Theater: Urgestein wird heute 90 Jahre alt

Chortenor Gunter Wagner aus Freiberg: "Es war eine sehr schöne Zeit"

Freiberg.

Seinen 90. Geburtstag am heutigen Samstag hatte sich der Freiberger Gunter Wagner, der Ehrenmitglied des Mittelsächsischen Theaters ist, ganz anders vorgestellt. Er plante eine große Feier, bei der er mit Künstlern des Theaters ein Programm aufführen wollte. "Ich wollte noch mal auf die Bühne. Drei Wochen lang habe ich schon Lieder von Franz Schubert einstudiert - doch dann kam Corona dazwischen", so Wagner. "Ich bedauere das sehr." Jetzt hoffe er, dass die Feier im Frühjahr nachgeholt werden kann.

Alten Freibergern ist noch sein Vater, Inhaber einer Zoohandlung, als "Vogel-Wagner" ein Begriff. Gunter Wagner trat in die Fußstapfen seiner früh verstorbenen Mutter und wurde in Chemnitz zum Tänzer ausgebildet. Später absolvierte er eine Gesangsausbildung. Von 1950 bis 1963 war er in Dresden, Berlin, Bautzen, Döbeln, Heidelberg und Meißen engagiert. Seit 1963 gehörte er als Chortenor zum Freiberger/ Mittelsächsischen Theater. Er half auch als Regieassistent, Inspizient, Souffleur und Techniker. "Es war eine sehr schöne Zeit. Das waren die schönsten Jahre meines Lebens", sagt er. "Das Theater war meine Familie." Nach Beendigung seines festen Engagements 1996 wirkte er noch viele Jahre in fast jeder Musiktheateraufführung mit. Obendrein half er beim Einlassdienst aus.

Heute sagt Gunter Wagner: "Ich habe ein sehr bewegtes Leben hinter mir." An manchen Tagen spüre er sein Alter. Er lacht und sagt: "Glücklicherweise habe ich gute Ärzte."

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11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Juri
    15.11.2020

    Herzlichen Glückwunsch lieber Gunter Wagner. Sie sind ein Mensch, den ich aus den unterschiedlichsten Gründen stets bewundert und verehrt habe.
    Ich war noch ein kleiner Junge und hatte ein Aquarium. Natürlich brauchte ich auch Wasserflöhe. Die gab`s in der Zoohandlung Ihrer Eltern. Sie waren an diesem Tag helfender Sohn und bedienten mich. "Mein Herr, womit kann ich dienen“?
    Wow, ich war 8, 9 Jahre. „Mein Herr“ haben Sie gesagt. "Bitte Wasserflöhe", hab ich überwältigt geantwortet.
    Sie tauchten eine Suppenkelle mit eleganten Armschwüngen in einen Eimer und füllten mein mitgebrachtes Glas.
    Danach haben Sie den für mich ewig in Erinnerung bleibenden Satz gesprochen: "Einmal Flöhe der Herr. Zwanzig Pfennige bitte“.
    „Der Herr“ hat der nochmal gesagt. Unfassbar!
    Das hab ich bis heute nicht vergessen, diese Begebenheit schon zig mal erzählt und stets unter den Zuhörern Freude ausgelöst.
    Bleiben Sie noch lange gesund und behütet.