestandsnahen Ausbau bestätigt.

Großschirmas Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP) sagt: "Ich sehe das Vorhaben in dieser Form nicht umgesetzt." Über die Stellungnahme der Stadt sei im Technischen Ausschuss des Stadtrats beraten worden. Es gehe vor allem um bauliche Anmerkungen, beispielsweise zum Lärmschutz. Das Landratsamt hält sich indes noch bedeckt, wie es zu dem Projekt steht. "Die Stellungnahme wird derzeit erstellt", hieß es.

Wie das Prozedere im Planfeststellungsverfahren weitergeht? Wenn Bund und Land den Vorentwurf bestätigt haben, wird ein Entwurf erarbeitet. Der wird öffentlich ausgelegt. Dann hat jeder betroffene Bürger die Möglichkeit, Hinweise zu den Plänen einzureichen. Gibt es Einwände, werden sie geprüft. Ziel ist es, Baurecht zu bekommen.

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